Logbuch 2010

Zusammen in einem Boot –

wir, Andrea, Georg und ich, laden euch diese Woche ein, mit uns auf Tour zu gehen und uns an Bord der Lucida zu begleiten. Gechartert vom Yachtcharter Urk. Von hier aus starten wir Samstag, 29.05.2010 um 11.30 Uhr bei Sonnenschein und dem vorher schon obligatorischem Brötchen-Frikadellenessen. Nur der Sekt fehlte noch.

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Das „Mädchen“ Lucida hat schon einige Jahre auf dem Wasser hinter sich. Unter Deck fällt auf, dass die Küche ein wenig kleiner ist, verglichen mit der Sybrigje vom Yachtcharter Sneek. Dafür sind die Schlafkojen, die Duschen und die Toilettenkabinen sehr geräumig. Das helle Holz mit den Profilleisten wirkt freundlich und lässt den ganzen Raum unter Deck gemütlich aussehen.

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Das Schönste an der Lucida ist das Cabrio-Verdeck. So können wir oben an Deck sitzen, ohne dass der Wind uns ständig ins Gesicht bläst. Der Nachteil ist nur, dass wir in diesem Jahr vor den meisten Brücken warten müssen, die wir im letzten Jahr problemlos (fast problemlos) durchfahren haben.
Langsam folgen wir dem Urkervaart Richtung Emmeloord. Nach ein paar hundert Metern zeigt sich schon die erste Brücke, die Zwolsebrug. Kein Brückengeld nötig. Von 12.30 Uhr bis 13.30 Uhr ist Brückenwärterpause. Wir wollen versuchen, vor der Mittagspause durch Emmeloord zu kommen, um dann Kurs auf Lemmer zu nehmen.

Vor der Tollebekerbrug haben wir ein wenig Wartezeit. Direkt vor der Brücke gibt es einen Anmeldeknopf. Die Crew des vor uns fahrenden Bootes hat dies wohl übernommen, denn nach wenigen Minuten schaltet die Ampel auf rot-grün. Weiter geht es mit der etwas verschleiert scheinenden Sonne von oben. Ist das wirklich schon wieder ein Jahr her, dass wir hier in Friesland mit der Noa Delano unterwegs waren? Irgendwie scheint alles so vertraut, die flachen Felder und Wiesen auf der einen und die Wohnhäuser mit den geschmackvoll gestalteten Gärten auf der anderen Seite des Flusses. Und nicht zu vergessen, die stets freundlich grüßenden Bootsfahrer.

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12.30 Uhr, das Kommando vom Kapitän Georg: Boot backbord festmachen. Wir legen vor der Nagelerbrug, die zwei rote Ampellichter zeigt, die auf die Mittagspause des Brückenwärters hinweisen, an. Jetzt wird der Sekt getrunken, den es heute Morgen nicht gab. (Der Kapitän darf nur nippen)
Pünktlich um 13.30 Uhr geht es weiter. Direkt hinter der Nagelerbrug, die Verstopbrug. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Ist das nicht herrlich! Nur der Popo auf den weißen Plastikstühlen wird kalt. Da muss ein Sitzkissen oder ähnliches her.

Kurz hinter der Verstopbrug ein Hinweisschild: Geradeaus Richtung Voorst, backbord Richtung Lemmer, unserem Zielort. 100 Meter weiter die Marknesserbrug. Vor uns die Emma, ebenfalls vom Yachtcharter Urk, mit einer netten Familie an Bord, die wir heute Morgen in Urk begrüßt haben.

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Jetzt übertreibt es der Kapitän aber, mit kurzer Hose und ärmellosem T-shirt steuert er die Lucida. Die Sonne meint es gut mit uns! Wir könnten jubeln, ist das ein schöner Tag!!

Zwischen hohen Bäumen und sattem Wiesengrün schlängelt sich der Lemstervaart durch das Polderland. Es ist einfach nur heiß, keinen Luftzug spürt man hinter dem Cabrio-Verdeck sitzend. Schuhe aus und Hose aufkrempeln, so lässt es sich aushalten.

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Gegen 15.00 Uhr sehen wir die Schleusentore der Friesesluis von Lemmer vor uns. In der Schleusenkammer hängen an der rechten Seite fünf dicke Taue und an der linken Seite sechs Stangen an der Wand. Daran kann das Boot befestigt werden.

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Der Schleusenvorgang dauert knapp fünf Minuten. Es muss ein Höhenunterschied von ca. fünf Metern überwunden werden. Die Emma und die Lucida warten geduldig auf das Füllen des Beckens. Gleich nach dem Hinausfahren backbord, dann sofort steuerbord, Richtung Lemmer. Haben wir in den letzten drei Stunden nur die Emma vor uns gehabt, sehen wir nun eine Vielzahl von großen Seglern und Yachten aus den unterschiedlichsten Richtungen kommend. Alles bewegt sich auf die Lemstersluis zu oder fährt in den vor der Schleuse gelegenen Yachthafen.

Wir fahren mit drei Segelbooten und der Emma in die Kammer der Schleuse hinein. Hier beträgt der Höhenunterschied kaum einen Meter. Alles geht sehr schnell und problemlos. Der Hafenmeister verlangt fünf Euro für das Schleusen und die nächsten zwei Brücken.

Wir fahren mitten durch Lemmer hindurch. Menschenmengen sitzen im Cafe direkt am Wasserrand oder bummeln an den Schaufenstern vorbei.

Die Schiffe „parken“ dicht an dicht an der Kaimauer. Hier in Stadtnähe einen Liegeplatz zu finden ist im Moment aussichtslos. So schippern wir weiter durch den Frieslandpark, vorbei an Schiffen, die wohl teurer sind als das Haus, was dahinter steht.

Den Stoomkanal entlang, stoßen wir auf den Princess-Margriet-Kanal, um dann backbord in den Langesloot einzubiegen. Von weitem sehen wir den Brückenwärter der nächsten Brücke winken, was wohl so viel bedeuten soll, wie Pause oder Feierabend. Die Lucida dreht ab und nimmt Kurs auf das Groote Brekken mit dem Ziel Sloten.

Nach einigen Kilometern backbord in de Rijnsloot, wo eine kleine Fähre unseren Weg kreuzt.

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De Kromme Ee, Brandmeer und Woudsloot, steuerbord in de Ee of Boomsvaart. Die Windmühle von Sloten liegt vor uns. Jetzt noch durch die Brücke, zwei Euro Klompengeld und dann machen wir an der uns bekannten Anlegestelle, zugehörig zum Campingplatz, um 17.15 Uhr fest. Wir haben tierischen Hunger! Auf ins Dorf!

Aber zuvor das Liegegeld am Campingplatz bezahlen und den Zugang zum Internet sichern.

Eintragung für das Logbuch: Start Yachtcharter Urk 11.30 Uhr, Fahrtzeit 4 Stunden 45 Minuten, 40 Kilometer zurückgelegt. Zielort Sloten.

Sonntag, 30. Mai 2010

An die Leinen, fertig, los! Es ist 11.15 Uhr und wir wollen Sloten verlassen. Aus den Jubelrufen von gestern, was die Sonne betrifft, ist heute Morgen eher ein ganz leises jubilieren geworden.

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Die Sonne scheint nicht, aber es ist noch trocken. Andrea und ich haben einen ausgiebigen Spaziergang um den Campingplatz hinter uns, während Georg e-mails mit Sonnenscheinbildern verschickt hat. Dazu brauchte er sich nur an dem vom Campingplatz zur Verfügung gestelltem Hotspot anzumelden. Die Gebühren werden über das Paypalkonto abgerechnet.

Unser Ziel heißt heute Warkum. Mal sehen, über welche Wasserwege wir dort ankommen. Aber zunächst einmal große Aufregung. Nach dem wir die Taue der Lucida gelöst haben, treibt das Schiff steuerungsunfähig auf dem Wasser. Der Motor läuft (am oberen Steuerstand eingeschaltet) aber das Ruder reagiert nicht. Der Wind bläst uns direkt vom Land weg, so dass die Leinen nicht zurückgeworfen werden können. Auf der Instrumententafel unter Deck ist nicht ersichtlich, warum nichts geht. Puh, das gibt einen kräftigen Adrenalinstoß. Gerade schwimmen mehrere Yachten und Segelboote an uns vorbei. Nur noch wenige Meter und wir treiben mitten in der Fahrrinne. Georg macht den Motor wieder aus und startet unter Deck neu. Und???? Ja, jetzt funktioniert das Ruder. Gott sei es gedankt. Lieber Kapitän: Diesen Kick brauchen wir nicht jeden Morgen!

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Im Moment ist das Cabrio-Verdeck Gold wert. Der Wind auf dem Slotermeer weht heftig. Zur Freude der vielen kleinen Segelyachten. Auf- und abtänzelnd, der Betonnung folgend, bewegen wir uns über das Meer.

Kurz vor 12.00 Uhr steuern wir auf Woudsend zu. Wann macht der Brückenwärter Pause? 12.00 Uhr oder 12.30 Uhr? In der relativ engen Fahrrinne und den wenigen zur Verfügung stehenden Anlegeplätzen vor der Brücke, hoffen wir dass der Diensthabende erst um 12.30 zu Mittag geht.
Es brennt nur ein rotes Licht, das heißt, die Brücke ist noch in Betrieb. Kurze Zeit später leuchtet auch das grüne Licht darunter auf, sodass wir ohne große Wartezeit und die Hellingbrücke gleiten können. Gleich dahinter backbord in Richtung Heegermeer.

Der Himmel verfinstert sich und die ersten dicken Regentropfen fallen. Andrea schließt hinter uns die Zeltwand und wir bleiben oben an Deck sitzen. Es schüttet und schüttet. Ab und an tropft es von oben durch die Verdeckplane. Wie Pfingsten im großen Gemeinschaftszelt, für die, die wissen, wovon ich spreche.

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Es gießt aber auch aus allen Wolken. Die Segler in den kleinen Jollen vor und hinter uns beneide ich nicht. Aber in ihren Gesichtern zeigt sich immer noch ein Lächeln und auch das Grüßen vergessen sie nicht.
Am Ufer liegen sieben Kanuboote. Die Kanuten stehen in „Ganzkörperkondomen“ wie versteinert an Land. Aber ein freundliches grüßen ist immer noch drin.

Durch das Heegermeer, vor Heeg backbord steuernd. Der Kapitän manövriert die Lucida sehr vorausschauend. Gerade hier auf dem Meer sind viele große Segler der braunen Flotte (die großen braunen Plattbootschiffe) unterwegs. Diese Schiffe haben immer Vorfahrt. Gerade fährt die Sybrigje vom Yachtcharter Sneek an uns vorbei. Wir haben gestern und heute einige uns bekannte Schiffe gesehen. Georg brachte es soeben auf den Punkt:“ Ich glaube, wir haben das Jahr der Begegnung!“

Im Heegermeer, immer dem Verlauf der Fahrrinne folgend. An den Markierungstonnen besonders Acht geben. Ein wenig Unstimmigkeit mit unserer Navigatorin Andrea. Sind wir noch auf dem richtigen Weg? Rechts die grüne Tonne mit der 9 und links die Rote mit der Aufschrift: N10
Der Pfeil auf dem Bildschirm des Computers bestätigt dass wir auf dem richtigen Kurs sind.

Yntemasleat – Grutte Gaastmaar – Koarte Fliet – Lange Fliet – Klifrak

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Vor den Einfahrt nach Warkum vorbei an der sich wegdrehenden Spoorbrücke (Eisenbahnbrücke), dann Sudergabebrücke. Unmittelbar vor der Noarderbrücke, geschützt vor dem Wind und in direkter Nähe zum Ort, legen wir um 14.00 Uhr an.

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Nach einem aufwärmenden Süppchen erkunden wir Warkum. Im Frieslandbuch wird ein sehenswertes und historisches Stadtbild rund um den Marktplatz und den beiden alten Kirchen beschrieben. Im 17. Jahrhundert kam Warkum durch den Verkauf von Aalen nach London zum Wohlstand. Die Warkumer Aalschiffe (Palingaaken) hatten dort sogar eigene Liegeplätze.

Wir Drei marschieren nun im 21. Jahrhundert und werden uns mit der Historie des Ortes, bei jetzt trockenem Wetter, visuell vertraut machen. Einfacher gesagt: Wir sehen uns dieses Städtchen mal genauer an, ausgerüstet mit Fotoapparat und Geldbörse!

Eintragung für das Logbuch:
Start: 11.15 Uhr Sloten, Fahrtzeit: 2 Stunden 40 Minuten, 33 Kilometer gefahren, Zielort Warkum

Montag, 31. Mai 2010

Die neue Woche fängt früh an. 7.30 Uhr aufstehen, 8.00 Uhr Frühstück. Nachdem der Kapitän sich von der einwandfreien Funktion des Ruders überzeugt hat, legen wir gegen 9.50 Uhr ab.

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Wir werden zunächst unter die Noarderbrücke fahren, um dann ein Stückchen weiter die Lucida zu drehen. Hier am Anlegeplatz ist es zu eng. 70 Cent Brückengeld und kurz darauf wieder zurück. Der Brückenwärter ist sehr freundlich. Er verweigert das 70 Cent Rückfahrgeld und wünscht uns einen schönen Tag.
Ich versuche es mal auf Niederländisch, nachdem wir schon zwei Lektionen mit dem Laptop hinter uns haben. Jeden Morgen vor dem Frühstück hören wir einige niederländische Sätze, die wir nachsprechen müssen. Der Kapitän ist da sehr ehrgeizig und Andrea und ich natürlich auch. „Dank ü well“, so lautet dann auch meine Antwort an den Brückenwärter.

Fünf Minuten später vor der Sudergoabrücke. Als nächstes vor der Spoorbrücke backbord in den Workumer Trekvaart. Ein rot-weißes Flatterband versperrt zur Hälfte die Einfahrt des Flusses. Mittig auf dem Wasser steht ein schwimmender Bagger und gräbt die Fahrrinne aus. Es gibt kein Hinweisschild, dass dieser Wasserweg voll gesperrt ist. Also langsame Fahrt voraus und links an dem Bagger vorbei.

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Die Nijkulzumerbrücke taucht auf. Im Häuschen sitzt kein Bediensteter. Einmal hupen und eine junge Frau erscheint aus einem Wohnhaus und bedient die Brücke. Die Durchfahrt kostet 1,50 Euro Klompengeld. Weit und breit kein Schiffsverkehr. Wir scheinen heute Morgen die Einzigen zu sein, die bei kaltem mäßigen Wind und gräulichem Himmel unterwegs sind. Aber der Wetterbericht verspricht Gutes und auch das Barometer unter Deck klettert kontinuierlich nach oben.

Das Ortsschild auf der Backbordseite verrät, dass wir gerade Parrega passieren. Einzelne winzige Häuschen, mit wenig Wohnraum, wie wir finden, säumen die
Uferstrasse.

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Vor der Brücke am Ortsausgang von Parrega wieder das gleiche Procedere. Brücke geschlossen, kein Brückenwärter. Einmal hupen, drei Minuten später versieht der herbeieilende Mann seinen Dienst.
Der kleine Ort Tjerkwerk folgt und wieder 1,50 Euro für die Gemeindekasse. Die Lemswalderbrücke ist schon in Sicht. Ebenfalls 1,50 Euro Durchfahrtsgebühr.

Ortszeit 11.30 Uhr. Die Kruiswaterbrücke, das Einfahrtstor nach Bolsward wird links liegen gelassen.

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Für Segelschiffe die in den Hafen von Bolsward wollen, wird diese Brücke nicht geöffnet. Sie müssen mit liegendem Mast darunter herfahren. Viele vierbeinige Friesen toben auf den saftigen Wiesen herum. Ein junges Fohlen jagt hinter einem Fischreiher her. Kühe grasen und Windräder drehen sich im Wind.

Gerade vor 12.00 Uhr schaffen wir es noch unter die Wolsumerketting-Brücke. Auch wir machen eine Mittagspause und wärmen unser Innerstes ein wenig auf.

Das tat gut! Heißes mit Schuss und eine deftige Brotmahlzeit. Um 13.15 Uhr sind wir wieder fit. Die Sonne lünkert ein wenig zwischen den Wolken hervor. Millimeter für Millimeter nähert sich die Barometernadel dem „Very dry“.
Wolkenfelder werfen ihre Schatten auf die großen Wiesen und huschen an uns vorbei.
„Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich“, so sagt ein afrikanisches Sprichwort. Jetzt bloß nicht sentimental werden!

In dem kleinen Ort Oosthem nähern wir uns einer Selbstbedienungsbrücke. Ab dem 01. Juni wird diese Brücke von einem Wärter bedient. Heute müssen wir noch selbst ran. Wie soll das funktionieren? Ganz einfach! Ein roter Knopf befindet sich steuerbord auf eine im Wasser stehende Holzleiste. Nah an diese Leiste heranfahren und den Knopf drücken. Siehe da, nach wenigen Augenblicken dreht sich die Brücke seitwärts weg und macht den Weg frei.

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Die Spoorbrücke steht offen, 50 m weiter die Brücke von Nijezjl. Nach Zahlung von 1,25 Euro wird uns die Durchfahrt gewährt.
Die ersten Nobelhäuser des Städtchens Iljst halten den Blick gefangen. (s. Fotos)

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Die vorerst letzte Brücke auf dem Weg nach Sneek, so die Aussage des Kapitäns und der Navigatorin. Wieder entnehmen wir dem Brückengeldkästchen 1,25 Euro. Am Ortsausgang von Iljst steuerbord eine Windmühle.
Im breiteren Gewässer mit dem Namen de Geau, geht die Reise weiter in Richtung Sneek.

Gerade sind wir an dem Marrekrite-Platz vorbeigekommen, an dem wir vor fünf Jahren mit der Libra festgemacht haben. Ich habe das damalige Foto noch vor Augen: Bei strahlendem Sonnenschein sitzen Andrea und ich beim Kartoffelschälen auf dem Achterdeck, während Hermann und Georg angeln. Eine kostbare Erinnerung an eine schöne Woche.

Gerade fahren wir über das Aquadukt. Unter uns die fertiggestellte Umgehungsstrasse von Sneek.

In unmittelbarer Nähe der Waterpoort, dem besonderen Symbol von Sneek, das 1613 als Teil einer Festung erbaut wurde, machen wir die Taue fest. Mit Stromanschluss und schnellem Internetzugang. Georg ist ganz begeistert und Andrea und ich natürlich auch, wollen wir doch gleich einen kleinen Bummel durch die Einkaufsstrasse machen!

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Aber zunächst wird die e-mail-Post gesichtet und vorgelesen. Beate, Simon und Familie Münz haben uns geschrieben. Und Günter nicht zu vergessen. Er hat uns heute Morgen per SMS eine Nachricht auf unsere Handys geschickt.
Diesen Text können wir aber erst nach der 7. Lektion deutsch-holländisch übersetzen.

Danke für alle eure guten Wünsche und für das Daumendrücken, was das Wetter betrifft. Tatsächlich scheint die Sonne jetzt um 15.00 Uhr von einem strahlend blauen Himmel. Die Winterschuhe, die lange Hose und der dicke Pullover werden gegen Sandalen, T-shirt und kurze Hose eingetauscht. So begeben wir uns von Bord, nachdem wir den Wein für heute Abend kalt gelegt haben.

Halt, nicht vergessen, die Ansage vom Kapitän für den heutigen Tag, abgelesen vom Laptop:

Start Warkum 9.50 Uhr, bis zur Mittagspause 11.50 Uhr: 15 Kilometer gefahren, ab 13.15 Uhr Weiterfahrt n. Sneek Ankunft Sneek 14.30 Uhr, weitere 9 Kilometer zurückgelegt.

Dienstag, 01.06.2010

Noch ein letzter Blick auf die Waterpoort von Sneek und auf geht es in den neuen Tag, der mit viel Sonnenschein beginnt.
Den gestrigen Nachmittag haben wir mit einem Stadtbummel durch das Zentrum von Sneek verbracht. Viele kleine und große Geschäfte (C&A), urige Kneipen und eine gemütliche Gastronomie laden zum Einkaufen und Verweilen ein. So haben wir dann auch in dem Lokal de Walrus vorzüglich gespeist und den Abend auf der Lucida bei einem Glas Wein mit Blick auf die untergehende Sonne verbracht.

Heute Morgen bekam der Hafenmeister sein Geld. 9,50 Euro Liegegeld für 10,30m Boot, drei Erwachsene, Strom und Internetzugang. Ein wirklich guter Service der Stadt Sneek. Nur die Toiletten- und Duschgelegenheiten lassen unserer Meinung nach noch einige Wünsche offen.

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Gegen 10.00 Uhr lassen wir die Waterpoortbrücke, die Harinxmabrücke und die Oppenhuizerbrücke für ein Brückengeld von 2,- Euro hinter uns. Über den Houkesleat bewegen wir uns aus Sneek hinaus.
Durch ein Gewerbegebiet mit zahlreichen Schiffswerften steuert der Kapitän die Lucida dem Sneekermeer entgegen. Viele Grüße von hier aus an Fritz, Sytze und Greta. Wir sind ganz in der Nähe von Yachtcharter Sneek, das im Gewerbegebiet op t’Gest mit seinen überwiegend niedrig gebauten Schiffen beheimatet ist, die optimal z. B. für die Middelseeroute oder die Kleiroute geeignet sind. Diese Touren könnten wir mit der Lucida nicht befahren.

Mit voller Kraft voraus überqueren wir gerade den Princess-Margriet-Kanal, der von der Berufsschifffahrt genutzt wird und mitten durch das Sneekermeer führt. Das Sneekermeer verlassend in die Goalingarypster Puollen. Die Wasseroberfläche ist spiegelglatt und nur der wohltuende frische Fahrtwind weht uns um die Nase.

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Der Wasserstraße mit Namen de Alde Wei folgend, die in de Langwarder Wielen mündet. Vor der Noarder Oudewegbrücke warten zwei Schiffe. Eine Anmeldung durch Druck auf den roten Knopf vor der Brücke ist wohl bereits erfolgt. Es gibt für uns keine Wartezeit und mit den vorausfahrenden Schiffen huschen wir unter die Brücke durch. Um 11.50 Uhr biegen wir backbord in de Skarster Rien, der uns geradewegs in das Tjeukemeer leitet Was geht es uns wieder gut, gerade serviert Andrea Vanillefla mit frischen Erdbeeren.
Der Geruch vom frisch gemähten Gras steigt mir in die Nase. Wasserlilien verschönern büschelweise mit ihrer gelben Blütenpracht das Ufer. Natur pur erleben und den Gedanken freien Lauf lassen. Das befreit Geist und Seele.

Die Scharsterbrücke und nachfolgend die Scharsterrijnbrücke können wir bei sofortiger Öffnung zügig durchfahren. Einfahrt in das Tjeukemeer bei Zandrak um 12.45 Uhr. Bei Echtenerbrug wollen wir das Tjeukemeer wieder verlassen.

Doch wir sind ja nicht auf der Flucht. Zuerst eine kleine Ruhepause, die wir an einem wunderschön gelegenen Marrekrite-Platz einhalten. Der Motor der Lucida steht still und es herrscht eine vollkommene Ruhe. Nur der Kuckuck ruft und die Vögel zwitschern. Die Sonnenstrahlen glitzern auf der Wasseroberfläche. Ein kleines Nickerchen auf dem Vordeck halte ich jetzt für angemessen!

So das war es! Zum Zeichen des Aufbruchs startet der Kapitän um 14.10 Uhr den Motor. Die Crew erhebt sich und nimmt das Kommando „Leinen los“ entgegen.

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Vorbei an Lisa, Annulet, Mareike und Kim und dem Yachtcharter Meerenpoort, die Pier Christiaanbrücke ansteuernd. Gleich hinter der Brücke ist das Unternehmen Turfskip, mit seiner „weißen Millionenflotte“, dazugehörig auch die Libra, die wir vor fünf Jahren gechartert hatten, zu Hause.

Bitte anmelden, steht vor der Draaibrücke Oldehamer. Doch wie von Geisterhand dreht sich die Überquerung zur Seite. Auch die Oldertrijnebrücke öffnet sich ohne dass es einen sichtbaren Brückenwärter gibt. Kameras die vor der Brücke installiert sind haben uns wohl von Weitem gesichtet.

Dem weißen Pfeil auf blauem Grund nachfolgend Richtung Oldemarkt. Doch ein kurzes Stück weiter eine gelbe Tafel vor der schmalen Brückendurchfahrt. „Durchfahrt gesperrt vom 31. Mai bis 02. Juni“ steht dort zu lesen.

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Aus Oldemarkt wird also nichts. Drehen und einmal um die kleine Landzunge herum. An dem Grünstreifen mit den kleinen weißen Pfählen, direkt vor der Driewegesluis, legt Andrea die Taue fest. 0,50 Euro pro Meter Schiff ist der Übernachtungstarif. Doch den sparen wir uns. Denn bei Besuch des Pavillons Driewegesluis und Verzehr eines Dinners entfällt die Liegegebühr. Das ist ein guter Grund heute Abend essen zu gehen.

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Logbucheintragung: Abfahrt heute Morgen 10.00 Uhr, 3 Stunden und 24 Kilometer bis zur Mittagspause. 14.10 Uhr Weiterfahrt, 2 Stunden 10 Minuten, 17 Kilometer bis vor der Driewegesluis.

Mittwoch, 02.06.2010

Von den Sonnenstrahlen die durch die Seitenfenster der Lucida blinzeln werde ich geweckt. In der Küche klappert es. Georg hat das Kaffeewasser schon aufgesetzt. Gemütlich frühstücken, den Müll und das Flaschenleergut entsorgen, Routenplanung und das Einschalten des Navis auf dem Laptop. Dann sind wir ablegebereit. Als Erstes wird die Homansluis bewältigt. Vor uns fahren zwei größere Yachten in die Schleuse ein. Passen wir da noch hinein? Für uns sieht das sehr knapp aus. Aber der Schleusenwärter kennt sich aus im „schleusenstopfen“. Ohne weiteres ist hier noch Platz für mehrere Schiffe.

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Gleich hinter der Schleuse wird Frischwasser getankt. 100 Liter für 50 Cent. Zweimal 50 Cent einwerfen und der Tank ist randvoll. Eigentlich könnten wir nun ablegen. Andrea ist verschwunden. Wo ist sie abgeblieben?
Schmunzelnd meint Georg, Andrea sei wie der Papst. Der kennt sich mit „dem Boden küssen“ aus. Andrea kennt sich überall mit den Toiletten aus!
Na, auf jeden Fall wissen wir jetzt, dass die Toiletten- und Duschanlagen an der Driewegesluis nagelneu und bestens zu empfehlen sind!

Gelassen und entspannt lassen wir uns auf dem Achterdeck nieder. Hunderte von Schafen liegen noch kauend auf den Wiesen. Die Cormorane tauchen neben uns her und sorgen für ihr Frühstück. Die Sonne meint es an diesem Morgen besonders gut mit uns.
Das Ziel für heute liegt in der Provinz Overiyssel. Es ist das Städtchen Blokzijl, das, wie viele kleine Orte, im 17. Jahrhundert seine Blütezeit erlebt hat. So wollen wir uns ein eigenes Bild machen von der Stadt, dessen Häuser noch vollständig aus der frühen Zeit erhalten sein sollen. Ebenso haben wir uns vorgenommen, endlich mal das Nationalgericht der Holländer zu essen: einen Pfannekuchen im stilvollen Restaurant Prins Maritius, das direkt am Hafen liegen soll.

„Welkom in Nordwest Overijssel“ steht auf dem Laufband vor der Ossenzijler Brücke. Langsam auf dem Wasser gleitend durchqueren wir diesen Ort, dessen Uferstreifen mit vielen kleinen bunten Fahnen geschmückt ist.

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Blühende Rhododendronsträucher, farbenprächtige Sommerblumen und fantasievoll geschnittener Palm stehen vor den winzigen, zum Teil reetgedeckten Häusern.
Am Ortsende macht uns ein Schild darauf aufmerksam, dass hier das Naturschutzgebiet de Werribben beginnt.

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Die Kalbenberger Gracht, ein kleines Paradies, nicht nur für Tiere. Schmucke Einfamilienhäuser, versteckt hinter hohen Bäumen und Hecken, wiegende Gräser im Wind und Enten, die seelenruhig in ihrem glitzerndem Federkleid neben uns her schwimmen. Ein friedliches Stückchen Natur im Garten Eden.
In dem kleinen Örtchen Kalenberg reihen sich wunderschöne Häuser, die einige Meter vom Ufer entfernt liegen, aneinander. Vor fast jedem Haus liegt ein Ruderboot.

Vor der Kalenberger Brücke lässt der Kapitän die fünf uns entgegen kommenden Schiffe zuerst fahren. Dann hat die Lucida freie Fahrt. Die Fahrrinne ist sehr eng weil auf der Backbordseite ein Schiff mit Erde entladen wird. Die letzten Häuser des Ortes verschwinden hinter einer Kurve. Diese Kalenberger Gracht ist wirklich ein Naturerlebnis. Ein märchenhafter Ort im Dornröschenschlaf.

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Lautes Frosch- und Entengequake erreicht mein Ohr. Große Flächen von Seerosenblättern wachsen weit in das Fahrwasser hinein. Eine Augenweide sind die künstlerisch gestalteten Hintergärten.
Vor der Scherrebrücke werden wir um 12.15 Uhr zur Mittagspause gezwungen. Vanillefla mit Banane steht auf dem Speiseplan.

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Um 13.00 Uhr wird aus dem Signal „Doppelrot“ ein „Einfachrot“. Da auch hier kein Brückenwärter vor Ort die Brücke bedient, schiebt der Kapitän die Lucida vor die Lichtschranke. Und siehe da, es wird uns geöffnet. Ein ganzes Geschwader von Schiffen, die sich in der einstündigen Mittagspause hinter uns angesammelt haben, verfolgt uns nun durch den Kanal de Wetering. Ein kurzes Stück de Riete entlang und dann der markierten Fahrrinne folgend, durch das Giethoonse Meer.
In weiter Ferne berührt das hohe Blattwerk der Bäume den blauen Himmel.
Valse Trog, Noorderdiep, Blokzijl, so verläuft der Rest unserer Tagesroute.

In einiger Entfernung kommt der Kirchturm von Blokzijl in Sicht. Es ist noch früh am Nachmittag. Wir wollen rechtzeitig im Hafen sein, um einen guten Anlegeplatz zu bekommen.

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Blokzijl, ein außergewöhnlich hübsches, altes Städtchen und eine außergewöhnliche Situation, die uns dort erwartet.
Zunächst einmal legen wir die Lucida vor der Schleuse fest. Ein großer Ausflugsdampfer mit dem Namen Zwartsluis und vielen Passagieren an Bord hat Vorfahrt.

Auf dem Fußwege erkunden Georg, Andrea und ich die Örtlichkeiten hinter der Schleuse. Wie groß ist die Schleuse und wo geht es dahinter lang? Das „Sluisjekijken“ gehört zur besonderen Attraktion. Schleusengucker sitzen und stehen am Schleusenbecken. Auch wir stellen uns dazu. In der Schleuse befindet sich die Pasadena, eine Charteryacht aus Heerenveen. Die deutsche Crew, bestehend aus sechs Männern, hat gestern Abend mit uns zusammen im Pavillon an der Driewegesluis gesessen.

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Das Schleusenbecken läuft langsam voll. Die Tore drehen sich seitwärts weg und das erste Schiff verlässt die Schleuse.
Und nun meine Herren von der Pasadena sind sie an der Reihe. Aber nichts tut sich. Der Motor springt nicht an. Was jetzt? Zwei Männer gehen von Bord und ziehen das relativ große Boot am dicken Seil aus der Schleuse heraus, auf mehrere im Wasser stehende Anlegepfähle zu, die man nur über einen dünnen Balken balancierend erreichen kann. Bis hierher schauten wir zu.

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Im Hafen sind viele freie Anlegeplätze. So entschließen wir uns zur Lucida zurückzugehen und machen uns bereit für den Schleusenvorgang. Gesagt, getan!
Klappt alles wunderbar. Das Tor öffnet sich, wir fahren hinaus und wer steht mitten im Wasser an einem Anlegebalken und kann nicht mehr zurück an Land (außer schwimmend)?
Richtig, der Skipper der Pasadena! Wie kam er da bloß hin? Egal, klare Ansage von Kapitän Georg: „Den nehmen wir mit“. Die restliche Crew der Pasadena, die fest vertäut am Ufer lag, hätte ihren Kapitän wohl lieber kraulend im Wasser gesehen. Diesen Spaß haben wir ihnen nun verdorben. Dem Schiffbrüchigen selbst ist allerdings die Erleichterung vom Gesicht abzulesen, als wir ihn an Bord nehmen. Er hilft uns sicher im Hafen anzulegen und bedankt sich freundlich beim Kapitän für die Rettung.

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Der Zeiger der Uhr steht kurz vor 14.00 Uhr. Ein „ bisschen schön machen“ und dann ab in dieses mittelalterliche Städtchen!

Logbuch Mittwoch 02.06.2010: Abfahrt Driewegesluis: 9.40 Uhr, Fahrtzeit bis zur Mittagspause: 2 Stunden 40 Minuten, 15 Kilometer
13.00 Uhr Weiterfahrt nach Blokzijl, 50 Minuten, 5 Kilometer, Ankunft im Hafen 13.50 Uhr.


Donnerstag, 03.06.2010

Das haben wir in den letzten vier Jahren noch nicht erlebt! Frühstück an Deck im Hafen de Kolk mit Blick auf die Schleuse und die Hafenpromenade von Blokzijl.

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Noch ist alles ruhig. Nur die Schwalben und die Spatzen turnen auf der Reling. Auch wir lassen uns heute Morgen Zeit. Erst gegen 11.00 Uhr wird der Motor gestartet. Gemächlich schippern wir durch die alte Sturmflutschleuse, die fast immer offen steht, hinaus auf den Vollenhoverkanal Richtung Vollenhove. Mehrere Hausboote liegen am Ufer. Andrea zückt mal wieder den Fotoapparat. Sie war in diesen Tagen nicht nur die Navigatorin, sondern auch die Fotografin hier an Bord. Jeden Abend schauen wir uns die Bilder des Tages auf dem Laptop an und hören dazu den Tagesbericht. Das immer wiederkehrende Abendritual!

Ob die Passadena wirklich wieder nach Hause kommt? Vielleicht erfahren wir es ja irgendwann.

Gestern gab es übrigens keinen Pfannekuchen mehr. Dafür Kibbeling mit Pommes im Fischrestaurant. Anschließend im Schleusencafe „Appelgeback met Slagroom“. Der Skipper der Pasadena und seine Mannschaft (alle aus Duisburg-herzliche Grüße) spendierte eine Runde Bier und Bessengenever auf Eis. Das hat gut getan! Bei den Temperaturen!

Weiße Schwäne stecken ihre Hälse ins Vollenhovermeer auf der Suche nach Beute. Immer der markierten Fahrrinne nach, denn das Meer ist außerhalb der Rinne untief und zum Teil verschilft.

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Von Blokzijl bis Vollenhove sind es mit dem Fahrrad sechs Kilometer. Zu Wasser erreichen wir den Ort nach gut fünf Kilometern und vierzig Minuten.
Vor der Vollenhoverbrücke gibt es noch einmal eine kurze Wartezeit. Der Kapitän greift zum Handy und wählt die angegebene Nummer auf der Hinweistafel. Am anderen Ende registriert der Automat die Meldung und die Brücke tut sich auf.

Nur noch einige hundert Meter trennen uns von der Einfahrt in den Yachthafen Vollenhove, der direkt backbord hinter der Brücke liegt. Hier endet für heute die Fahrt auf dem Wasser. Der Hafenmeister weist der Lucida eine Anlegestelle zu.
Ein sonniger Faulenzertag erwartet uns!

Logbucheintragung: Abfahrt Blokzijl 11.07 Uhr, fünfzig Minuten Fahrtzeit, 5,3 Kilometer.

Freitag, 04.06.2010

Was war das gestern ein schöner Tag! Wir haben nicht nur gefaulenzt. Ein bisschen Kultur gehört auch dazu. Vollenhove ist ein altes Fischerdorf das auf einer Warft entstanden ist. Das bischöfliche Schloß, das 1165 erbaut wurde und die aus dem 15. Jahrhundert stammende Martinikerk sind neben vielen anderen alten Gebäuden unbedingt sehenswert. Ein markierter Rundwanderweg der in unmittelbarer Nähe zum Hafen liegt, führt den Wanderer an diese markanten Sehenswürdigkeiten vorbei. Ebenso kommt man am alten Fischereihafen vorbei, der ringförmig im Jahre 1823 im Wallgraben angelegt wurde. 1972 wurde dieser restauriert und wird seitdem als (Binnen)- Yachthafen genutzt.

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Der davorliegende Buitenhafen, wo auch wir festliegen, wurde als moderner Passantenhafen eingerichtet. Die sanitären Anlagen mit Dusche, WC und Waschmachiene sind sehr sauber und empfehlenswert. (In Blokzijl haben Andrea und ich das Sanitärgebäude nicht gefunden. Wo liegt es versteckt?)

Ja, so gegen 8.40 Uhr begeben wir uns nun auf die letzten Kilometer unserer diesjährigen Bootstour. Schade!
Der Hafenmeister sprach von einer knappen vierstündigen Fahrtzeit bis Urk. Die Lucida muss bis spätestens 16.00 Uhr in ihrem Heimathafen ankommen. Das sollten wir auf jeden Fall schaffen.

Nach zwanzig Minuten stehen wir vor der Voorstersluis. Diese Schleuse ermöglicht die Fahrt in den bis zu sechs Meter unter dem Spiegel des Ijsselmeers liegenden Noordoostpolder. Damit verlassen wir auch die Provinz Overijssel und befahren nun die Provinz Flevoland.

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Noch einmal erwartet uns ein kleines Stück unberührter Natur. Zwischen hohen Bäumen und dichtem Buschwerk schlängelt sich der Zwolse Vaart dahin.

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Hinter der Marknessesluis wandelt sich so langsam das Landschaftsbild. Flache kahle Felder auf denen noch kein Tier grast und kein Halm wächst, bestimmen die Landschaft. Hier und da noch ein Bagger der den Boden bearbeitet und Landarbeiter, die auf einem „Liegewagen“ das Feld bewirtschaften.
Urk kommt immer näher. Da wir keine Wartezeiten an den Schleusen und es kaum Wartezeit vor den Brücken gab, können wir schon um 12.40 Uhr, nach knapp vier Stunden, bei Yachtcharter Urk festmachen

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Das war sie, unsere Bootstour 2010, die uns in diesem Jahr durch drei Provinzen führte. Die nächste Tour ist schon in Planung. Denn wen einmal das „Bootsfieber“ gepackt hat, den lässt es nicht mehr los. Und wie sagte Andrea so schön: „Wer weiß, wie lange wir Drei das noch zusammen machen können!
Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Fangen wir schon einmal damit an!!

Bis zum nächsten Jahr zur Bootstour 2011!!

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