Logbuch 2007

Wir melden uns zurück – Sommer 2007

1. Tag: Samstag, 28.07.2007

Am 28.07.2007 beginnen wir unsere Bootstour. Wir, das sind Georg und Andrea, Hermann und ich (Christa). Gestartet wird ab Yachtcharter Sneek.

An diesem sonnigen Samstagmorgen kommen wir in etwa zeitgleich mit dem Auto in Sneek an. Georg und Andrea von zu Hause (Voerde-Spellen) und Hermann und ich von der Insel Texel, wo wir fünf Urlaubstage verbracht haben.

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Um unser Gepäck an Bord des Schiffes zu bringen, fahren wir mit einem Gepäckkarren über einen schmalen Steg bis zu unserem gecharterten Boot, die „ Sybrigje“.
Nachdem wir die Formalitäten erledigt haben, das Gepäck und die Lebensmittel verstaut sind, dauert es noch ca. zwei Stunden, bis uns jemand von der Yachtchartercrew einweist. Inzwischen inspizieren wir schon einmal das Schiff und trinken einen Kaffe auf dem Bootsdeck. Die „Sybrigje“ gleicht in etwa der „Libra“ vom letzten Jahr. Es gibt zwei Schlafkabinen, zwei Toiletten, eine Dusche, Küche und eine Eckbank mit Tisch und einem Hocker. Und jede Menge Stauraum. Dieses Boot hat allerdings eine geringere Höhe und der Steuerstand oben an Deck ist nicht überdacht. Für die geringere Bootshöhe haben wir uns bewusst entschieden, da wir in diesem Jahr die Turfroute fahren wollen. Dazu später mehr.

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Unser Kapitän Georg hat inzwischen den Bootsführerschein. Jetzt kann nichts mehr schief- gehen! Und so legen wir ohne Probleme ab. Wir schippern Richtung Sneeker Meer, über den Princess-Margriet-Kanaal bis kurz vor Grouw. Hermann übernimmt das Steuerrad und eingereiht zwischen Seglern, Berufsschiffern und Motoryachten passieren wir die Terhorne-Schleuse, zu holländisch Schutsluis. Diese Schleuse steht immer offen und eine Ampel regelt die Durchfahrt.
Weiter durch den Princess-Margriet-Kanaal. Vor der Spoorbrug links und rechts viele Segler.
Das ist eine Eisenbahnbrücke und die Öffnungszeiten richten sich natürlich nach dem Zugfahrplan. Wir kommen mit einer Durchfahrtshöhe von ca. 2,40 m ohne Wartezeit durch diese Brücke.

Torfroute_28_07 – 03_08_2007 _003 Es ist jetzt 14.15 Uhr, Wetter: stark bewölkt, aber mit Wolkenlücken und Sonnenschein. Temperatur: gefühlte 17 Grad (kalt). Stimmung: gut.

Jetzt gibt es erst einmal einen heißen Kaffee mit ein paar Leckerchen, von Andrea serviert.
Welch eine Entdeckung mache ich doch unter Deck!
Georg´s Laptop mit Navi für Wasserstraßen! Von nun an sagt uns der Pfeil wo es lang geht.
Wunderbare Technik!!

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Weiter durch das Pikmeer und den Wijde of Peanster Ee. Hilfe, was ist denn hier los! Segler, Segler und nochmals Segler, alle kreuz und quer. Der Kapitän wurschtelt uns durch.

Jetzt wird es ruhiger. Es geht Richtung Akkrum. Übrigens wisst ihr, warum Akkrum Akkrum heißt? Nach einer Volkserzählung gruben zwei Riesen in grauer Vorzeit die Kanäle um und durch Akkrum. Als sie fertig waren, sahen sie sich ihr Werk an und stellten fest: Ah! krumm waren die Wasserwege die sie gegraben hatten. Ja, und so wurde aus Ah, krumm, Akkrum! Eine schöne Erzählung, wie ich finde.

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Torfroute_28_07 – 03_08_2007 _006 Als nächstes liegt Nes (Vorort von Akkrum) vor uns. Hier bedienen wir zwei Brücken auf Knopfdruck. Klappt sehr gut. Keine Wartezeit. Wir befinden uns auf dem kleinen Fluss Boorne. Links (backbord) ein Fahrradweg, rechts (steuerbord) mehrere Hausboote. Hier ist es wirklich sehr ruhig. Nur wenige Boote sind unterwegs. Die Wolken sind noch da, aber die Lücken sind größer geworden. Das Dahingleiten auf diesem Fluss ist einfach herrlich! Kaum zu glauben, dass wir heute Morgen noch mit dem Auto unterwegs waren. Unmengen von Seerosenblättern säumen das Ufer, Wiesen und Felder mit Schafen und Pferden.

Aldeboarn heißt das nächste Städtchen. Auch hier gibt es eine nette Geschichte von einem Turm zu erzählen, der eigentlich höher werden sollte als der Turm des friesischen Nachbarortes Tzum. 1723 ging eine Delegation aus Aldeboarn nach Tzum um den Turm dort auszumessen. Dazu ließen sie ein langes Seil von der Turmspitze hinab bis zum Boden. Anschließend ging es mit den Tzumer Gastgebern noch ein Schnäpschen trinken. Wieder zurück in Aldeboarn begann man mit dem Bau des Turmes und bemerkte leider erst zu spät, dass die Tzumer während des Schnäpschens heimlich ein Stück vom Seil abgeschnitten hatten. Ja, und so wurde der Turm noch niedriger als der Turm in Tzum

Torfroute_28_07 – 03_08_2007 _007 Zurück in die Gegenwart: Drei von Hand bewegte Brücken, das heißt, der Brückenwärter dreht die Brücke aus eigener Kraft zur Seite, lassen wir hinter uns. 2 Euro ist uns das wert.

Es reihen sich gepflegte Einfamilienhäuser mit hübschen Hintergärten dicht aneinander. Ich bewundere immer wieder die schönen Hortensienbüsche in weiß und lila blühend.
Jetzt an der Ortsausfahrt von Aldeboarn gibt es eine feststehende Brücke. Oh, die sieht ziemlich niedrig aus. Schnell den Mast auf dem Vorderdeck umlegen!
Puh, das hätte sonst auch nicht gepasst, selbst der Kapitän am Steuerrad musste den Kopf einziehen.

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Lange wollen wir nicht mehr fahren. Der Zeiger der Uhr bewegt sich auf 16.00 Uhr zu, ein Stückchen noch und die ersten Marrekrite-Plätze kommen in Sicht. Hermann möchte gleich noch angeln, er hat extra einen Wochenschein für 10,-Euro beim Yachtcharter erworben. Aber zur Not haben wir auch noch Fisch im Kühlschrank, Knurrhahn gebacken, frisch mitgebracht aus Texel.

17.00 Uhr, wir legen kurz hinter dem Ort Uilesprong an. Gefahren sind wir heute 25 km. Bei jetzt wirklich starkem Wind ist das Anlegen gar nicht so einfach. Da wir ja nun schon ein wenig Erfahrung haben, läuft das Manöver reibungslos ab. Feierabend ist angesagt, der Sekt im Kühlschrank ist kalt. Auf eine schöne Bootstourwoche wollen wir anstoßen. Prost!!

2. Tag: Sonntag, 29.07.2007

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Gegen 7.00 Uhr machen wir zum ersten Mal die Augen auf. Oh, kein Sonntagswetter, sondern Nieselregen. Noch ein bisschen dösen, wenn da nicht der Druck auf die Blasse wäre.
Hilft nichts, aufstehen!
Erst einmal lecker frühstücken. Andrea war schon fleißig, der Kaffee ist fertig und die Eier sind gekocht. Wir lassen uns Zeit. Die Schafe und Lämmer blöken auf den Weiden.
Hermann steht schon wieder oben auf Deck und hält die Angel ins Wasser.

Unsere Tagesroute haben wir gestern Abend abgestimmt. Heute ist der Tag, an dem wir zum 1. Mal schleusen müssen. Noch haben wir etwas Zeit, ab Gorredijk wird es dann spannend auf der Turfroute .

Übrigens, wisst ihr warum die Turfroute (=holländisch) oder Torfroute (= deutsch) Torfroute heißt?
Wie alles begann………Das Moor besteht aus nicht vermoderten Überresten ehemaliger Wasser- und Sumpfpflanzen, die in einer feuchten Umgebung lebten. Nach dem Absterben blieben sie erhalten, weil sie unter Wasser und damit unter Abschluss von Sauerstoff waren. Auf den Resten wuchsen neue Pflanzen, die sich wieder teilweise zersetzten. Das war nur möglich, weil sich der Grundwasserspiegel seit der letzten Eiszeit aufgrund der Steigung des Meeresspiegels immer wieder erhöhte. Dadurch kam es zu immer stärkerer Vertorfung und im Laufe der Jahrhunderte entstand eine wohl zwei Meter dicke Torfschicht.
Übrigens, wisst ihr denn, wie der Torf damals auch noch genannt wurde? Nein?
Das erzähle ich euch dann morgen.

Torfroute_28_07 – 03_08_2007 _011 Jetzt aber Regenjacke an, Leinen los und auf geht´s!

Die erste Brücke liegt 500 m vor uns, die Rolbrug über die Nieuwe Vaart, ein Meter hoch. Die Brücke öffnet, drei Schiffe Gegenverkehr, dann die Sybrigje (das sind wir), problemlose Durchfahrt. Weiter auf die Nieuwe Vaart, nächste Brücke, Spaltenbrug. Ab hier ändert sich der Name des Flusses in Opsterlandse Compagnions. Nicht mehr weit bis zu den Schleusen in Gorredijk.
Es hat aufgehört zu regnen. Jetzt an Deck und warten auf die Dinge die da kommen. Wiesen mit Kühen soweit dass Auge reicht, Fischreiher starr auf Holzpfählen sitzend, Schilfgürtel markieren die Wasserstraße.

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Um 10.50 lassen wir die erste von 5 Brücken in Gorredijk hinter uns. Georg steht oben am Steuerrad. Es regnet wieder mehr. Aber nun wird es kompliziert. An der nächsten Brücke, 85cm hoch, sehen wir keine Ampel und keinen Brückenwärter. Nur eine Tafel mit Telefonnummer. Hermann geht von Bord und telefoniert mit dem Handy. Nur der Anrufbeantworter. Die Stimme spricht englisch, Hermann spricht holländisch. Ich fürchte, keiner hat den anderen verstanden! Geht die Brücke jetzt hoch? Keine Reaktion.
Hermann läuft zum nächsten Brückenhäuschen. Dort zeigt eine Ampel rot. Irgendwo muss doch jemand sein, der diese Brücken bedient!

Die Sybrigje liegt über eine Leine ruhig an der Kaimauer. Hermann kommt zurück. Er hat niemanden angetroffen. Wir warten noch ein Weilchen. Da, plötzlich, geht die Brücke zur Seite. Ein junger Mann, der mit dem Fahrrad kommt, bedient sie aus eigener Kraft. Vor uns, hinter der folgenden Brücke, liegt die Schleusenkammer. Wir fahren langsam hinein, kein Boot folgt uns. Die Leinen um die Stangen gelegt und die Wasserschleusen können geöffnet werden. Es besteht ein Höhenunterschied von geschätzten 1,80 m. Das Wasser fließt ganz sachte. Der ganze Vorgang dauert 20 Minuten und alles war so was von einfach, kein Vergleich mit unserer Emmelsumer Schleuse.

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Andrea bezahlt 15,-Euro Gebühr. Dieser Betrag ist einmalig und gilt für die gesamte Turfroute. Touristen wie wir bekommen noch eine Stofftasche mit Materialien und Informationen über diese Route gereicht.
12.00 Uhr! Mittagspause. Nicht nur die Schleusenwärter haben Hunger, wir auch. Boot anlegen und Landgang. Wir befinden uns ja mitten in der Stadt.

Gorredijk ist ein kleines Städtchen. Die Häuser stehen beidseitig des Kanals, dicht an dicht. Einige davon mit sehr schönen Giebeln, zum Teil aus dem 17. Jahrhundert, so steht es geschrieben.
Überhaupt hat man den Eindruck, hier ist die Zeit stehen geblieben. Die Häuser teils verlassen, Schilder auf denen steht: Te koop! Selbst die paar Autos die hier fahren stammen aus den 60ziger bis 70ziger Jahren, so meinen Georg und Hermann.
Ab 13.00 Uhr ist die Mittagspause vorbei. Wir tuckern weiter, aus Gorredijk hinaus.
An der letzten Brücke ist Selbstbedienung. Hier warten aber vier Kinder, die sich wohl ein bisschen Sonntagsgeld verdienen möchten. Wir freuen uns darüber, das spart zwei An- und Ablegemanöver und die Kinder freuen sich ebenso über den Euro.

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Auf einmal ein Ruck, der Kapitän hat auf Schwimminseln (Wasserpflanzen) in der Mitte des Flusses geachtet. Dadurch sind wir zu nah ans Ufer gekommen. Die Handbreit Wasser unterm Kiel fehlt uns jetzt! Mit einem Haken versucht Hermann das Boot vom Boden abzustoßen, was auch gelingt. Der Skipper dreht die Schraube auf, wir gleiten ein wenig rückwärts und schon geht es weiter geradeaus. Jetzt aber mitten auf dem kleinen Gewässer.
Vor uns wieder eine Selbsbedienungsbrücke. Keine Kinder zu sehen. Georg fährt nahe ans Ufer, Hermann springt von Bord, Andrea und ich halten die Leine. Hermann dreht die Brücke zur Seite. Mann, ist der stark. Durchfahrt, wieder anlegen, Hermann nicht vergessen!

Lippenhuizen – eine kleine Schleuse für 3-4 Boote, ca. 1.20 m Höhenunterschied. Unser Boot wieder alleine in der Schleusenkammer. Der Schleusenwärter schiebt die hinteren Tore mit einem Haken zu, schließt die Klappen in den Toren mit einer Drehkurbel. Die Klappen der vorderen Tore öffnen, Wasser sprudelt in die Kammer. Mit dem Haken die Tore wieder aufstoßen. Richtig viel Arbeit.
Wir stellen fest, es geht immer bergauf. Noch einige Male passieren wir an diesem Tag Schleusen und Selbstbedienungsbrücken. Hier lernt die Crew das An- u. Ablegen.
Der Fluß wird schmaler. Ein Hinweisschild am Uferrand: Achtung geringe Wassertiefe auf 1 km. Die Bootsanzeige zeigt 1,10 bis 1,30 m Tiefe. Die Sybrigje hat einen Tiefgang von 1,00 m.

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Hier darf man auch nur langsam durchfahren und Landschaft pur genießen. Tiefhängende Äste rechts und links, bis ins Wasser ragend. Wir lauschen dem Tuckern des Motors und dem Rauschen der Blätter im Wind. Unzählige Schafe und Pferde auf den Wiesen, soweit das Auge reicht. Und Kühe! Der Bauer auf dem Motorroller treibt seine Tiere in den Stall. Das habe ich auch noch nicht gesehen. Bei der Vielzahl der Kühe und der Größe der Wiesen, verständlich.
Die Uhr zeit 17.20 Uhr. Wir liegen vor der Sluis III, die uns wieder abwärts lässt in den Tjongerkanaal. Hier machen wir fest. Geschleust wird nur bis 17.00 Uhr. 31 km haben wir heute zurückgelegt. Morgen früh werden wir mit dem ersten Schleusenvorgang weiter schippern. Bis dahin!

3. Tag: Montag, 30.07.2007

7.30 Uhr wecken, 8.00 Uhr Frühstück. Punkt 9.00 Uhr kommt der Schleusenwärter. (Zur Erinnerung wir liegen vor der Sluis III, Einfahrt in den Tjongerkanaal )
Der junge Mann winkt uns in die Schleuse. Hier ist schon ein etwas größerer Höhenunterschied sichtbar. Die Tore werden wieder mit Muskelkraft bedient. Es dauert nicht lange und wir setzen unsere Fahrt fort. Der Tjongerkanaal fließt mitten durch Wiesen und Felder auf denen weiße und schwarze Schafe grasen.
Um die Mittagszeit wollen wir in Oldebeerkoop sein und dort ein paar Einkäufe tätigen.

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Bis dahin bleibt noch ein wenig Zeit, um die Frage von gestern zu beantworten. Wie war sie doch gleich? Genau, wie wurde der Torf damals auch noch genannt?
Also, Torf wurde schon im 13. Jahrhundert in geringem Maß als Brennstoff für den Hausgebrauch der Bauern und Klöster gewonnen. Aber erst im 18. Jahrhundert erlebte die Torfgewinnung den großen Aufschwung, da die Nachfrage nach billigen Brennstoffen anstieg. Es entstand ein lebhafter Handel mit Torf, der als Brennstoff in den privaten Haushalten und der Industrie Verwendung fand. Das brachte natürlich viel Geld. Und so nannte man den Torf auch das braune Gold.
Aber es war harte Arbeit dieses braune Gold zu gewinnen. Oft musste die ganze Familie unter erbärmlichen Umständen mitarbeiten und das war sehr anstrengend.
Übrigens, wisst ihr denn, wie dieses braune Gold damals abgebaut wurde? Nein? Das erzähle ich euch dann morgen.

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Zurück in die Gegenwart

Das Wetter ist leider nicht gut. Temperaturen um 15 Grad mit heftigem Schauerregen. Ich hoffe doch mal, dass es um die Mittagszeit besser wird. Vorher aber noch durch die Sluis II, die von einem hübschen jungen Mädchen bedient wird. Es geht stetig abwärts.

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Gegen 12.00 Uhr kommen wir in Oldebeerkoop an. Den Passantenhafen haben wir uns doch ein wenig größer vorgestellt. Hier liegen ungefähr 10-15 Schiffe. Wir finden einen Anlegeplatz und ziehen die Leinen fest. Und dann geht es auf Entdeckungstour.
Oldebeerkoop, ein Ort, zwischen zwei Flüssen liegend – der Linde im Süden und dem Tjonger im Norden – wird wegen seiner Schönheit gerühmt. Dem würden wir zustimmen, nachdem wir uns das kleine Dörfchen angesehen haben. Gepflegte Straßen, mitten im Dorf eine alte Kirche. Mehrere Gräber, so wie damals bei uns in Spellen, um die Kirche herum. Den Inschriften der gleich aussehenden Grabsteine entnehmen wir, dass die Verstorbenen alle zwischen 1850 und 1880 beigesetzt wurden.

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Eine Kanone aus dem 16. Jahrhundert erinnert an die Zeiten, in denen rund um das strategisch wichtige Dorf gekämpft wurde.
Nach dem bisschen Kultur denken wir an unser leibliches Wohl. Beim Supermarkt, Metzger und Bäcker, die alle ihre Läden ab 13.00 Uhr öffnen, kaufen wir ein. Zurück zur Sybrigje, noch eine kleine Brotmahlzeit und gegen 15.30 Leinen los und auslaufen. Dies erweist sich doch als etwas schwierig. Unmittelbar vor und hinter uns liegen Boote. Es bläst ein starker Wind und um aus diesen Hafen herauszukommen, muss zuerst eine starke Linkskurve und dann nach ein paar Metern ein scharfe Rechtskurve gefahren werden. Elf Meter Länge hat unser Schiff und keine Servolenkung.
Es gibt genügend Zuschauer am Ufer, die das Manöver bestaunen. Nicht weil wir so schlecht sind, nein, weil der Kapitän das so gut macht. Anerkennung und Daumen hoch von einem alten Seebären, der am Ufer stehend alles genau beobachtet hat.

Den Tjongerkanaal weiter Richtung Mildam. Sluis I und eine Brücke sollten wir bis 17.00 Uhr passieren. Nach einer kurzen Mannschaftsbesprechung beschließen wir, nicht mehr bis Mildam zu fahren, sondern vorher an einem Marrekrite –Platz anzulegen.

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Es ist jetzt 16.45 Uhr, Zeit für einen Kaffee. Das Boot liegt fest, einsam und verlassen direkt an einem Vogelbrutgebiet. Hier werden wir nach ca. 20 km Tagesfahrt rasten und morgen Früh weiterfahren.

4. Tag: Dienstag: 31.07.2007

Heute Morgen werden wir von der Sonne geweckt. Herrlich!
Ich höre das Geschirr schon klappern. Georg ist, wie immer, früh dabei. Ein ausgiebiges Frühstück, Maschinen- und Kühlwasserkontrolle. Alles im grünen Bereich.
Bei ruhigem und sonnigem Wetter, wenn auch noch etwas frischen Temperaturen, legen wir ab. Ein bisschen Bootspflege folgt. Gras fegen, tote am Dach klebende Mücken werden mit Besen und Aufnehmer entfernt. Hermann macht uns aufmerksam auf eine ganze Herde Ziegen, die am Uferrand grasen. Ich kann sie noch nicht sehen, aber riechen! Solch ein „Ziegengeweih“ habe ich bei Nachbar´s Ziegen noch gar nicht gesehen. Riesig!

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Torfroute_28_07 – 03_08_2007 _024 Um 9.45 Uhr liegen wir vor der Brücke in Mildam. Die Straßenschranken lässt das Meisje schon herunter, als sie die Sybrigje von weitem sieht. Oh, die Schleusenwärterin von der Sluis I , etwa 4 km flussaufwärts, bedient auch diese Brücke. Auffallend ist, dass gerade an den Brücken und Schleusen sehr gepflegte kleine Steinhäuser stehen, die alle einen weißen Anstrich haben sowie bunte Blumenbeete und gemähte Rasenflächen.

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Unsere vorgesehene Route heute: Tjongerkanaal, Jonkers of Helomavaart, ein kurzes Stück über die Linde, Ossenzijl, Steenwijk-Ossenzijl-Kanaal bis Steenwijk. Eventuell noch über Giethoorn bis Zwartsluis. Aber wir sind ja nicht auf der Flucht. Und so bewegen wir uns mit einer Fahrtgeschwindigkeit zwischen 5 und 7 h/km fort.

Zwei Autobahnbrücken und eine Eisenbrücke mit einer geringen Höhe (3,25m und 3,35m) unterfahren wir. Der Mast auf dem Vorderdeck wird vorsichtshalber umgelegt. So ein wenig habe ich das Gefühl, dass wir da nicht drunterherpassen, aber das Auge täuscht. Die Schafe auf den Wiesen fressen und fressen und in jeder Herde weißer Schafe gibt es immer auch einige schwarze Schafe!!

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Allmählich nimmt der Schiffsverkehr zu. Waren wir bisher fast alleine auf dem Wasser, so kommen jetzt aus dem Engelen-Vaart-Kanaal jede Menge Yachten, die alle in den Tjongerkanaal einbiegen.

Auf allen Schiffen weht die Friesland-Fahne am Mast. Blaue diagonale Streifen auf weißem Grund, in den Zwischenräumen insgesamt sieben Herzen. Gibt es vielleicht sieben Provinzen in Holland? Ich weiß es nicht.

In einem Katalog finde ich die Antwort: Zunächst die offizielle Beschreibung der friesischen Flagge: „Eine Flagge von sieben schrägen Bahnen von gleicher Breite, abwechselnd kobaltblau und weiß. Die Mittellinie der mittleren Bahn, beginnend an der Oberseite und im Verlauf schräg von Ecke zu Ecke; die weißen Bahnen mit sieben scharlachroten Seerosenblättern die auf der Achse der Bahn stehen und im Verhältnis 2:3:2 angeordnet sind.“
Keine Herzen also, sondern Seerosenblätter die aussehen wie Herzen.
Und jetzt die Bedeutung der Blätter: Sie symbolisieren die sieben friesischen Küstenländer aus dem frühen Mittelalter. Es handelte sich hier um eigenständige Gebiete entlang der Küste von Alkmaar bis zur Weser in Deutschland. Sie schlossen damals einen gemeinsamen Verteidigungspakt gegen die Normannen.
Gut, dieses Wissen hilft uns vielleicht einmal weiter bei der 500 000,- Euro Frage bei Günther Jauch.

Highnoon. Totenstille. Fast Herzstillstand. Vor uns eine Brücke. Durchfahrtshöhe 2,45m. Höhe unseres Bootes, 2,40m. Flaggen eingeholt, Stühle auf dem Achterdeck flach gelegt. Skipper am unteren Steuerstand. Andrea, Hermann und ich ziehen den Kopf unter Deck ein. Atmen nicht vergessen.
Dann, langsam ausatmen. Wir sind durch. Das war knapp.

Die meisten Schiffe mussten vor dieser Oldetrijnsterbrug festmachen, da sie eine höhere Durchfahrtshöhe haben als die Sybrigje. So heißt es nun für diese Schiffe warten, denn der Brückenwärter hat bis 13.00 Uhr Mittagspause.

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Knappe 20 Minuten später stehen wir vor der Driewegsluis. Geschleust wird von 11.00 bis 17.00 Uhr, für sechs Wochen im Jahr. Während der anderen Zeit muss die Schleuse nebenan benutzt werden. Eins ist an der „Saisonsschleuse“ zu beachten: bevor man in die Schleusenkammer einfährt, kommt eine Brücke von 2.60m Höhe. Somit ist diese Schleuse nicht für alle Schiffe nutzbar.
Der Schleusenwärter erzählt uns, dass es hier einen Höhenunterschied von 30 cm zur Linde gibt. Auf der Linde wird es dann auch wieder ruhiger. Kein Boot hinter uns und vor uns. Nur ein großes Segelschiff passiert gerade die Backbordseite.

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Gegen 13.00 Uhr beschließen wir eine Routenkorrektur vorzunehmen. Um dem ganzen Rummel auszuweichen, der uns wahrscheinlich in Giethoorn (Klein-Venedig von Holland)
erwartet, fahren wir die Linde weiter durch bis Kuinre. Wenig Verkehr, schöne Liegeplätze, viel Natur.
Mittagspause wird von 13.30 Uhr bis 15.00 Uhr gehalten. Windgeschützt und die Sonne von oben. Guten Appetit!

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Gegen 15.30 Uhr erreichen wir die ersten Häuser von Kuinre. Die Schleuse von Kuinre ist nur für Fortgeschrittene geeignet oder aber für Boote, die nicht sehr lang sind.

(Die Sybrigje ist 11m lang) Die Ein- und Ausfahrt dieser Schleuse ist, wie ich finde, sehr eng und kantig. Sie fordert das Geschick des Kapitäns heraus. Direkt hinter der Schleuse lenkt der Skipper stark steuerbord unter eine Brücke, Richtung Echtenerbrug.

Danach wird es malerisch. Große Seerosenfelder treiben an beiden Uferseiten im Wasser. Meterhohe Schilfpflanzen als Uferbegrenzung. Hier und da ein Angler, versteckt im Schilf sitzend.Torfroute_28_07 – 03_08_2007 _030

Bei so viel Schönheit hätte ich fast die Geschichte vom Torf vergessen mit der Frage von gestern. Wie war sie noch gleich? Richtig, wie wurde das braune Gold abgebaut?
Zuerst einmal musste das Moor trocken gelegt werden. Dazu wurden Gräben gezogen um das Wasser abzuleiten. Sobald das Moor fest genug war, begann man damit, das Moorstück in zwei Teile aufzuteilen. Der Torf wurde bis auf den Sand abgegraben und entlang der Moorkuhle, die durch das Graben entstand, zum Trocknen gelegt. An der Stelle wurde später ein Kanal gegraben, der dann an bereits bestehende Kanäle angeschlossen wurde. So entstand ein feinmaschiges Kanalsystem. Wenn wir heute hier durchschippern und ich daran denke, dass alle diese Wasserstraßen, gerade auch die Linde und der Tjongerkanaal per Hand gegraben wurden, habe ich großen Respekt vor unseren Vorfahren.
Übrigens, wisst ihr denn, womit und wie der Torf aus diesen klitzekleinen Wassergräben von damals zu den großen Wasserstrassen transportiert wurde?
Nein? Na, vielleicht könnt ihr euch das schon denken. Aber erzählen werde ich es erst morgen.

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Zurück in die Gegenwart
Wir schippern den Kuinder of Tjonger hoch, in den Pier Christiaanslot der nach Echtenerbrug führt. An den ersten Pöllern die im Wasser stehen legen wir an. Genug für heute. Es ist 17.30 Uhr, es war ein schöner langer Tag mit vielen sonnigen Perioden. Der Laptop zeigt 47,9 gefahrene km. Den Feierabend bei Kotelett, Bauch und Bier haben wir uns jetzt verdient.

5. Tag: Mittwoch, 01.08.07

Heute ist ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Keine einzige Wolke am Himmel, fast windstill. 70 Kühe kommen vom Stall auf die Wiese gelaufen,(Hermann hat sie gezählt) fünf Störche stehen im frisch gemähten Gras, die Fischreiher sind im Anflug.

Herenveen ist zunächst unser Ziel. Die Stadt wurde von den „heren van het veen“ gegründet, den Kompagnons, die damit begannen, die Hochmoore abzutorfen und dadurch zu Ruhm und Reichtum gelangten. Im Gegensatz zu den Arbeitern, die mit Frau und Kind unter schwierigen Umständen den Torf abstachen, trocken legten, Wassergräben freilegten und ihre Ware auf kleine Kähne verluden. Da die Gräben sehr schmal waren, mussten die Boote mit Seilen vom Ufer bis zur nächst größeren Wasserstraße gezogen werden. Dort wurde das braune Gold auf größere Schiffe verladen und weitertransportiert. Damit wäre dann auch die Frage von gestern beantwortet und die Geschichte vom Torf beendet.
Im 20. Jahrhundert ging die Torfschiffahrt zurück, die Frachtpreise waren niedrig und Torf kam aus der Mode.

In Mode gekommen ist dagegen, auf diesen Torfkanälen zu schippern, so wie wir das tun. Viele Haupt- und Ehrenamtliche sind damit beschäftigt, die Flora und Fauna so ursprünglich wie möglich zu erhalten. Es ist ein Erlebnis, diese Tour zu fahren.

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Die kommenden zweieinhalb Tage werden wir wieder in lebhaftere Gewässer kreuzen und damit auch die Torfroute verlassen.
Mehrere Boote kommen uns heute Morgen schon entgegen. Wirklich jeder Bootsführer grüßt. Kurzes „Handhochheben“ und ein Kopfnicken. Das gibt es noch nicht einmal bei uns im Dorf.

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Je näher wir Herenveen kommen, desto mehr Bootsverkehr. Bisher Schilf und Trauerweiden entlang beider Ufer, jetzt noble Villen mit großen Gärten , Luxusgartenmöbeln und eigenem Bootsanleger im Hintergarten. Im Passantenhafen von Herenveen legen wir an. Leider gibt es hier weder einen Müllcontainer (nur Papier und Glas) noch Toiletten und Duschen. Der Weg vom Hafen bis zum Zentrum (ca 1,5km) legen wir zu Fuß zurück.

Nach einem kleinen Rundgang und einigen Besorgungen kehren wir um 13.30 Uhr wieder zurück und starten gleich weiter über den Nieuwe-Herenveense-Kanaal Richtung Akkrum.

Torfroute_28_07 – 03_08_2007 _034Der Kanal ist sicherlich dreimal so breit wie die, die wir in den letzten Tagen gefahren sind.

Hier tummeln sich Segelboote und Motorboote jeder Größe. Landschaftlich weniger reizvoll. Hochspannungsleitungen und Schienenverkehr entlang des Ufers. Die Uhr zeigt 14.45 Uhr als wir durch Akkrum fahren. Die Wasserkarte muss her. Viele Brücken und Abzweigungen. Im letzten Jahr haben wir uns hier verfahren. Laut Hinweisschild ist die Spoorbrug in Akkrum immer noch gesperrt. Diese Eisenbahnbrücke wird nach Informationen höher gelegt und die Bauzeit wird noch etwas länger dauern. Vor der Gemeentebrug jede Menge festliegender Boote, ein großer Campingplatz, wieder viele Zuschauer, die beim Manövrieren vor der Brücke zuschauen.

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Jetzt die Kromme Knillis entlang bis zum Princess-Margriet-Kanaal. In 4-Reihen fahren die Schiffe über diesen Hauptkanal. So mancher Berufsschiffer wird sicher ab und an die Krise kriegen, ähnlich wie bei uns zu Hause auf dem Rhein. Wir beschließen noch ein wenig weiter hoch zu fahren bis kurz vor Grouw. Dann rechts ab ins Pikmeer und weiter im Wijder of Peanster Ee um hier einen Platz für den Abend zu finden. Es wimmelt nur so von Segelbooten und Motoryachten. Selbst Wasserskisport ist hier möglich.

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Nach 39 km machen wir um 16.30 Uhr fest. Natürlich ist es nicht so ruhig wie an den letzten Abenden. Zwei weitere Boote liegen vor uns. Die ganze Bootscrew hat sich mit Windschutz Campingstühlen und Sonnenschirm ausgebreitet.
Andrea, Georg, Hermann und ich sitzen an diesem herrlichen Sommertag an Deck, trinken ein Glas Sekt auf Heidi´s Wohl (sie hat heute Geburtstag) und schauen ringsherum dem bunten Treiben zu.

6. Tag: Donnerstag, 02.08.2007

9.30 Uhr, die Fahrt beginnt über die Kromme Ee, Grietmansrak zum Princenhof. Mitten ins Touristengebiet. An den Ufern Restaurants. Außer Anglern noch kein Tourist unterwegs. Eine Segelschule hält auf den noch kaum befahrenen See ihre Übungsstunden ab. Kinder zwischen 8 und 12 Jahren sitzen in Jollen, kaum größer als ein Schuhkarton der Schuhgröße 46 und setzen ihre kleinen bunten Segel. Es mögen 20 bis 30 Kinder sein, die in Gruppen mit dem Segellehrer, der ebenfalls in einer Jolle sitzt und Anweisungen gibt, über den See kreuzen.

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Bei der ersten Brücke heute braucht der Brückenwärter für uns nicht tätig zu werden.

Die Hooidamsbrug hat eine Durchfahrtshöhe von 2,60 m, also Fahnen einholen, den Mast umlegen, Kopf einziehen und langsam durch. Hotels, Ferienwohnhäuser, Wohnwagen, Zelte und Hausboote säumen das Ufer. Vier Ausflugsdampfer liegen fest, um später ihre Runden zu drehen. Das alles gehört zum Touristengebiet Princenhof.

Die Sonne im Rücken, den Wind (minimal) von vorn, bewegen wir uns Richtung Warten. Überquerung des Princess-Margriet-Kanaals mit Vollgas. Kurze Zeit später ein Hinweisschild: Wolkum yn Warten!
Vom letzten Jahr ist die Erinnerung an diesen Ort nicht so gut. Damals regnete es stark und die Ortsdurchfahrt ist sehr schmal, wenn rechts und links Boote liegen. Die zwei Brücken liegen direkt hinter einer Kurve, vor allem was die zweite Brücke betrifft.
Heute ein ganz anderer Eindruck. Idyllisch gelegen fahren wir mit dem Schiff mitten durchs Dorf. Eine Kirche steht direkt neben der Basculebrug, die für uns geöffnet wird. Der Brückenwärter hält den Klompen bereit. 1,10 Euro Klompengeld in den hölzernen friesischen Schuh gelegt und mit einem „bedankt“ setzen wir unsere Reise fort.

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Eine Baustellenabsperrung zwischen Warten und Leeuwarden leitet uns hoch über die Autobahn. Aquadukt Langdeel steht an dieser neuen Überführung (auf der Karte nicht verzeichnet). Der van Haarinxmakanaal führt uns entlang der Stadt Leeuwarden. Viele mehrstöckige Häuser alle mit ausgefahrenen, orangefarbenen Markisen sind zu sehen.
Die Sonne steht mittlerweile senkrecht am Himmel und im Magen macht sich ein Gefühl der Leere breit. Der van Haarinxmakanaal wird lang und länger, kein Platz an dem wir anlegen können. Die auf der Karte verzeichneten Marrekrite-Plätze sind nicht vorhanden.

Der Skipper gibt Gas bis Kilometertafel 12. Dort backbord abbiegen in den Frankervaart. Ein Fluss mitten durch mehrere kleine Dörfchen. Für große Schiffe nicht geeignet, da die feststehenden Brücken sehr niedrig sind. (höchstens bis 2,45m). Diese Strecke bis Sneek bietet der Yachtcharter in seinen Routenvorschlägen, in der roten Mappe an Bord, als Middelseeroute und Wochenendtour an.

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Wir fahren so langsam, dass die Fahrtgeschwindigkeit nicht mehr messbar ist. Die Sonnenstrahlen berühren die Wasseroberfläche, so dass es glitzert. Die Schilfhalme wiegen sich im säuselndem Wind, Wiesen und Felder, hier und da gelbe und lila Farbtupfen. In der Ferne ein Kirchturm, der alles überragt.Die Seele baumeln lassen. Unberührte Natur.Schön hat Gott die Welt gemacht, der Mensch soll sie gut machen.

Ab und an ein Bauernhof, Ziegen, Schafe, Pferde und Kühe auf der Wiese grasend. Ein Traktorengeräusch in der Nähe. Der Bauer mäht das Gras und ein anderer lässt gerade die Gülle aufs Feld ab. Geruch eindeutig!
Wieder liegt ein kleiner Ort vor uns. Winsum. Alles neue Häuschen mit schwarz glänzenden Dachpfannen, immer der gleiche Baustil. Ortseinfahrt: hinter der beweglichen Brücke stehen alte Häuser ganz dicht am Wasser. Mit einem freundlichem „hoi“ werden wir begrüßt. Kaum aus Winsum heraus, schon der nächste Ort. Easterlittens, mit Passantenhafen. Klein aber fein. Direkt am Anleger verspeisen wir Pommes und ein Eis. Eine Stunde Aufenthalt beim freundlichen Wirt und weiter geht es den Frankervaart folgend. Auf der Karte sind keine Marrekrite-Plätze eingezeichnet. So müssen wir wohl bis kurz vor Sneek fahren.

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Stimmt nicht!
Vor uns an der Backbordseite eine ganz neue Anlegestelle. An diesem Steg machen wir fest. Mitten im Niemandsland. Es ist 16.00 Uhr und 48 gefahrene Kilometer in 6 Stunden muss für heute reichen. Die Stühle auf den Steg gestellt, die Angel ins Wasser werfen, Bücher raus und den letzen Abend auf der Sybrigje genießen.

7. Tag: Freitag, 03.08.2007

Der letzte Tag auf der Sybrigje. Das Wetter ist gut, die Sonne scheint warm vom Himmel. Nach dem Frühstück um 8.00 Uhr wird aufgeräumt und Taschen gepackt. Toiletten säubern, Boden fegen. Die gründliche Endreinigung überlassen wir dem Yachtcharter-Personal. So können wir die paar Stunden oben an Deck des Bootes bei Sonnenschein genießen.

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Wir schippern weiter über den Frankervaart mit seinen niedrigen Brücken. Darunter herzufahren ist ein mulmiges Gefühl. Einige Schiffe scheinen es nicht so elegant geschafft zu haben. Man sieht es an den Kratzspuren unter den Brücken.
Diese Route ist kaum befahrbar, da sie noch recht neu ist. Sie wird angeboten unter dem Namen Middelseeroute, wie erwähnt nur für Boote mit geringer Durchfahrtshöhe. Aber unbedingt lohnenswert.

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Der nächste Fluss ist der Bozumervaart, der durch das winzige Örtchen Bozum führt. Hier ist die Spoorbrug nicht nur niedrig, sondern auch äußerst schmal. (3,80m breit). Wir passen so eben durch. Die Fender rechts und links drehen sich beidseitig an der Brückenmauer entlang.
Der Fluss hat unendlich viele Windungen, abenteuerlich! Teilweise kann man den Flussverlauf gar nicht erkennen, weil das Schilf so weit ins Wasser reicht.
Wir schlängeln uns so durch. Die Brücke hinter Bozum (2,50m hoch) ist wieder sehr eng und liegt in einer Kurve. Es geht nur ganz langsam voran. Gott sei Dank kein Gegenverkehr. Überhaupt ist uns an diesem Morgen (10.45 Uhr) noch kein Boot begegnet.
Weiter in den Trekvaaart of Zwette, immer den grünen Hinweisschildern „Middelseeroute“ nach.

Torfroute_28_07 – 03_08_2007 _051So langsam nähern wir uns Sneek. Laut Routenvorschlag von Sytze umfahren wir die Stadt großzügig, so dass wir um 12.00 Uhr im Yachtcharterhafen anlegen.

Ein bisschen Wehmut kommt auf, bei diesem herrlichen Wetter könnten wir ohne weiteres noch ein bis zwei Tage dranhängen.
Die Torfroute – wir sind ja nur die kleine Route gefahren, es gibt auch noch die große Torfroute, war wunderschön. Alles was ich bisher darüber gelesen habe, entspricht den Tatsachen. Es gibt keine Hektik, wer die Natur liebt und keine Action braucht, ist hier gut aufgehoben.

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Die Middelseeroute ist ebenfalls eine Strecke, auf der man die Seele baumeln lassen kann.
Einige neue, sehr schöne Marrekrite-Plätze, wo man denkt, man sei am Ende der Welt.
Und für die Angler: es gibt dort Riesenfische im Fluss, einer hat am Donnerstagabend die Angel mitgerissen und ist mit dem Schwimmer samt Köder abgehauen auf Nimmerwiedersehen.

Wir Vier sagen nicht auf Nimmerwiedersehen sondern Auf ein Wiedersehen, vielleicht schon im nächsten Jahr bei der freundlichen Yachtchartercrew vom Yachtcharter Sneek.

Bis dahin
Georg und Andrea
Hermann und Christa

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