Logbuch 2006

1. Tag: Samstag, 08.07.2006

Es geht los! Bei etwas bedecktem Himmel fahren wir um 7.30 Uhr bei Gossen vom Hof. Ohne Pause kommen wir nach knapp zwei Stunden in Echtenerbrug an. Ort gleich gefunden, klar mit Georg`s Navi!
Die Libra, unser Schiff, haben wir schon gleich am Bootssteg entdeckt. Was für eine Yacht!!!

Friesland_08–14_07_2006 _003

Schneeweiß gestrichen, auf dem Achterdeck 4 Stühle mit einem kleinen Tisch. Unter Deck, auf der ersten Ebene eine halbrunde Bank, in der Mitte einen Tisch. Gegenüber auf der Anrichte ein Fernseher mit Antenne (Schüssel auf dem Mitteldeck).
Dann 3 Stufen tiefer eine vollständig eingerichtete Küche – Kühlschrank, Gasherd, Kaffeemaschine, Mikrowelle, Brottrommel, 8teiliges Kaffeegeschirr, Töpfe und Pfannen, Gläser-Sortiment, Messer, Löffel, Gabel, usw.……- also alles da! In der linken Ecke nochmals zwei Sitzbänke mit einem Tisch in der Mitte.
Zwei Schlafkabinen befinden sich jeweils im vorderen und hinteren Teil des Schiffes. Zu Hause hatten wir schon ausgelost, wer die Bug- bzw. Heckkabine bekommt.

Somit schleppten Andrea und Georg ihren Seesack in die Achterkabine und Hermann und ich unsere Reisetasche in den vorderen Teil des Schiffes, wo der Raum ein bisschen weniger komfortabel war.
Macht nichts! Zu jeder Kabine gehört ein kleines “Örtchen”, sprich Toilette. So ähnlich wie das Pfingstklo, nur mit Wasserspülung (Insider wissen wovon ich spreche) und eine Waschgelegenheit. Und dann noch ein kleines Extra! Auf ca. 1,5 x 2m gibt es noch einen Duschraum. Vorsicht Georg, Kopf einziehen!

Nachdem wir dann alles eingeräumt haben – Kleidung, 2 Körbe Lebensmittel, Getränke – bekommen wir eine kurze Einweisung von einem jungen Mann. (ca.10 Min.)

So, allzeit gute Fahrt und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel!!

Friesland_08–14_07_2006 _002

Wir beschließen noch einen Kaffee zu trinken (schmeckt scheußlich, liegt das am Wasser?) und ein kleines Mittagessen an Bord einzunehmen, um dann durch unsere erste Brücke zu fahren, die ca. 200 m vor uns liegt. Es ist jetzt 12.40 Uhr.
Ablegemanöver kein Problem. Hermann und Andrea lösen die Leinen. Georg fährt los.

Kurz vor der Brücke stellen wir fest: Der Brückenwärter hat Mittagspause bis 13.00 Uhr.
Mist! Boot anhalten und auf der rechten Uferseite anlegen.
Wo sind die Fender? (Gummibälle) Ach du je, die stehen noch auf dem Achterdeck. Das Ufer kommt näher und näher.
Ratsch!! Die erste “Abschürfung”. War nur ein wenig Farbe!
Fender raus ( wie war das noch mit dem Knoten?), Leinen auf Schlaufe, Motor aus. Warten bis die Brücke hoch geht.

13.00 Uhr. Brücke hoch, Motor an, Leinen los und durch.
Ein Mann (der Brückenwärter) steht links neben seinem Häuschen und hält einen Stock in der Hand. Daran befestigt eine Leine, an deren unterem Ende ein Klompen (kleiner Holzschuh) befestigt ist. Den Klompen muß ich nun fangen. Klappt gut. Da hinein kommt das Klompengeld (1,40 Euro, ist an jeder Brücke unterschiedlich, steht auf einem Schild vor der Brücke).
Tot Ziens bis in einer Woche.

Bei Sonnenschein überqueren wir das Tjeukemeer., Durch die nächste Brücke.(kostet nichts, staatlich) Durchfahrt klappt gut.
Links und rechts Wiesen und Felder mit Schafen, Friesenpferden und vielen Kühen. Vor uns ein großes Segelschiff. Noch eine Brücke und bei der zweiten Grünphase und einer kleinen Drehung (das Boot ist gar nicht so leicht auf Kurs zu halten) kommen auch wir gut durch die Scharsterbrug, die über den Scharster of Nieuwe Rijn (Kanal) führt. Wieder kostenlos.

Langwerder Wielen, vorbei an Joure, hinein in de Goingarijsterpoelen. Hier segeln jede Menge kleine Schiffe. Ein sehr schönes Bild.

Wir wollen heute noch bis Akkrum. Das heißt: noch zwei Brücken. Wieder 1,10 Euro in den Klompen an der Gemeentebrug vor Akkrum. Fast perfekt, nur leichte Schramme am Heck der Libra, weil der Segler vor uns direkt hinter der Brücke abstoppte.

Auf beiden Seiten des Gewässers stehen schöne Häuser die fast alle eine Bootsgarage haben. Wir fahren mitten durch Akkrum, rechts der Passantenhaven. Vor uns eine Brücke, die da nicht sein sollte. Wir haben uns verfahren.
Georg, den wir übrigens zu unserem Kapitän ernannt haben, dreht das Boot – vorbildlich- und wir fahren wieder ein Stück zurück, bis wir die Abzweigung gefunden haben.
De Krumme Knillis heißt der Kanal. Er führt uns direkt bis zum Princess Margriet Kanaal.

Nicht ganz, denn wir legen kurz vorher an.
Alle Fender auf der rechten (ich glaube Steuerbordseite) raus, die Leinen festmachen. Hermann springt vom Schiff als wir nahe genug am Steg sind – war ganz schön hoch – zieht die Leinen fest, die Andrea ihm zuwirft. Das wäre für heute geschafft.

Es ist jetzt 17.20 Uhr. Hier bleiben wir bis morgen früh. Wir gönnen uns ein Bier oder einen Rotwein und kommen zu dem Schluss, dass die paar Kratzer und eine kleine Beule (wie ist das denn passiert?) gar nicht so schlimm sind.

Auf einen schönen Abend. Hermann hält schon die Angel ins Wasser.

Ach, ja, Fußball gucken wir gleich auch noch! Bis morgen!!

2. Tag: Sonntag, 09.07.2006

Friesland_08–14_07_2006 _016

Wir haben alle gut geschlafen. Gegen sechs wurden wir geweckt durch ein monotones “schlagen” an Bord. Konnte keiner zuordnen. War es die Toilettenpumpe? Egal!

7.30 Uhr Frühstück. Kaffee schmeckt viel besser, nachdem Andrea ihn mit der Hand aufgebrüht hat.

Lagebesprechung – welche Strecke fahren wir heute? Wie viele Brücken?
Wir beschließen bis nach Leeuwarden zu fahren, ungefähr 25 km. Maschine an! Nachdem Georg uns erklärt hat, wie und welche Leine wir zuerst lösen müssen, funktioniert das Ablegen wunderbar.

Auf geht´s! Wir biegen nach 200 m rechts ab in den Princess-Margriet-Kanaal, fahren unter eine Eisenbahnbrücke und über die Autobahn (Aqua-dukt). Schon toll. Hier auf dem Kanal fahren die ganz großen Schiffe. Eines fährt gerade vor uns her. Mitten auf dem Kanal. Sollen wir überholen? Erst einmal langsam herantasten. Dann Gas geben und rechts vorbei.

Friesland_08–14_07_2006 _017

Weiter hoch durch das Pikmeer. Bei km 58 geht es links ab in de Meer und de Nauwe Galle. Danach kommt eine Brücke, von der wir noch nicht wissen, ob wir da hindurch kommen. Konnte uns selbst der Einweiser von Turfskip nicht sagen. Aber was soll´s ! Für Holländer alles kein Problem, müssen wir eben rückwärts fahren oder drehen.

Ich hoffe, das wird auch für uns kein Problem werden.

So, jetzt sind wir abgebogen. Und was passiert nun?
Noch während ich dieses schreibe, dreht Georg schon wieder um.

Die oben genannte Brücke ist geschlossen. Wenn wir hindurch wollen, müssen wir zuerst eine Telefonnummer wählen, die an der Abzweigung auf einer Tafel stand.
Fahren wir doch lieber den Princess-Margriet-Kanaal hoch.

An beiden Ufern Wiesen mit Pferden, die noch schlafen. Kühe, die grasen und in einiger Entfernung stolziert ein Storch über die Wiese.
In den Uferrestaurants ist noch alles leer. Die ersten Camper krabbeln verschlafen aus ihren Zelten. Es ist doch schon 10.oo Uhr!

Es regnet ein wenig. Wir sind abgebogen und befinden uns jetzt im Rogesloot. Eine Brücke, der Wärter öffnet auf ein Hupzeichen. Klompengeld 1,10 Euro.
Der kleine Ort den wir gerade durchfahren heißt Warten. Ganz schön eng hier. Rechts und links liegen Boote. Und jetzt schon wieder eine Brücke.

Friesland_08–14_07_2006 _018

Steht Gott sei Dank offen! Brückengeld 1,10 Euro und durch geht´s. Das ist hier nichts für schwache Nerven, zwischendurch mache ich lieber die Augen mal zu. Ich darf das.
Der Kapitän steuert uns souverän durch die Engpässe.

Langsam wird der Fluss breiter. Hermann übernimmt das Steuerrad. Es geht in Richtung Leeuwarden. Ganz langsam.

Lang Deel–Van Harinxmakanaal-12.20 Uhr vor der Slauerhoffbrug -warten bis 13.00 Uhr, Mittagspause-anlegen-super!

Kaffee kochen, Obst essen.

Und dann durch Leeuwarden. Fünf Brücken und wir haben es geschafft.
6,-Euro Klompengeld bezahlen wir an der ersten Brücke, der Hermesbrug.

Mitten durch die Stadt. Die Libra als erstes Schiff, hinter uns ein Segler und drei Sportboote. Alles läuft wunderbar.

Hinter Leeuwarden kommen wir in den Dokkumer Ee. vereinzelt Häuser und Bauernhöfe direkt am Wasser gelegen mit bunten Blumengärten.

Friesland_08–14_07_2006 _026Friesland_08–14_07_2006 _027

Weiter geht es hoch bis Birdaard, wieder zwei Brücken und 2,-Euro Gebühr. Der Brückenwärter ist mit dem Fahrrad unterwegs von der ersten zur zweiten Brücke. Birdaard ist ein kleines Dorf. Eine Windmühle steht direkt am Wasser.

Noch ein Stück weiter, den Dokkumer Ee hoch, und dann um 16.00 Uhr festmachen an einem Marrekrite Platz.(das sind gebührenfreie Anlegeplätze) Einem Bootsführer der hier schon parkt, dürfen wir unsere Leinen zuwerfen. Mit dem Festmachen (Knoten) klappt es noch nicht sehr gut, meint unser Kapitän. Das müssen wir noch üben, aber sonst keine Beschwerden.

Andrea kocht jetzt Gulaschsuppe, die zwei Brühwürstchen von gestern werden hineingeschnitten. Auf den Hecht, den Georg und Hermann jetzt fangen möchten, werden wir wohl noch ein wenig warten müssen.

Jetzt erstmal relaxen, essen, Angel rein, Buch raus, Rotwein auf den Tisch. Guten Appetit! Mit dem Endspiel Italien – Frankreich und belegten Schnittchen lassen wir den Abend ausklingen.

Übrigens, Italien ist Weltmeister geworden.

3. Tag: Montag, 10.07.2006

Heute müssen wir uns alle mal bewegen! Elf Meter Boot ist einfach zu wenig für einen Auslauf.

Nach dem Frühstück um 7.45 Uhr planen wir unsere Tagesroute. Unser Ziel ist Dokkum. Dort soll es einen gut sortierten Supermarkt geben. Unser Kühlschrank ist allerdings noch voll, aber so ein paar Plätzchen zum Kaffee wären nicht schlecht. Andrea und ich hätten auch nichts gegen ein wenig Shopping.

Friesland_08–14_07_2006 _031

Wetter ist bewölkt, ab und zu Sonne, der Wind ist mäßig. 9.40 Uhr ablegen.

Friesland_08–14_07_2006 _035

Nach ein paar hundert Metern passieren wir die Klaarkampsterbrug – problemlos – ohne Wartezeit. Das Meisje sah uns schon von weitem und schaltete die Brückenampel für uns auf grün. Auf der Wiese laufen Rehe und Hirsche, Ziegen und Schafe.

Um 10.30 Uhr stehen wir vor der Brücke nach Dokkum. Hier werden wieder zwei Brücken von nur einem Brückenwärter bedient, der mit dem Fahrrad immer hin und her fährt. Deshalb gibt es schon einmal ein wenig Wartezeit.

Friesland_08–14_07_2006 _036

Friesland_08–14_07_2006 _037

4,30 Euro Klompengeld für alle Brücken und dann legen wir hinter der Altenabrug an der rechten Uferseite in Dokkum an. Ein freundliches deutsches Ehepaar nimmt die Leinen entgegen. Die Fender noch ein wenig tiefer – perfekt!
Jetzt machen wir uns schick und schauen uns die Altstadt von Dokkum an.
Am gegenüberliegenden Ufer sehen wir eine große Windmühle, die auf einem kleinen “Berg” steht.

Nach ungefähr 2,5 Stunden kommen wir von unserem Rundgang durch Dokkum (Stadthaus, Innenstadt, Bonifatiusbrunnen, Supermarkt)) wieder zurück zum Boot.
Vorher stärkten wir uns noch mit Lekkerbekje und Schellfisch, dazu Pommes mit Mayo.

Um 13.30 Uhr verlassen wir Dokkum wieder.

Friesland_08–14_07_2006 _043

Friesland_08–14_07_2006 _046

Das Wendemanöver klappt sehr gut. So tuckern wir zurück. Wieder durch die Brücken – nochmals 4,30 Euro Klompengeld. Wir kommen erneut durch Birdaard, den Dokkumer Ee hinunter bis Leeuwarden. Das wird so ungefähr zwei Stunden dauern und bis dahin wird Hermann das Steuer übernehmen.

Andrea und ich setzen uns aufs Sonnendeck und schauen rechts und links die schönen Häuser mit den strohgedeckten Dächern an. Wir entdecken Flussseeschwalben die sich ins Wasser stürzen auf der Suche nach Beute und tief hängende Äste von Bäumen, die bis ins Wasser hineinreichen.
Eine winzig kleine Fähre kreuzt unseren Weg.

Friesland_08–14_07_2006 _047

Kurz vor 16.00 Uhr erreichen wir Leeuwarden. Hier müssen wir vor der ersten Brücke (Eebrug) eine Zwangspause machen, denn bis 18.00 Uhr ist Brückenpause.

Friesland_08–14_07_2006 _048

Pünktlich um 18.00 Uhr öffnet der Wärter die Brücke. Wir fahren hindurch und legen hinter der Noorderbrug an. Von hier aus kann man den Park auf der gegenüberliegenden Seite überblicken und den schiefen Turm von Leeuwarden sehen.

Friesland_08–14_07_2006 _049

Der Hafenwärter nimmt uns 9,10 Euro Liegegebühr für die Nacht ab und rät uns, alles gut zu verschließen, wenn wir das Schiff verlassen.

Friesland_08–14_07_2006 _050

Gegen 18.30 gibt es dann Landgang.

Enttäuschend kehren wir zwei Stunden später zurück. In Leeuwarden gibt es nichts Schönes anzusehen. Kein nettes Cafe oder Bistro, nur stinkige Straßen. Die Geschäfte haben auch schon alle geschlossen.

Gut, dann essen wir nun eine Kleinigkeit an Bord und verbringen den Abend auf der Libra.

4. Tag: Dienstag, 11.07.2006

Heute ´morgen gegen 6.oo Uhr wurden wir von einem Donnerschlag und heftigem Regen geweckt.
Am gegenüberliegenden Ufer ist ein dicker Ast vom Baum abgebrochen. Die zwei kleinen Segelboote, die dort liegen hatten Glück, dass der Ast nicht auf ihr Boot gefallen ist.

Es regnet in Strömen. Bei uns in der Kabine muss die Luke, die direkt über unserem Bett ist, verriegelt bleiben.

Die Luft ist stickig.
So gegen 7.30 Uhr stehe ich auf. Georg guckt schon oben aus der Kajütentür.

Wir frühstücken um 8.15 Uhr. Danach wieder Lagebesprechung und wichtig heute: Maschinenkontrolle!! Kühlwasser zeigt MAX an, Ölstand o.k..

Unsere heutige Route geht von Leeuwarden zum Princenhof, über den van Harinxmakanaal. Dort sind alle Brücken 5m und höher. Dann in de Lang Deel, Lange Meer und Schalke Diep.

Aber jetzt stehen wir erst einmal vor der Vrouwenpoortsbrug.(9.30Uhr) Kein Wärter in Sicht. Auf der anderen Seite der Brücke stehen drei Segelboote und warten, so wie wir.

Friesland_08–14_07_2006 _054

Friesland_08–14_07_2006 _055

Das Boot liegt ruhig. Ab und zu Bug- und Heckruder einschalten und wir bleiben in Position.
15 Min. schwimmen wir jetzt schon vor dieser Brücke. Die Ampel zeigt immer noch rot.
Verfluchtes Leeuwarden, öffne deine Brücken und lass uns raus!!!
10.10 Uhr, wir stehen hier immer noch. Riesenstau hinter uns. Ein Segler telefoniert. Ruft uns zu, dass es auf der anderen Seite der Brücke Probleme gibt.
Endlich, 10.15 Uhr geht es weiter. Wir verlassen Leeuwarden, noch ein Foto von der letzten Brücke, der Slauerhoffbrug, bevor wir links in den van Harinxmakanaal einbiegen.

Mittlerweile (13.40 Uhr) sind wir in dem Gebiet “Princenhof” angekommen. Ein Gewimmel von Wasserstraßen. Landschaftlich sehr reizvoll. Mehrere kleine grüne Inseln mitten im Wasser, hohes Schilf rechts und links am Ufer.

Gerade durchfahren wir den kleine Fluss “Geeuw”, der an manchen Stellen nur 10 -12 m breit ist. Fischreiher und Comorane begleiten uns und tauchen vor unserm Boot ab.

Hermann hält die Angel ins Wasser.
Keiner spricht mehr, wir genießen ganz einfach das leise dahingleiten des Schiffes, sehen den Seglern zu, wie sie auf dem Wasser kreuzen und schauen den Vögeln zu, wie sie sich vom Wind treiben lassen. Entspannung pur.

Eigentlich wollten wir in Akkrum anlegen. Leider gab es dort keine Möglichkeit. So fahren wir weiter durchs Sneeker Meer, über de Houkesloot bis wir kurz vor 17.00 Uhr das Städtchen Sneek erreichen.

Friesland_08–14_07_2006 _059

An der Waterpoort (Gebäude mit zwei Türmen) fahren wir vorbei. Noch ein paar Brücken und wir sind schon wieder aus dem Ort hinaus. Hier legen wir an und gehen von Bord.

Friesland_08–14_07_2006 _060

Der Ort selbst ist sehr gepflegt, gepflasterte Straßen, kleine Geschäfte und nette Cafe´s. Der Supermarkt hat noch geöffnet. Dort kaufen wir Brot und Fleisch.
Gegen 19.00 Uhr fahren wir weiter. Nach ca. 1 km kommen wir wieder in den Fluß Geeuw. Hier finden wir einen herrlichen Marrekrite-Anlegeplatz.

Friesland_08–14_07_2006 _062

Direkt an einem Steg, vom Land nicht zugänglich. Das ist bisher die schönste Anlegestelle zum Angeln auf Hecht, meinen Georg und Hermann.

Friesland_08–14_07_2006 _063

Na, dann! Petri heil, bis morgen. Andrea und ich werden jetzt ein bis zwei Gläschen vom Rose trinken.
Auf einen schönen Dienstagabend.

5. Tag: Mittwoch, 12.07.2006

Friesland_08–14_07_2006 _064

Heute morgen um 8.00 Uhr haben wir einen strahlend blauen Himmel über uns.
Georg steht schon seit 7.30 an der Bordreling und hält die Angel ins Wasser.
Enten und Blesshühner kommen angeschwommen und möchten mit uns frühstücken.

Georg und Andrea haben heute morgen um 5.00 Uhr schon die Maschinen kontrolliert. Eine Pumpe lief ständig. Georg´s Sorge, dass irgendwo Wasser ins Schiff tröpfelte, bestätigte sich “Gott sei Dank “ nicht.
Es war die Toilettenpumpe, die anspringt, wenn zu wenig Wasser oben in der Toilette steht. Ursache gefunden, Störung beseitigt!

Nach dem Frühstück haben Andrea und ich hunderte von toten Mücken, die am ganzen Schiff klebten, mit einem Tuch entfernt. Friesland_08–14_07_2006 _065

Es ist jetzt 10.30 Uhr, Hermann angelt, Andrea liest ein Buch, Georg sitzt am dem Vorderdeck und ich schäle Kartoffeln. Wir machen heute ganz auf Gemütlichkeit.

Als wir dann doch die Leinen lösen, ist es 11.30 Uhr. Wir haben uns entschlossen noch einmal zurück nach Sneek zu fahren (ist nicht sehr weit) um dort Frischwasser zu tanken.
In Sneek angekommen finden wir die Zapfsäule von den Toren der Stadt in einem kleinen Hafenbecken, direkt vor einer Brücke. Wir legen problemlos an und halten das Schiff über zwei Leinen.Friesland_08–14_07_2006 _066

100 l Wasser kosten 50 Cent. Ein langer Wasserschlauch hängt an einem Kran. Wir tanken 300 l Wasser. Das reicht, der Tank ist wieder voll (Fassungsvermögen 800 l Wasser), so dass wir heute Abend nach dem sonnenbaden noch duschen können.

Nach der Mittagspause um 13.oo Uhr geht es weiter Richtung Ljlist.

Ljlst ist ein kleines Dorf mit gut erhaltenen, dicht an dicht stehenden alten Häusern. Kinder spielen rechts und links auf den Bootsstegen. Wieder 1,25 Euro bei der Ausfahrt in den Klompen und weiter über de Wijde Wijmerts ins Heeger Meer.

Hier herrscht Hochbetrieb. Schnelle Motorboote, Segelyachten die hin und her kreuzen. Hier muss der Skipper richtig aufpassen.

Wir fahren weiter in den Inthiemansloot, ins Grote Gaastmeer, dann Zandmeer Sond, Korte Fliet und rechts in de Vlake brekken.

In diesem See fahren nur wenig Boote. Laut Karte ist es hier 1,50 m tief. Wir fahren sehr langsam. Auf einmal ein leichter Ruck! Grundberührung?
Einmal mit der Heckschraube aufdrehen und schon geht es weiter.
Wir fahren doch lieber zurück in de Zandmeer Sond. Hier finden wir auch gegen 16.00 Uhr einen Marrekrite-Anlegeplatz. Ein Boot, liegt hier schon fest. Die junge Frau nimmt die Leinen entgegen. Peinlich! Eine Leine ist ein wenig vertüddelt, so wie Andrea immer sagt.
Uns macht das ja nichts!

Aber der Kapitän sieht alles. Anschiss!
1. Falsche Leine zugeworfen und
2. Auch noch falsch gezogen, so dass das Heck des Schiffes vom Bootssteg wegdrehte.

Ach, ja, Herr Kapitän, irgendwann wird die Mannschaft das auch noch lernen!

Friesland_08–14_07_2006 _070

Hermann hat die Badehose schon an und springt über die Außenbordleiter vom Heck ins ca 1,60 m tiefe Wasser. Nach ein paar Schwimmzügen kommt er zurück und säubert sich vom Schlamm unter unserer Außenborddusche.
Ja, wir haben schon eine Luxusausstattung. Ich werde es gleich einmal mit der Innendusche versuchen.

Friesland_08–14_07_2006 _071

Für den Rest des Tages bleiben wir hier, faulenzen und bestaunen den wunderschönen Sonnenuntergang.

6. Tag: Donnerstag,13.07.2006

Bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel verlassen wir gegen 9.00 de Zandmeer Sond und fahren Richtung Bolsward.

Friesland_08–14_07_2006 _072

Noch vor dem Frühstück gab es heute morgen eine Begegnung der unangenehmen Art. Hermann´s Madendose, die oben auf dem Deck stand, war über Nacht nicht verschlossen. Die kleinen Tierchen unternahmen einen Fluchtversuch und krabbelten über das ganze Deck. Bei Andrea hatten sie aber keine Chance, sie schreckt vor Nichts zurück und sammelte die Würmchen wieder ein.

Um 9.40 Uhr passieren wir die Eisenbahnbrücke vor Workum. Links von uns ein Yachhafen, Wir biegen scharf rechts ab in de Workumer Trekvaart, durchfahren die Brücke, die uns aus dem Ort wieder hinausführt (1,50 Klompengeld). Jetzt sind es noch ca. 10 km bis Bolsward.

Friesland_08–14_07_2006 _073

An beiden Ufern sehen wir grüne Wiesen, ein Fahrradweg läuft parallel zum Fluß. Bauernhöfe und Windräder stehen in einiger Entfernung. Die Wiesen liegen zum Teil tiefer als der Fluß auf dem wir uns befinden.
Es sieht so aus, als wären wir heute Morgen die Einzigen, die mit dem Schiff nach Bolsward unterwegs sind.

Wir durchfahren noch einige hübsche kleine Orte. Einer davon heißt Parrega. Hier liegen mehrere sehr schöne Boote, so in der Art wie wir eines fahren. Vielleicht sollten wir uns diesen Ort mal merken!

Ankunftszeit in Bolsward ist um 11.30 Uhr. Eine besonders starke Linskurve unter eine Brücke durch und dann liegt der Ort vor uns.

Friesland_08–14_07_2006 _078

Wir fahren nach rechts in einen kleinen Kanal und der Kapitän beschließt, gegen Fahrtrichtung anzulegen. Dazu muss die Libra praktisch auf der Stelle gedreht werden und das in dem engen Kanal!!
Die Nerven der Crew sind angespannt. Hermann hat schon den Haken, den man benutzt, um sich vom Land abzustoßen, in der Hand. Die Ufermauern auf jeder Seite kommen bei der Drehung des Schiffes bedrohlich näher.

Immer ruhig bleiben, passt doch genau!! Gut gemacht!

Heute findet hier in dieser kleinen Stadt der Wochenmarkt statt. Wir schlendern durch die kleinen Gassen, an den Obst-, Gemüse-, Fisch-, und Käseständen vorbei. Kleidung und Krimskrams gibt es hier jede Menge.

Friesland_08–14_07_2006 _079

Bei Blocker (holländisches Hülsermann) kauft Andrea 3 Öllampen und im Supermarkt wird noch einmal Brot und Margarine geordert.
Nach einer kleinen Stärkung (Frikandel spezial, Pommes u. Mayo) und natürlich einem Softeis, nehmen wir um 13.30 Uhr wieder Abschied von Bolsward und bewegen uns nun in Richtung Heimathafen. Bis dahin sind es wohl noch knapp drei Stunden Fahrtzeit.

Unsere Rückroute bis ins Tjeukemeer: Wijmerts of Bolswarderzijvaart – Wijde Wijmerts – vorbei an Woudsend – durchs Slotermeer – Woudsloot – Komme Ee- Follegasloot.

Der Wind hat im Laufe des Nachmittags stark zugenommen. Wir stehen vor der Ophaalbrug bei Follega.(Lezte Brücke bevor es ins Tjeukemeer geht). Die Ampel zeigt von Weitem grün. Jedoch kurz bevor wir die Brücke erreichen, schaltet der Wärter wieder auf rot.

Die Libra tanzt im Wind und lässt sich nur schwer bändigen. Auf der Steuerbordseite befindet sich ein kleiner Holzsteg.
Wir versuchen die Vorder- und Achterleine um die Holzpfähle zu legen. Aber das Schiff schaukelt so heftig, das uns das nur schwer gelingt. Der Holzsteg liegt außerdem so tief im Wasser, das die Fender sich rausdrehen und hoch schleudern. Ein Fender klemmt sich hinter dem großen Holzpfahl fest und reißt durch das Auf und Ab des Bootes ab.
Die Steuerbordseite ratscht neben den Steg. Mist!
Fender weg, Farbe ab und das am letzten Abend!!
Endlich zeigt die Ampel rot-grün, die Brücke geht langsam hoch. Der Wind drückt gewaltig gegen das Schiff.

Dann sind wir im Tjeukemeer. Die Libra schaukelt hin und her. Die Gischt spritzt bis hoch zu den Fenstern im Steuerstand. Verflixt, jetzt haben wir auch noch eine Markierungstonne berührt.

Friesland_08–14_07_2006 _086

Hermann sucht mit dem Fernglas die Anlegestellen an den kleinen Inselchen ab, die mitten im Meer liegen. Hier findet man ein wenig Schutz vor dem Wind. Aber die, die wir einsehen können, sind alle besetzt.
Weiter geht´s ! Noch eine Runde drehen. Mir wird doch wohl jetzt nicht noch schlecht werden. Das Boot schaukelt so sehr, beim Laufen muss ich mich überall festhalten.

Friesland_08–14_07_2006 _087

Da endlich ein Holzsteg der noch frei ist. Anlegen!! Zwar nicht ideal, wir stehen mit dem Achterdeck im Wind. Egal, hier bleiben wir und fahren keinen Meter mehr weiter. Friesland_08–14_07_2006 _088

Geschützt durch einen “grünen Wall” mitten im Wasser, verbringen wir den letzten Abend noch ganz gemütlich und entspannt.

Vor dem Zubettgehen werden die Leinen noch einmal überprüft. Nun hoffen wir auf eine ruhige Nacht und darauf, dass der Wind bis morgen früh nachgelassen hat. Gute Nacht und schlaft schön!!

7. Tag: Freitag, 14.07.2006 (letzter Tag an Bord)

Heute geht es das letzte Stück übers Tjeukemeer bis Echtenerbrug. Wir stehen schon früh auf (7.00Uhr). Nach dem Frühstück hören wir in den Nachrichten, dass an der Nordsee der Wind mit Windstärke 6 bläst.
Wir entschließen uns, nachdem wir unsere Sachen zusammengepackt haben, um 9.00 Uhr loszufahren. Ab 10.00 Uhr können wir die Libra in Echtenerbrug wieder übergeben.

Friesland_08–14_07_2006 _090

Wir verlassen unsere kleine geschützte Bucht und fahren auf´s Tjeukemeer hinaus. Dieser Binnensee ist der Größte in Friesland und bei schlechter Sicht kann man nicht von einem zum anderen Ufer sehen. Der Wind bläst nicht ganz so heftig wie gestern Abend. Aber das Boot tanzt immer noch auf den Wellen hin und her.

Nach einer knappen Stunde erreichen wir den kleinen Kanal, der uns nach Echtenerbrug führt. Hier merkt man den Wind nicht ganz so stark.
Vor der allerletzten Brücke heißt es noch einmal warten und Klompengeld zahlen. Grob gerechnet haben wir so ca. 50,-Euro Brückengeld bezahlt. (Ganz schön viele Brücken gibt es hier in Friesland)

Der Brückenwärter schaltet die Ampel auf grün. Ein paar Meter hinter der Pier Christaanbrug liegt unser Bootcharter Turfskip. Hier ist die Libra zu Hause. Die netten Herren, die wir auch schon vor einer Woche gesehen haben, nehmen die Leinen entgegen.

Nun heißt es das Boot entladen. Die Autos werden bis an den Steg herangefahren. Die Libra wird gleich wieder voll getankt. Ungefähr 180 l Diesel haben wir verbraucht. Den Treibstoff müssen wir noch bezahlen und ein geringer Teil der Kaution, man könnte das auch Lehrgeld nennen, das wir alle gezahlt haben, wird einbehalten. Die Schrammen und die Delle müssen schließlich wieder entfernt werden.
Noch ein letzter Blick wehmütiger Blick zurück zum Boot (wo ist nur die Woche geblieben) und wir steigen, ein bisschen noch wankend vom starken Wellengang, in unsere Autos.

Andrea und Georg fahren gleich nach Hause. Andrea muss heute noch in Nachtschicht.

Hermann und ich fahren noch für ein paar Tage nach Texel. Wir wählen noch einmal die Straßenroute über Sneek und Bolsward. Noch einmal die Brücken mit dem Auto überqueren, unter die wir mit der Libra gefahren sind.

Friesland_08–14_07_2006 _089

Es war eine sehr schöne Woche. Das Wetter war toll (bis auf den letzten Abend), wir haben viel gesehen und jede Menge Erfahrung gesammelt in Sachen “Boot fahren”.
Und diese Erfahrung werden wir sicherlich in ein oder spätestens in zwei Jahren noch einmal vertiefen müssen.

Tschüss, liebes Tagelogbuch, es hat viel Spaß gemacht.

Bis dann Andrea, Georg, Hermann u. Christa

Print Friendly