Logbuch 2009

Freitag, 05.06.09

Es ist Freitagabend. Ich sitze zu Hause in der Küche und schreibe diese Zeilen. Es ist mir wichtig, bevor wir morgen unsere Bootstour beginnen und Georg und Andrea mich in der Frühe abholen, noch ein kurzes Vorwort zu schreiben.
Diese Bootstour wird ganz anders werden, für mich, für Georg und Andrea.
Hermann, mein Mann, ist im Januar plötzlich und unerwartet an einem schweren Herzinfarkt verstorben.
Wir Drei haben uns entschieden, diese Reise trotzdem anzutreten. Ich weiß, dass wir alle, besonders in dieser Woche, oft an das vergangene Jahr und die Bootstour mit Hermann denken werden und auch oft von ihm erzählen werden. Wir tun dies in freudiger Erinnerung an all das Schöne und Lustige was wir im letzten Jahr mit ihm erlebt haben.
Ich möchte hier noch einen Vers zitieren, den unsere Freunde mir zum Tode meines Mannes geschrieben haben. Ich finde diese Zeilen sehr schön und habe sie schon oft gelesen:

„Seid nicht verzweifelt, wenn es um das Abschied nehmen geht.
Ein Lebewohl ist notwendig, ehe man sich wieder sehen kann.
Und ein Wiedersehen, sei es nach Augenblicken, sei es nach Lebenszeiten,
ist denen gewiss, die Freunde sind.“

(R. Bach)

Jetzt freue ich mich auf Morgen, auf eine schöne Woche mit Georg und Andrea an Bord mit der Noa Delano.

Unterwegs mit der Noa Delano

Samstag, 06.06.09

Noa Delano, ein Name, der für mich ein wenig ungewöhnlich klingt, für ein Schiff, das auf friesischen Wasserstraßen unterwegs ist. Hört sich eher etwas südländisch an. Aber auch Fritz konnte zu der Namensgebung nichts sagen, da Yachtcharter Sneek nicht der Eigner des Schiffes ist, sondern das Boot nur im Auftrag des Besitzers vermietet wird.

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Das Boot ist ganz neu und erstmals in diesem Jahr zu Wasser gelassen worden. Oben auf dem Achterdeck eine geschlossene Reling mit festen Sitzbänken aus Holz. Ein Außensteuerstand mit einem unverrückbaren Sitzplatz davor. Nun, der Abstand zwischen Steuerstand und Sitz ist ein wenig gering. Für Bootsführer mit kurzen Beinen kein Problem, aber Georg hat ja etwas längere Beine!
Die Inneneinrichtung ist super, eben alles neu. Eine schwarz gestreifte, bzw. geblümte halbrunde Sitzbank, ein kleiner ausklappbarer Tisch, eine gut sortierte Küchenzeile, zwei geräumige „Schlafzimmer mit Doppelbett“, zwei Toiletten und welch ein Luxus, zwei Duschen.
Natürlich haben wir auch, wie es jetzt in den Niederlanden vorgeschrieben wird, einen Fäkalientank an Bord, den wir an den dafür vorgesehenen Anlegestellen entleeren können. In einer deutschen Zeitung war vor kurzem ein Artikel zu lesen, dass es in Amsterdam Polizei-U-Boote geben soll, die kontrollieren, dass auch wirklich kein Schmutzwasser in den Kanal abgeleitet wird. Kein Scherz!
Dabei hat uns Fritz erzählt, dass nur etwa 1% des gesamten Abwassers von Motorbooten wie dieses abgelassen wird.
Ganz neu ist für uns der Rückspiegel (eigentlich das falsche Wort), ich sag mal, der kleine Monitor unten am Steuerstand. Auf diesem Bildschirm kann der Kapitän alles sehen, was auf dem Wasser hinter seinem Rücken passiert. Eine kleine Kamera am Heck des Schiffes macht es möglich.

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Gegen Mittag (12.15 Uhr) verlassen wir nach kurzer Einweisung von Fritz und gestärkt mit Frikadellenbrötchen, den Heimathafen der Noa Delano. Den Laptop unter Deck, mit der entsprechenden Wasserkarte, platziert. Angeschlossen an der 12 Volt Steckdose. Die übrigen drei 220 Volt Steckdosen geben nur Strom, wenn wir das Stromkabel an Land angeschlossen haben. Aber gut, fönen und rasieren fällt ohnehin diese Woche aus.

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Auf ins Sneeker Mar, Terhorne Sluis, schön langsam fahren, kein Wellenschlag riskieren. Vorbei am Terne Haven. Vorher aber durch die Sonsleatbrege. 2,40 m hoch. Mast umlegen, Fahne hinten und vorne einholen, langsam durchfahren. Passt!
Das ist das Schöne an den Schiffen von Yachtcharter Sneek. Fast überall können wir mit diesen niedrigen Booten unter die Brücken durchfahren, ohne dass sie sich öffnen müssen. Durchaus ein starkes Plus bei der Urlaubsplanung, das man nicht außer Acht lassen sollte.

Inzwischen haben wir den Meinesleat hinter uns gelassen. Ein kleiner Stau von der Gemeentbreg in Akkrum. 1,10 Euro Klompengeld . Brücke Nr. 270a (s.Karte) folgt und ebenfalls 1,10 Euro in den Klompen. Wunderschöne Hintergärten bestückt mit Gartenmöbeln und bepflanzt mit farbenfrohen Blumen.

Erinnert ihr euch noch, ist die Frage des Kapitäns, hier waren wir doch letztes Jahr auch. Ja, wisst ihr das denn nicht mehr? Andrea, nun erinnere dich doch!

Weiter über das Leppeak-Aquädukt. An dem Haus mit den Initialen MH auf dem Dach backbord steuernd, Richtung Bakkumer Mar. Neuland für uns. Nun der Betonnung folgend durch das Peanster Ee, Pikmar, Richtung Grou. Viele Boote mit aufgeblähtem Segel kreuzen vor und neben uns her.

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Im Hafen von Grou besteigt gerade eine Hochzeitsgesellschaft, begleitet von Dudelsackmusik, ein mit roten u. weißen Luftballons geschmücktes Schiff. Etwa ein Dutzend Segelboote, alle mit Männern an Bord in Anzug und Krawatte, legen gerade von der Ufermauer ab. Zum Segeln eigentlich nicht das richtige Outfit. Schaulustige beobachten das Spektakel von Land aus.
Wir überlegen, ob wir hier im Hafen festmachen sollen, entscheiden ans aber dann doch, noch einmal ein Stück zurückzufahren um Ausschau nach einem Marrekriteplatz zu halten. Nach kurzer Zeit legen wir an einem Steg mit Landgang an. Eigentlich ist es noch recht früh am Tag. Gefahren sind wir 3 ¼ Stunden und 22,7 km. Für den ersten Tag reicht uns das.
Jetzt wird Kaffee aufgegossen, dann die Füße hoch und die Seele baumeln lassen. Ich habe gelesen, Wasser ist gut für die Seele. Hier kann man Ruhe und Gelassenheit aufsaugen.
Kommentar von Andrea: Aber erst wenn die Taue des Bootes festgezurrt sind!!
Alles fest, Andrea. Bis morgen dann.

Sonntag, 07.06.09

Nach gutem Schlaf und einem ausgiebigen langem Frühstück fahren wir gegen 10.30 Uhr noch einmal Richtung Grou. Heute Morgen ist kaum Wind, wohl stark bewölkt, mit gemeldeten Temperaturen von 13 bis 16 Grad. Eine große Anzahl von Segelbooten und Motoryachten begegnen uns auf dem Wasser. Immer wieder der freundliche Gruß an den Skipper.

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Nach einer halben Stunde finden wir einen ausreichend großen Anlegeplatz in direkter Nähe zum Ort. Landgang ist angesagt. Eine kleine Runde durch die schnuckelige Dorfmitte. Und, das muss jetzt einfach sein: Eine Frikandel met Patat spezial und ein Softeis für mich! Trotz des guten Frühstücks.

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Um 12.30 Uhr gehen wir wieder an Bord der Noa Delano. Auf dem Laptop zeigt Georg uns die Fahrroute. Neare Galle, so heißt der Kanal, der uns aus Grou hinausführt. Problemlos unter eine 3m-Brücke und langsam tuckernd gleiten wir dahin. Eine Menge Hausboote liegen rechts und links am Ufer. Ob jemand zu Hause ist, können wir gleich erkennen. Freie Sicht durchs ganze Haus bis in die hinterste Ecke des Gartens. Bei uns zu Hause gibt es Fahrradverbot auf einem Teilstück des Rheindeiches, weil sich Anlieger durch die vielen Ausflügler beobachtet und belästigt fühlen. Für Holländer kein Problem.

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Einige prosten uns zu mit einem Glas in der Hand. Sofort haben Andrea und ich die gleiche Idee. Also, so ein kleines Gläschen Sekt an einem so schönen ruhigen Sonntagvormittag, da haben wir jetzt nichts dagegen. Zum Wohle!
Andrea übernimmt kurz das Ruder. Ich sitze hinten auf der Bank und lausche dem blubbernden Geräusch des Wassers. So, als wenn jemand mit einem Strohhalm Luft ins Wasser bläst, ein angenehmes Geräusch, leise und beständig. Ruhe und Gelassenheit aufsaugen mit dem Blick auf das sich kräuselnde Wasser. Das ist Erholung.

Welkom in Wergea

Je mehr wir uns dem Dorfkern mit den kleinen Häusern nähern, desto enger wird die Fahrrinne. Wenn uns jetzt ein Boot entgegenkommt, dann ist guter Rat teuer. An uns vorbei kann nur noch ein Kanufahrer. Mit ganz geringer Kraft voraus durch die bewegliche Brücke, die vom Brückenwärter sofort geöffnet wird. Gott sei Dank, ab hier wird der „Vaarweg in Ontwikkeling“ wieder breiter.

Später über das Aquädukt Langdeel backbord abbiegend in den van Harinxmakanal. Jetzt ein bisschen mehr Gas. Oben an Deck wird es frisch. Die starke Bewölkung hat zugenommen. Wir verlegen unsere Plätze unter Deck und machen ein Nickerchen. Außer Georg, der muss fahren.

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Gegen 15.00 Uhr biegen wir bei Deinum in die Kleiroute ein. Eine kleine Herausforderung an die Crew sind jetzt die niedrigen und zum Teil engen Brücken. Die Durchfahrtshöhe beträgt im Schnitt 2,50m und die Brücken sind nicht beweglich. Große Boote und Segelyachten werden wir hier nicht begegnen. Beidseitig des Menamer Feart findet sich das typisch friesische Landschaftsbild: Wiesen und Felder mit allerlei Getier.
Vor uns die Menaldumervaartsbreggen, das sind drei Brücken direkt hintereinander folgend, laut Wasserkarte auf dem Laptop 2,50m hoch und 7 m breit. Gar nicht so einfach da geradeaus durchzukommen, wenn der Kapitän von oben steuert und sich ducken muss. Aber ausnahmsweise hat er mal auf mein Kommando gehört. Ich sitze nämlich gerade unter Deck auf dem hohen Stuhl am Steuerrad und habe eine gute Übersicht.

In der Ferne kommt der kleine Ort Menaldum in Sicht mit der schmalen Ortsdurchfahrt zu Wasser. Obwohl, in Wergea war es heute morgen noch schmaler. Da wir die Kleiroute auch im letzten Jahr gefahren sind, brauchen wir heute vor der Klaaibregge nicht mehr anlegen, um zu gucken, ob die Durchfahrt hoch genug ist. Heute wissen wir: es passt!

Berlikum ist für heute unser Ziel. Um 16.45 Uhr nach 32km und 4 Stunden Fahrtzeit ab Grou vertäuen wir die Noa Delano unmittelbar in Ortsnähe, am ersten Marrekriteplatz, der auf der Karte eingezeichnet ist. (Das Toiletten- und Duschhäuschen ist nicht zur Benutzung freigegeben. Sieht so aus, als wenn hier keiner zuständig ist für die Instandhaltung der Anlage).

Wir schauen uns jetzt noch diese kleine Örtchen Berlikum an und werden irgendwo einkehren um einen Jenever (der echte Friese trinkt allerdings Berenburger) zu trinken.

Ein schöner Sonntag!

Montag, 08.06.09

Es hat die ganze Nacht geregnet. Doch nach dem Frühstück lugt die Sonne zwischen den Wolken hervor. Wind mäßig, Temperaturen wie gestern. Zur gewohnten Stunde, (10.00 Uhr) verlassen wir Berlikum.

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Die erste Brücke. Sehr viele cm trennen uns da nicht von der Brückendecke. Stark backbord und voraus die nächste Brücke. Ebenfalls wie die vorherige 2,50 m hoch. Ganz langsam anfahren. Das erste Drittel der Noa Delano ist durch. Doch dann ein schleifendes, knirschendes sehr lautes Geräusch. Passt nicht! Was nun? Hängen wir fest? Der Regen der vergangenen Nacht scheint den Wasserspiegel angehoben zu haben. Erst einmal zurück. Denn die Brücke die als nächstes kommen würde, kurz vor Franeker, ist mit 2,45 m Höhe angegeben. Das geht dann wohl auf keinen Fall.
Also zurück, die ganze Kleiroute! Ein bisschen mulmig ist uns schon, denn die Brücken, die wir gestern durchfahren haben, sind auch nur 2,50 m hoch. Und was gestern noch ging, geht heute nicht mehr! Gefangen im Kanal zwischen Berlikum und Menaldum??
Auf geht’s! Nur Mut!!

Der Kapitän dreht die Noa Delano und wir schippern zurück. Jetzt mit laut klopfendem Herzen und zusammengekniffenen Augen vor jeder Brücke. Brücke für Brücke wird angesteuert, langsam und bedächtig. Ich schließe die Augen und warte auf ein Ratschen. Nichts, wenige cm trennen uns von dem harten Beton. Ich dachte immer, 1 cm wäre für einen Maurer kein Maß, jetzt weiß ich, auch für einen Brückenbauer ist 1 cm kein Maß. Denn wie ist es möglich, das 2,50 m einmal passt und dann wieder nicht? Oder aber, ich will ja niemanden Unrecht tun, der Wasserspiegel ändert sich ständig auf dieser kurzen Strecke?
Durch die angeblich 270 cm hohe Brücke in Menaldum gibt es höchstens noch 5cm Platz nach oben. Höchst aufregend alles. Nichts für Hektiker und schwache Nerven.
In einigen Kilometern gibt’s die nächste Prüfung, die 3er Brücke, 2,50m hoch. Wenn wir das geschafft haben, geht’s uns besser.
Ein einziges Schiff ist uns bis jetzt auf der Kleiroute begegnet. Jetzt weiß ich auch warum!
Übrigens, der Noa Delano ist nicht viel passiert. Ein wenig weiße Farbe fehlt an der höchsten Stelle des Bootes. Die Ursache war diesmal größer als die Wirkung.
So, jetzt kommt sie in Sicht, die 3er Brücke. Das Zittern beginnt. Spannender kann ein Film nicht sein.
Achtung, Köpfe einziehen. Das bange Hoffen beginnt! Geht oder geht nicht?
Juchhu, wir sind durch! Aufatmen!
Verbesserungsvorschlag für die Kleiroute: Bringt doch an jeder Brücke einen ablesbaren Wasserstandspegel an.
So, gleich sind wir auf dem van Harinxmakanal und dann brauchen wir erst einmal einen Schnaps, den wir nicht haben. Aber heute Abend, auf jede Brücke einen, für jeden versteht sich.

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Um 13.30 Uhr, nach 24,5km und 3,5 Stunden Fahrtzeit (das sagt uns alles der Laptop) legen wir direkt hinter der Stationsbreg in Franeker an. Nach unserem Einkauf, einem leckeren Essen und einem Stadtrundgang sitzen wir zufrieden und gut gelaunt am Oberdeck und genießen die Sonne. Übrigens, Franeker ist ein sehenswertes Städtchen. Ich möchte aber nicht alle Sehenswürdigkeiten kommentieren. Schaut euch einfach nur die hübschen Fotos von Georg an.

Fazit des heutigen Tages: Eine Handbreit Wasser und auch mehr hatten wir jederzeit unterm Kiel, nur die Luft nach oben wurde zeitweise ziemlich dünn!

Na dann, Prost, mit dem Jüttertje in der Hand (haben wir heute als Erstes besorgt), auf alle durchfahrenen Brücken.

Dienstag, 09.06.09

10.45 Uhr Dienstagmorgen, Zeit, um das Reisetagebuch in die Hand zu nehmen. Nach dem gestrigen sonnigen Tag weint der Himmel heue morgen 1000 Freudentränen als wir unsere Augen aufschlagen.
Eigentlich sollte es heute von Franeker Richtung Bolsward gehen über den Bolswarder Trekvaart. Aber wir sind nicht mehr mutig genug. Auf dieser Strecke gibt es mehrere Brücken mit 2,50 m Höhe und da wir die Erfahrung von gestern nicht unbedingt wiederholen möchten, entscheidet die Crew: Den langen weg zurück über den van Haarinxmakanal bis zur Einmündung in die Lange Deel, über Warten und dann in das Gebiet Princenhof.
Schade, wir wären gerne die ruhige und idyllische Strecke bis Bolsward gefahren um heute Abend dort festzumachen. Aber was nicht geht, geht nicht!
Jetzt erst einmal Wasser auffüllen an der von uns 100 m entfernten Tanksäule.
Übrigens, das Toiletten- und Duschgebäude im Hafen von Franeker ist sehr zu empfehlen. Liegt mitten in einer Häuserzeile, daher nicht leicht zu finden. Aber wirklich ordentlich und sehr sauber.
Gegen 11.00 Uhr hört es auf zu regnen und ich sehe schon einige blaue Stellen zwischen dem Grau des Himmels. Ich begebe mich auf das Oberdeck, um Wasser und Landschaft an mir vorüberziehen zu lassen.

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Vor dem Aquädukt Lange Deel machen wir Mittagspause, bevor wir hinter dem Aquädukt backbord abbiegen Richtung Warten. Die Wolkenlücken werden größer, doch es weht ein heftiger Wind, der einem fast die Brille aus dem Gesicht fegt. Selbst die Unterhaltung mit dem Kapitän, der im Moment die Noa Delano von oben steuert und nur einen Meter von mir entfernt sitzt, ist schwierig.

Langsam durchfahren wir nun Warten, das kleine Dorf mit den bunt bepflanzten Hintergärten der Restaurants, deren Bestuhlung bis ans Wasser reicht. Für 1.10 Euro Klompengeld geht die Brücke an der Ortseinfahrt in die Höhe. Nach nur wenigen Minuten liegt der Ort schon wieder hinter uns. Die Rogesloatbrege am Ortsende, mit einer Höhe von 4,05m, war für uns kein Hindernis.

Sofort frischt der Wind wieder auf. Aber die Sonne hat die Wolken verdrängt und verbreitet wohlige Wärme. Augen zu, das Schlagen der Wellen hören und die Luft schmecken. Ein paar Augenblicke für die Sinne.

Das Gebiet Princenhof kommt näher. Ein reines Touristengebiet. Jede Menge Boote, Ausflugsdampfer, Campingplätze und schmucke Häuschen.

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Andrea am Laptop lotst uns sicher und souverän durch das große Netz der kleinen Wasserstraßen. Hier ein Ausschnitt unserer Route: von Warten aus den Rogesleat – den Princes Margriet Kanaal überquerend – lange Sleaten, Fokkesleat – Heatamsleat – Hooidamsbreege 2,60 m hoch steht an der Tafel über der Brücke. Für hohe Schiffe aber auch kein Problem, da die Hooidamsbreege eine bewegliche Brücke ist.
Jetzt steuerbord in den Grytmanrak, Kromme Ee folgend, Sitebuorster Ee, Peanster Ee, Richtung Akkrum über das Leppe Akwadukt. Dann soll es genug für heute sein.

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„ Wie fahren wir den hier rum?“ kommt plötzlich die Stimme des Kapitäns an mein Ohr.“ Wieso, warum, was meinst Du“, meine Frage an Georg. „Frieslandfahne vorne und die Niederländische Fahne hinten, bitte einstielen und den Mast aufstellen.“ „Ey, ey Captain“! Na, mit dem Mast habe ich so meine Probleme. Natürlich die falsche Schraube gelöst. Folge: Mast auf einmal in der Hand. Kopfschütteln vom Kapitän, der mir dann aber doch zu Hilfe eilt. Boot steuerlos, treibt gefährlich auf das Ufer zu. Andrea auf dem Klo, ich gebe einen Warnruf von mir, Georg eilt zurück ans Steuer und legt den Rückwärtsgang ein. Andrea hosezuknöpfend eilt an Deck: „ Was war das denn für eine Aktion?“ „Ja, ich bin halt fürs Schreiben und nicht fürs Schrauben zuständig“. Aber herzlich lachen mussten wir doch alle Drei.

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Tatsächlich haben wir es heute noch bis hinter Akkrum geschafft. Zerzaust vom Wind legen wir nach 6,5 Stunden Fahrtzeit, 50 zurückgelegten Kilometern gegen 18.00 Uhr am Marrekriteplatz im Kalde Mage an. Erst einmal Füße vertreten und dann haben wir Hunger und Durst.
Bis morgen dann!

Mittwoch, 10.06.09

Nach dem Frühstück Routenplanung: Das Ziel heißt Sloten. Ablegen 10.00 Uhr von dem Marrekriteplatz im Kalde Mage, der Betonnung folgend Terkaplester Puollen über Herrenzijl in die Goalingarypster Puollen, Ausfahrt Noarder Alde Wei, in die Langwarder Wielen, Ausfahrt Skarster Rien ins Tjeukemar mündend. Dann Ausfahrt Follega, Follegeasleat, Riensleat durch das Brandmar, De Ie hoch bis Sloten.

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Nach nur 5 Minuten erreichen wir schon die bewegliche Brücke von Heerenzijl. Hier wacht von April bis 30. Oktober ein Brückenwärter. Die übrigen Monate wird die Brücke nicht bedient.

Kaum auf offenem Wasser in den Goalingarypster Puollen, kommt erheblich mehr Bewegung ins Schiff durch den starken Wind. Nur ein paar wenige Boote

sind hier unterwegs. Eine große Anzahl von schön gelegenen Marrekriteplätzen wurde hier angelegt. In dem Fluß Noarder Alde Wei eingefahren, lässt der Wind sofort nach. Auch hier eine Vielzahl von Marrekriteplätzen, überwiegend nicht belegt. Vor uns die Noarder Oudewegbrege, 2.80m Höhe. Flaggen vorne und hinten wieder rein. Und schon schwimmen wir im wieder breiteren Wasser, den Langwarder Wielen. An der roten Markierungstonne mit der Zahl 16 und der grünen Tonne mit der Zahl 17 vorbei in den Skarster Rien. Vorbeischwimmend an kleinen Wochenendhäuschen mit kurz gemähtem Rasen und blühendem Rittersporn. Mit dem Wind im Rücken und der Sonne von oben geht’s gemächlich Richtung Tjeukemar, der größten Seenplatte Frieslands.

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Nach ein paar gefahrenen Kilometern, durch die bewegliche Schasterbreg. Steuerbord der Yachthafen mit umliegenden Häusern der gehobenen Mittelklasse. Scharsterrijnbrege, eine sehr stark befahrene Autobahn- oder Schnellstraßenbrücke, Höhe 3,50m. Für uns natürlich kein Problem. Aber auf der anderen Seite warten einige höhere Motoryachten auf das sich öffnende Hindernis.

Gegen 12.00 Uhr legen wir kurz vor Erreichen des Tjeukemars am Marrekriteplatz fest um Mittagspause zu halten. Unsere Überlegung: Die Brückenwärter haben jetzt Pause und wir möchten auf keinen Fall bei diesem starken Wind vor der Follegabrücke festmachen. Da gab es schon einmal ein kurzes Trauma, nachzulesen in unserem ersten Reisebericht mit der Libra.
Kurze Zwischenmeldung des Kapitäns fürs Logbuch: Abfahrt heute morgen um 9.46 Uhr, Fahrtzeit 2 Stunden 4 Minuten, Fahrtlänge 18,5 Kilometer.
Nach einer einstündigen Mittagspause lösen wir die Taue und überqueren das Tjeukemar Richtung Follega. Hier hat der Brückenwärter viel Zeit bevor er die Brücke öffnet. Er zeigt uns das Schild mit der Aufschrift „Bus“, wir nehmen an, dieser hat Vorfahrt. So ist es auch. Sobald der Bus die Straße überquert hat, hebt der Wärter die Brücke für uns. Dem Follegeasloot folgend, durch das Brandmar auf Sloten zu.

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Genau um 12.52 Uhr und 13,4 zurückgelegten Kilometern nach der Mittagspause, liegt das Städtchen Sloten vor uns. Wir halten Ausschau nach einem Liegeplatz und werden fündig kurz hinter der Niawe Langbreg an einem sehr schönen Anlegeplatz, zugehörig dem Campingplatz Jerden. Jetzt noch eine Tasse Kaffe und dann auf ins Städtchen. Vorher aber noch an der Rezeption des Campingplatzes das Liegegeld bezahlen. 1.-Euro pro Meter Schiff.

Sloten ist absolut sehenswert. Eine Stadt mit 700 Einwohnern (kleinste Stadt der Niederlande), einem Stadtkern mit denkmalgeschützten Giebelhäusern und jede Menge gemütlich aussehender Gastronomie. Eine Kanone, die in der Hauptsaison jeden Freitagabend abgefeuert wird, gehört mit zu den Wahrzeichen dieser Festungsstadt. Als Perle der friesischen Elfstädte ausgezeichnet, können wir nur jedem empfehlen, hier etwas länger Rast zu machen.

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Mit einem Glas Rotwein an Deck bei wolkenlosem Himmel lassen wir diesen Tag gemütlich ausklingen.

Donnerstag, 11.06.09

Zunächst einmal allgemeine Ratlosigkeit. Wohin soll die Tour heute gehen? Die Entscheidung würde uns ja wesentlich einfacher fallen, wenn das Wetter gut wäre. Aber es regnet und der Wind bläst stark. Verschiedene Vorschläge werden diskutiert. Zu guter letzt legen wir gegen 10.00 Uhr ab. Das Ziel heißt Woudsend.

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Erst einmal an Deck, ist das Wetter gar nicht so schlecht, wie es von unten aussieht. Im Slotermar kommen uns zahlreiche Segler entgegen. Bei dem Wind mach das Segeln Spaß. Die Wolken verziehen sich und wir legen vor der Hellingbreg in Woudsend an. Im Waterpoort Cafe direkt an der Brücke kann jeder das Manövrieren der Boote vor der Brücke beobachten. Und es fahren wirklich viele Schiffe durch diesen Ort. Der Brückenwärter hat eine Menge Arbeit, keins der Motorboote muss lange warten. Die Segler ohne Kabine müssen den Mast umlegen. Sie dürfen nicht mit den Motoryachten oder den großen Seglern unter die Brücke durchhuschen. Da ist der Wächter sehr streng.

Hinein in den Ort. Nette kleine Lädchen mit allerlei Krimskrams, schönen Malereien und Souvenirs. Heute gibt’s endlich den Fisch. Zweimal Lekkerbakje und einmal Kibbeling. Danach noch ein Softeis.

Doch vorher unbedingt wieder zurück zur Noa Delano. Was ist passiert? Ein uns unbekanntes Flugobjekt hat etwas stark Stinkendes fallen gelassen. Den Kapitän hat es getroffen. Erst einmal den Kopf unter Wasser halten und abspülen. Er ist aber auch empfindlich!!

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Mit dem Eis in der Hand schlendern wir langsam auf die Noa Delano zu. Zugeparkt, hinter uns drei Segelboote nebeneinander liegend am Kai und vor uns ebenso. Hat das Boot eine Servolenkung? Brauchen wir gar nicht. Georg hat uns ruckzuck von der Anlegestelle weg, hinausmanövriert.

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Vom Nauwe Winnerts schippern wir in den Johan Frisokanal. Über das Jeltesleat Akwadukt und unter der Jeltesbootbreg. So lesen wir es auf der Wasserkarte. Aber es war anders. Aus der Brücke ist wohl das Aquädukt entstanden, stellt unsere Navigatorin Andrea fest. Denn weit und breit ist keine Brücke zu sehen. Auch gut.
Der Frisokanal ist eine stark befahrene Wasserstraße. So viele Schiffe habe ich in den letzten vier Tagen nicht gesehen. Auffallend viele große Segler mit deutschen Touristengruppen an Bord. Liegt das an dem Fronleichnamsfeiertag in Deutschland? Langes Wochenende für Kegelclubs!
Na ja, ob das für unsere Pudelbande wohl was wäre?
Wechselnde Perioden von Sonne und Wolken, von Wärme und kaltem Wind zwingen uns, immer wieder das Deck zu wechseln. Das ist der Nachteil dieses Schiffes, es gibt keinen Schutz bietenden Aufbau auf dem Oberdeck.

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Da wir heute keinen Landgang mehr geplant haben, stoppt die Noa Delano um 14.45 Uhr am Marrekriteplatz im It Nau. Wir finden für heute ist es genug. Gleich noch ein kurzes Nachmittagschläfchen und dann den Rest der festen und flüssigen Nahrung vernichten bei bestimmt mehreren Runden Kniffel.
Für alle die es genau wissen wollen:
Abfahrt Sloten 10.38 Uhr, 38 Minuten bis Woudsend, 4,7 Kilometer
Abfahrt Woudsend 12.52 Uhr, nach einer Stunde und vierzig Minuten und 13,4 Kilometern an Liegeplatz It Nau.

Freitag, 12.06.09

Letzter Tag an Bord der Noa Delano. Frühstücken, aufräumen, Taschen packen, spülen, fegen. All das erledigen wir bevor wir gegen 10.00 Uhr Richtung Heimathafen Sneek fahren.

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Den Weg zurück bis Sneek verfolgen wir, wie in den vergangenen Tagen auch, an Hand des Pfeils auf dem Laptop. Eine prima Erfindung, erleichtert ungemein die tägliche Routenplanung mit allem was beachtet werden muss. So kommen wir dann auch um 10.46, nach 7km, beim Yachtcharter Sneek an. Fritz übernimmt das Einparken des Bootes. Wir füllen Frischwasser und Diesel auf. Eine sehr schöne und ruhige Woche geht zu Ende.
Noch eine Tasse Kaffee und das Erledigen der Formalitäten im Büro des Yachtcharters, bevor wir mit dem Auto nach Hause fahren.
Ich hoffe, auch im nächsten Jahr hören wir wieder voneinander und danke, für alle guten Wünsche, die uns in diesem Jahr begleitet haben.

Tschüss und Auf ein Wiedersehen im Jahr 2010.

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