Logbuch 2011

Juni 2011 – Bootstour die Sechste!
Entspannen – Wohlfühlen – Schlafen

Samstag, 11.06.2011

Für eine Woche wechseln wir wieder von der Asphaltstrasse auf die Wasserstrassen von Overijssel und Friesland. Wir starten in diesem Jahr von Zwartsluis mit dem Charterunternehmen „Panorama“ und dem Schiff die „Wolfenjacht 8“.

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Besonders das geräumige Achterdeck mit vier bequemen Stühlen, incl. Auflagen, ein großer runder Tisch und ein mit Teppich ausgelegter Boden, gefallen uns. Das ganze Achterdeck ist überdacht mit einem Cabrio-Verdeck. Da es unter Deck keinen Steuerstand gibt, sind die Küche und die Sitzecke dementsprechend groß.

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Anders als in den vergangenen Jahren konnten wir am Abend vor Beginn der Tour anreisen, in Ruhe einchecken und die Nacht an Bord verbringen. So starten wir ausgeruht und entspannt an diesen sonnigen Samstagmorgen.

Gegen 10.00 Uhr heißt es „Leinen los“. Noch einmal zurück winken und backbord in das Zwarte Water einbiegen. Wir hatten uns vorgenommen, in diesem Jahr ein Teil der Torfroute zu befahren, wovon der Charterbesitzer uns heute Morgen allerdings abgeraten hat. Die Wolfenjacht hat einen Tiefgang von 1,10m und da die Gewässer der Torfroute z. Zt. durch mangelnden Regen weniger Wasser führen, ist eine ausreichende Tiefe nicht immer garantiert. Aber da wir ja flexibel sind, werden wir eine Ersatzroute planen.
Für heute ist das Ziel die Driewegsluis, wo wir uns heute Abend auf ein leckeres Essen im gleichnamigen Restaurant freuen.

Vom Zwarte Water in den Meppelerdiep, unter die Meppelerdiepbrug (5,50m – Achtung, auf den Wasserstand achten). Mit einer Höhe von 4,25m passt die Wolfenjacht wunderbar hindurch. (Auch wenn ich so meine Bedenken hatte) Um kurz vor 11.00 Uhr liegen wir vor der Beukerssluis, Richtung Giethoorn und Steenwijk, deren Ampellicht rot aufleuchtet. Das bedeutet ein wenig Wartezeit.

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So möchte ich mal kurz von Georgs neuer Technik an Bord berichten. Zu dem Laptop mit der entsprechenden Navigation ist ein Smartphon hinzugekommen. Auf meine Frage was es denn mit diesem Teil auf sich hat, antwortete Georg: „Auf diesem Smartphone ist ein Navigationssystem ähnlich wie auf dem Laptop und dient als Test für die Zufunft.“ Eine weitere technische Neuheit ist das Telefonieren mit Skype . Vereinfacht ausgedrückt: Das Sprechen über Laptop in Bild und Ton.

Das Schleusentor öffnet sich. Das Passagierschiff „Giethoorn“, gefolgt von drei weiteren Booten, verlässt die Kammer. Die Einfahrt wird mit einem grünen Licht freigegeben . Langsame Fahrt voraus. Der Schleusenmeister winkt, dass auch wir noch in das Becken einfahren sollen. Er muss es ja wissen! Begeben wir uns mal vertrauensvoll in die Hand des Schleusenwärters!
Insgesamt liegen neun! Schiffe, gehalten über die Taue, in diesem kleinen Becken. Das erinnert uns an das „Schleusenstopfen“ von Blokzijl im letzten Jahr. Nach knapp zehn Minuten abwärts öffnet sich das Ausfahrtstor. Der Schleusensteward hat jedem Bootsführer eine Flagge der Provinz Overijssel, eine Wasserkarte und ein Rückmeldepostkarte (was war gut/schlecht) in die Hand gegeben.

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Der Kapitän nimmt das Geschenk dankend entgegen und entschließt sich spontan, zu Hause an seiner Gartenhütte, einen Fahnenmast zu errichten. Grund genug um jedes Jahr ein Fahnen-Hüttenfest zu feiern. Lassen wir uns mal überraschen!

Beukersgracht – Belter Wijde – kleine Segeljollen tanzen auf den Wellen.
Auch wenn wir gestern Abend schon unseren Begrüßungssekt getrunken haben, so hält uns jetzt nichts davon ab, erneut mit einem kleinen Gläschen Sekt auf eine gute Woche anzustoßen (Danke für den Sekt an Heidi und Klaus)
Prosit!

Beim Wechseln von der Belter Wijde in die Beulaker Wijde durchfahren wir eine bewegliche Brücke. Dahinter gabelt sich die Wasserstrasse backbord Richtung Blokzijl und steuerbord Richtung Giethoorn und Steenwijk, unsere nächsten Ziele.

Vor Giethoorn, auch das kleine Venedig von Holland genannt, machen wir 90 Minuten Mittagspause um dann gegen 14.00 Uhr mit der Durchfahrt der Giethoorner Zuidbrug diesen Ort wieder zu verlassen. Eigentlich schade! Mit der Wolfenjacht ist es nicht möglich die romantischen Grachten der Stadt zu befahren. Dazu hätten wir in ein kleineres Boot umsteigen müssen.

So bewegen wir uns weiter Richtung Steenwijk. Eine Wohngegend der nobleren Art gibt es an der Steuerbordseite zu bewundern.
Eine automatisch gesteuert Hebebrücke hindert uns einen Moment an der Weiterfahrt.

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Die dann folgende Heerenbrug ist mit 6,5m kein Hindernis. Wir lassen sie hinter uns um 14.45 Uhr bei einer Tasse Kaffe mit Gebäck. Den Passantenhafen Steenwijk rechts von uns, biegen wir backbord in den Steenwijk-Ossenzijl-Kanaal ein. Weite Kartoffel-Mais- und Wiesenfelder säumen das Ufer auf beiden Seiten.
Kurz vor der Mentlebrug, eine von vier automatisch gesteuerten Brücken auf dieser Strecke, bittet uns eine Segelbootcrew um Hilfe. Wir sollen sie bis Ossenzijl ins Schlepptau nehmen. Das muss der Kapitän leider ablehnen, da uns das nicht erlaubt ist.

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In diesem Moment prasselt eine heftige Schauer, begleitet von Blitz und Donner, auf uns herab. Schnell die Rückwand des Cabrioverdecks schließen, um dann mit einem „rundherum Blick“ dem Weltuntergang zuzusehen.

Na ja, ganz so schlimm ist es nicht. Aber die Idee des Kapitäns jetzt und hier an einem Marrekrite-Platz anzulegen ist vollkommen absurd und natürlich auch gar nicht ernst gemeint!

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Mit der Durchfahrt der Brücke in Ossenzijl verlassen wir die Provinz Noord-Overijssel und befahren nun die Gewässer der Provinz Friesland. Das kleine Fahrwasser der Linde führt uns direkt zu unserem heutigen Ziel, der Driewegsluis.

Genau um 17.00 Uhr liegen wir hinter der Homansluis nach 37 km und 5 ½ Stunden reiner Fahrtzeit an.

Genaue Daten des Laptops:
Abfahrt Zwartsluis 09.53Uhr – 2Std. 18 Min. – 12 km Mittagspause
Weiterfahrt: 13.42Uhr – 3Std. 12 Min. – 25 km Driewegsluis

Sonntag, 12. Juni 2011

Einen guten Morgen und einen schönen Pfingstsonntag!
Zur gewohnten Morgenstunde (10.00 Uhr) legt die Wolfenjacht ab. Nach einigen Überlegungen soll das alte Fischerdorf Heeg heute unser Ziel sein.

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Zunächst einmal geht die Reise langsam dem Jonkers of Heloma entlang. Es sind nur wenige Boote unterwegs. Ich lehne mich zurück in meinem Stuhl, lege die Füße über die Reling und spüre das sanfte Schaukeln des Schiffes. Ein gutes halbes Stündchen tuckern wir nun auf dem geraden Flüsschen, bevor wir den Hinweisschildern Echtenerbrug und Tjeukemeer folgen.

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So langsam nimmt der Schiffsverkehr zu. In der Ferne erkennt man die Brücke von Echtenerbrug. Hier müssen wir gleich das erste Mal Klompengeld bezahlen.
Andrea reicht mir schon einmal 2,-Euro. Die weißen Yachten vom Charterunternehmen Turfskip liegen fein aufgereiht an der Kaimauer. Die Libra, unser erstes Charterboot vor sechs Jahren, ist auch dabei.

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Inzwischen stehen wir mit drei weiteren Schiffen in der Warteschlange vor der Pier Christianbrug. In den Straßencafes, in unmittelbarer Nähe zum Wasser, sitzen die Touristen bei einer Tasse Kaffe und schauen dem Manövrieren der Kapitäne zu.

Ich ziehe den Reißverschluss meiner Jacke ein wenig höher. Der Schiffsführer gibt Gas. Hier auf dem Tjeukemeer bläst uns ein kräftiger Wind um die Ohren.
Kurz vor Follega, eine der Ausfahrten aus dem Tjeukemeer, begegnet uns die Sybrigje, auf der wir zwei Mal gefahren sind.

Zirka 11.30 Uhr lassen wir die Brücke von Follega hinter uns. Vor uns liegt eine gemütliche Fahrt über den Follegeasleat, dann Riensleat bis Sloten. Ich lege das Reisetagebuch zur Seite und sehe den vorbeischwimmenden Yachten nach.

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12.15 Uhr, wir stehen vor der Brücke in Sloten. Vorbei mit der Ruhe! Hohes Verkehrsaufkommen nennt man so etwas wohl. Ein Stau hat sich vor der Brücke gebildet und keine Ausweichmöglichkeit. Kapitän Georg versucht die Wolfenjacht ruhig auf der Stelle zu halten. Bei diesem Wind ist das schon eine Kunst (die Wolfenjacht hat nur ein Bugstrahlruder).

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Dann öffnet sich die Brücke. Aber was ist das? Nachdem ein ganzer Konvoi Schiffe der gegenüberliegenden Seite an uns vorbei ist, schließt sich die Brücke wieder. Das darf doch nicht wahr sein!
Es dauert noch einmal gefühlte 10 Minuten bis der Brückenwärter Erbarmen hat und die Ampel auf grün schaltet. Die Wartenden vor uns setzen sich in Bewegung. Die Wolfenjacht gleitet als letztes Boot durch die Brücke. Dann zeigt die Ampel schon wieder rot. Pech für die nachfolgende Flotte. Ein Rückstau, direkt in der Kurve hinter der Brücke, zwingt den Kapitän erneut den Motor zu stoppen. Ja, wo wollen die denn hin??

Leider ist kein Anlegeplatz in Sloten frei für einen kurzen Mittagsimbiss. So geht es weiter ins Sloatermeer.

Keine Pommes in Sloten, da das Anlegen verboten
Dafür Appelgebäck in Heeg, ist das nicht schräg?

13.10 Uhr: an der Mühle von Woudsend gibt es ein ähnliches Szenario wie in Sloten. Eine lange Warteschlange vor der Brücke. Viele Schaulustige sitzen in den Cafes direkt vor der Brücke. Hier gibt es was zu sehen!
Das ist aber auch ein „Gebrasel“ hier! Das laute Geräusch des Bugstrahlruders bringt die Wolfenjacht immer wieder auf Kurs.
Jetzt auf einem kleinen Kahn sitzen, den Kopf einziehen, und einfach unter den winzigen Brückendurchgang rechts neben der Brücke fahren. Das nutzen viele kleine Jollen, die backbord an uns vorbei fahren.

Geduld und starke Nerven sind angesagt.
Wir kommen dem vor uns wartendem Schiff bedrohlich näher. Eine kleine Segeljacht sitzt fast bei uns auf dem Achterdeck. Ich verdrücke mich nach vorne und versuche einen gelassenen Eindruck zu machen. Aber nur äußerlich.
Andrea versucht gerade unser Gefährt mit dem Haken von Land abzustoßen, dem wir sehr nahe gekommen sind. Aber der blöde Haken schiebt sich zusammen. Gelassenheit Andrea! Leichter gesagt als getan.

Nach einer kleinen Ewigkeit schließen die Straßenschranken mit einem schrillen Gebimmel und noch eine kleine Ewigkeit später öffnet sich endlich die Brücke.
Der Gegenverkehr hat Vorfahrt.
Die Äste der Trauerweide, die am Rand des Ufers steht, hängen mir schon ins Gesicht. Das Boot vor uns muss nach backbord ausweichen und sich hinter uns wieder einreihen.
Ruhe bewahren. Gleich gibt es freie Fahrt. Und siehe da, die Ampel springt von rot auf rot-grün. Der Kapitän steuert die Wolfenjacht als erstes unter die Brücke.
Mehrere Male durchatmen! Heeg erwartet uns!

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Kein Appelgeback in Heeg,
dafür Abendessen in Sneek!

Im Passantenhafen von Heeg gibt es keine freie Anlegestelle. Was jetzt? Alles was in Holland schwimmen kann, befindet sich auf dem Wasser. Bloß raus hier aus dem Getümmel.

Aber wohin? Navigator (Andrea) und Kapitän beraten sich. Zunächst in den Johan Frisokanaal und dann dem Prinses-Margriet-Kanaal nach Norden folgen.
14.15 Uhr. Ich lege mich mit der Auflage und einem Buch unterm Arm (Titel: Jesus liebt mich, unbedingt zu empfehlen) auf das Vorderdeck. Die Sonne lässt grüßen.

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14.50 Uhr: nach fast fünfstündiger (Irr)fahrt auf dem Wasser (der arme Kapitän)
machen wir an einem kleinen Inselsteg mitten im Meer, in der Nähe von It’Nau, fest.

Das Abendessen fällt aus in Sneek,
weil nichts mehr geht. Ende!

Daten vom Laptop:
Abfahrt Driewegsluis 9.52 Uhr – 5 Stunden non Stopp – 42 km

Pfingstmontag, 13.06.2011

Es regnet. Die Wellen klatschen gegen den Schiffsrumpf. Der Wind heult. Drei gute Gründe einfach in der Koje liegenzubleiben. Doch der Duft von frischem Kaffe erreicht meine Nase. Georg und Andrea haben den Frühstückstisch gedeckt. Also raus aus der Koje und ausgiebig frühstücken.

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Der Kapitän wird gegen 10.00 Uhr ganz unruhig. Die Technik wird aufgebaut. Die vorläufige Route festgelegt. Mehrfach fordert er uns auf: „So, Mädels, kommt wir legen ab. C & A wartet auf euch in Sneek.“ Doch damit kann er uns nicht hinterm Tisch hervorlocken. Andrea muss erst noch das Kapitel ihres Buches zu Ende lesen. Ich ziehe mir schon einmal die Schuhe an, ein langärmeliges T-Shirt mit Kapuze und die Regenjacke.

Ablegemanöver beendet. So kalt und windig wie es von unten aussah, ist es an Deck nicht.
Ein kurzes Stück den Prinses-Margriet-Kanaal, dann Westerbregesleat, Modderigge Geau, backbord in den Houkesleat. Es wird Zeit, dass wir nach einer Fäkalienabsaugpumpe Ausschau halten. (Obwohl wir uns doch gestern Abend mit Brot und Frikadellen begnügen mussten) In Sneek wird es sicher einige davon geben.

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Ablegemanöver beendet. So kalt und windig wie es von unten aussah, ist es an Deck nicht.
Ein kurzes Stück den Prinses-Margriet-Kanaal, dann Westerbregesleat, Modderigge Geau, backbord in den Houkesleat. Es wird Zeit, dass wir nach einer Fäkalienabsaugpumpe Ausschau halten. (Obwohl wir uns doch gestern Abend mit Brot und Frikadellen begnügen mussten) In Sneek wird es sicher einige davon geben.

„Welcome in Sneek,“ so werden wir um 11.15 Uhr von der Leuchttafel begrüßt. Auf dem Houkesleat, einige hundert Meter hinter dem Aquadukt werden wir auf der Backbordseite fündig. Ein „Drinkwatertappunt und eine Inname Veulwater“ Station sind hier eingerichtet. Ein kleines Wendemanöver und anlegen an der Steuerbordseite, wo sich die Öffnung des Vuilwatertanks befindet. Das Absaugen funktioniert einwandfrei und ist kostenlos. Kostenfplichtig sind die 100L Frischwasser (50Cent), die wir auftanken. Nach zehn Minuten legen wir wieder ab und bewegen uns auf Sneek zu. An der Kaimauer, direkt hinter der Oppenhuizerbrug, machen wir fest.

Die Daten vom Laptop
Abfahrt It Nau 10.20 Uhr – 2 Std. – 10 km Ziel Sneek

Schade, in Sneek sind alle Einkaufsläden geschlossen. Dafür findet ein Radrennen mitten durch Sneek statt. Hunderte Zuschauer die den Radfahrern applaudieren und mehrere Live-Bands an den Straßenrändern.

Wie wir später erfahren, findet an jedem Pfingstmontag, mit wenigen Unterbrechungen seit 1912, die friesische Elf-Städte-Tour auf Zweirädern statt. Teilnehmen dürfen mehrere Zweiradversionen. Das heißt, außer den Rennrädern sehen wir auch Liegeräder, Tandems und Hollandräder auf denen die Fahrer mit teils originellen Kostümen in die Pedalen treten.

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13 000 Teilnehmer sind heute Morgen um 5.56 Uhr, in Gruppen von 625 Personen, in Bolsward gestartet. 240 km die sie in Form einer Acht fahren, müssen zurückgelegt werden. In jeder der elf Städte – Bolsward, Harlingen, Franeker, Dokkum, Leuwarden – Bolsward, Sneek, Ijlst, Sloten, Stavoren, Hindelopen, Workum, Bolsward – bekommen sie einen Kontrollstempel in ihre Karte. 12 093 erreichten das Ziel, der Letzte abends um 23.30 Uhr.

Hier lautet das Motto: Dabei sein und Spaß haben!

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Wir schließen unseren Stadtrundgang mit einer typisch holländischen Fastfood-Mahlzeit (Frikandel spezial mit Pommes und Mayo) ab, nachdem wir den Musikkapellen einige Zeit zugehört und uns das große Spektakel angesehen haben. Ein schöner ruhiger Spieleabend auf der Wolfenjacht erwartet uns.

Dienstag, 14.06.2011

Später als in den letzten Tagen machen wir die Leinen los. Ganz gemütlich frühstücken. Andrea hat Brötchen geholt, Georg hat Eier gekocht. Wir haben Urlaub.

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Die Sonne scheint, so dass die zweite Tasse Kaffe oben an Deck getrunken wird. Wir schauen dem Heben und Senken der Brücke zu und sehen den vorbeifahrenden Schiffen nach.
Andrea und ich erledigen einige Einkäufe im nahegelegenen Supermarkt, während der Kapitän die heutige Tour festlegt. Wir haben uns entschlossen wieder gen Süden zu fahren. Das heißt, wir verlassen um 11.20 Uhr, nach vorheriger Maschinenkontrolle, die Stadt Sneek durch die Lemmerbrug mit dem ersten Ziel, die Stadt Ijlst.

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Das ging aber schnell! Nach knapp 20 Minuten erreichen wir Ijlst. Am Rande des Städtchens fallen die wunderschönen freistehenden Klinkerbauten ins Auge. Sattgrüne Rasenflächen bis ans Wasser reichend. Herrlich blühende Rosenbüsche. Ein Haus, nach dem Vorbild einer spanischen Finca gebaut und einer weißen Segeljacht in der Garagenbox, sticht besonders hervor. Reichtum für Wenige.

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Doch die Schönheit der Natur für Alle! Wohlfühlen, entspannen, genießen!
Da der Zeiger der Uhr auf 12.00 Uhr steht, halten wir nun Mittagspause an einem stillen Marrekrite-Platz in einer Nische des Flusses Wijde Wimerts.
Das Mittagessen fällt aus, dafür tanken wir Sonne pur auf dem Vorderdeck.

Um 13.30 Uhr wird der Motor angelassen und kurze Zeit später stehen wir vor der Brücke Osingahuizen, direkt an der Schiffswerft. Die Brücke ist geschlossen und auf der Digitalanzeige ist in großen Buchstaben zu lesen: BUS.
Es dauert eine Weile, bis der Bus die Brücke überquert hat. Sofort danach hebt sich die Brücke und es geht volle Kraft voraus auf den Johan-Frisokanaal.
Es ist ruhig auf dem Wasser, kein Vergleich zu gestern. So lasse ich mir das gefallen, die Sonne von oben, wenig Wind und angenehme Temperaturen.

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Am Ufer des Skarster Rijn liegt der Wolf beim Lamm und das Kind vor dem Schlupfloch der Natter. Dieses Bild aus der Bibel fällt mir ein, wenn ich die Schafe, Enten, Gänse und Fischreiher friedlich nebeneinander schlafend am Uferrand liegen sehe.

Es ist 15.10 Uhr vor der Scharsterrijnbrug. Die A6 verläuft über diese Brücke. Entspannt und gut gelaunt schlürfen wir den Capuccino während der langsamen Fahrt.

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Doch dann mit voller Kraft und fliegenden Fendern über das Tjeukemeer. Um 16.15 Uhr ist nach unserer Information Pause an der Brücke von Echtenerbrug. Da bleiben noch 13 Minuten. Das wird knapp.
Oder auch nicht! Denn so wie es aussieht, hält der Brückenwärter die Pause nicht ein. Uns soll es recht sein.

Kapitän Georg (trägt übrigens ein blaues T-Shirt mit Captain- Aufdruck) verkündet uns gerade, dass er nun durchfährt bis zum Endziel, die Driewegsluis. Das Wetter ist herrlich und im Moment gibt es nichts Schöneres, als uns dem monotonen Geräusch des Motors und des Wellenplätscherns hinzugeben.

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Wir legen um 17.40 Uhr im neuen Yachthafen der Driewegsluis, mit Blick auf die Homansluis, an. Letzte Handgriffe, wie das Stromkabel anschließen und die Bootsleiter einhängen, beenden diesen langen schönen Bootstourtag. Das Abendessen holen wir uns an Bord, dazu eine gute Flasche Wein und einen malerischen Sonnenuntergang. Bis morgen zur gewohnten Stunde.

Daten vom Laptop
Abfahrt Sneek 11.20 Uhr – 1 ¼ Stunde – 15 km Mittagspause
Weiterfahrt Wijde Wimmerts 13.20 Uhr – 4 ¼ Stunde – 38 km Driewegsluis

Mittwoch, 15.06.2011

Der heutige Morgen beginnt aktiv mit dem duschen vor dem Frühstück. Gegen 10.00 Uhr haben wir bereits einmal ab- und wieder angelegt. Abgelegt vom neuen Passantenhafen der Driewegsluis und angelegt einmal um die Ecke, um Wasser aufzutanken und Fäkalien abzupumpen. Das Abpumpen kostet 50 Cent.

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10.35 Uhr: In diesem Moment verlassen wir die Provinz Friesland mit der Durchfahrt der Ossenzijlbrug. Von jetzt an befahren wir wieder die Gewässer der Provinz Overijssel. Fraglos das Schönste Fleckchen Erde, dass diese Provinz zu bieten hat, ist die Kalenberger Gracht, die sich durch den Naturpark de Werribben schlängelt. Es ist ein besonderer Ort und eine besondere Wasserstrasse die im letzten Jahr schon alle unsere Sinne angeregt hat. (s. Fotos)

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Der Ort Kalenberg mit den schmucken Häusern, die direkt am Wasser stehen, scheint wie ausgestorben. Kilometer für Kilometer gleitet die Wolfenjacht durch dieses kleine Paradies für Mensch und Tier.

Das Giethoornse Meer erreichen wir um 12.15 Uhr. Riesige Seerosenfelder ragen weit ins Meer hinein. Vor der Schleuse des historischen Städtchens Blokzijl liegen wir um 12.40 Uhr an einem Anlegesteg fest. Die „Jan Plezier“, eine Miniaturausgabe des Traumschiffes, mit vielen Touristen an Bord, schleicht an uns vorbei in die Schleusenkammer.

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In Blokzijl ist es für die Landtouristen eine Attraktion, dem Schleusenvorgang zuzusehen. Bei der wirklich Zentimetergenauen Einfahrt in das Becken stehen oder sitzen die Menschen direkt an der Schleusenwand und schauen zu, wie die Schleuse „gestopft“ wird.

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Es ist mir ein Rätsel, wie der Schleusenmeister es schafft, in jedem Sommer mehr als 20 000 Boote zu schleusen.
Im Hafen de Kolk, unmittelbar hinter der Schleuse, bekommen wir einen wunderschönen Liegeplatz mit Blick auf das gesamte alte Stadtbild.

Jetzt beginnt eine anstrengende Landtour. Auf dem Programm stehen Pannekoeken eeten, stilvoll am Hafen, im Restaurant „Prins Mauritius“, Softijs, Koffie en Appeltaart im Cafe Sluiszicht, unmittelbar an der Schleusenwand.

Abends werden wir dann auf Karin´s Geburtstag mit einem Gläschen Wein anstoßen
Bis zum morgigen Tag verabschiedet sich die Crew der Wolfenjacht.

Daten vom Laptop
Abfahrt Driewegsluis 9.40 Uhr – 4Std.25Min.- 25 km bis Blokzijl

Donnerstag, 16.06.2011

Wie sieht unsere Planung für heute aus? Der erste Gedanke, dem nur 6km entfernten Vollenhove einen Besuch abzustatten, wird wieder verworfen. Es regnet und der Himmel zeigt sich rundherum grau in grau. Wie wäre es mit Meppel? Eine uns noch unbekannte Stadt in ca. 30 km Entfernung. Das hört sich gut an. Vielleicht hat es bis dahin auch aufgehört zu regnen.

Hier also die Route:
Blokzijl – Vollenhove Kanaal – Kadoelermeer – Zwarte Meer – Zwarte Water – Zwartsluis – Meppelerdiep – Meppel in der Provinz Drenthe.

10.50 Uhr, der Regen hat etwas nachgelassen. Nach dem Kommando „Leinen los“, steuert der Kapitän die Wolfenjacht im Rückwärtsgang aus der Parkbox.
Durch die alte Sturmflutschleuse die Stadt verlassend, werfen wir noch einen letzten Blick zurück.

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11.15 Uhr, mit einer Telefonnummer, die auf der Seitentafel am Ufer steht, meldet der Bootsführer uns vor der geschlossenen Vollenhoverbrug an. Nach wenigen Augenblicken geht es weiter. Vorbei am Passantenhafen in Vollenhove.

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45 Minuten später erreichen wir die Kardolerbrege. Von hier aus starten Exkursionen zur Vogelinsel, die mitten im Zwarte Meer liegt, auf dem wir uns gerade befinden. Immer streng der Betonnung nach, weil das Meer viele Untiefen hat. Grasbüschel auf kleinen grünen Hügeln, ragen neben der Fahrrinne aus dem Wasser heraus. Ein Garten Eden für jedes Feder- und Wassertier.

Pas op! Eine, von einem Kabel gezogene Fähre kreuzt unseren Weg. Das Kabel ist deutlich über der Wasseroberfläche zu erkennen, wenn die Fähre, so wie jetzt, mitten auf dem Fluss fährt. Der Kapitän verlangsamt die Fahrt und wartet, bis das Kabel wieder untergeht.

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Um 12.40 Uhr schippern wir vorbei am Yachtcharter Panorama in Zwartsluis, dem Heimathafen der Wolfenjacht. Nach ein paar hundert Metern backbord unter die 5,50 m hohe Meppelerdiepbrug und dann immer dem Meppelerdiep folgend bis Meppel. Dieser Fluss ist ungefähr 11km lang und hat einen Tiefgang von 2,3m. So wird er auch häufig von der Berufsschifffahrt genutzt die in Richtung Hoogeveen-Coeveorden-Almeloo- und Zutphen fahren.

Um 14.10 Uhr befinden wir uns vor der Meppelersluis. Da es vor der Schleuse keine freien Liegeplätze mehr gibt, entscheiden wir uns für den Schleusenvorgang.
Der Schleusenmeister eilt aus dem Häuschen und möchte von uns wissen, ob wir heute in Meppel bleiben. Da wir diese Frage bejahen, läuft er zurück und öffnet das Schleusentor und die unmittelbar davorliegende Brücke (Höhe 2,2m) Eine kleine Kammer mit den Maßen 40m x 5,8m liegt vor uns.

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Kurz hinter der Schleuse, im Binnenhafen, vertäuen wir die Wolfenjacht, verbunden mit einem wortreichen Dialog, wo welches Seil, an welchem Ring, durchgezogen wird. Irgendwie passt das heute nicht!!

Die „Wassersportstadt Meppel“ ist eine robust historische Kleinstadt. Im Sommer, leider für uns noch nicht zutreffend, findet jeden Donnerstag ein folkloristischer Jahrmarkt mit Straßentheater und Orgelkonzerten statt.

Da wir nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt liegen, machen wir uns nun zu Fuß auf den Weg. Relativ schnell erreichen wir die Fußgängerzonen mit den modernen Boutiquen und vielen weiteren Einkaufsmöglichkeiten. Ein großer Marktplatz umrahmt von einer Kirche, Eetcafes und urigen Kneipen gehören zum Stadtbild. Laufen macht hungrig. Und so kommen wir endlich zum „Fischessen“.

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Nachdem wir unseren Capuccino an Bord der Wolfenjacht eingenommen haben, müssen Andrea und ich noch einmal zurück ins Städtchen. Mit einem Kapitän der ungeduldig wartend vor dem Geschäft steht, lässt sich so gar nicht gemütlich bummeln. Leider schließen alle Geschäfte bereits um 18.00 Uhr. Schade, schade!!

Freitag, 17.06.2011

Heimkehrtag!
Wir machen uns um 9.40 Uhr auf den Rückweg nach Zwartsluis. In der Schleuse berechnet und kassiert der Schleusenmeister das Liegegeld anhand eines Zettels, den er uns gestern beim Ankommen mitgegeben hat.

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Auf der Rückfahrt können wir noch einmal das Storchenpaar mit ihrem Nachwuchs, hoch im Storchennest über den Feldern und Wiesen, beobachten.
Ein Kormoran trocknet sein Gefieder mit weit ausgebreiteten Flügeln auf einem Weidenpfahl. Letzte Eindrücke einer ruhigen und abwechslungsreichen Bootswoche durch die Provinzen Overijssel, Friesland und Drenthe.

Nach gut einer Stunde und zwanzig Minuten müssen wir uns verabschieden von der Wolfenjacht und Herrn Hagemann, vom Yachtcharter Panorama. Danke für eine Woche Erholung und Entspannung auf ihrem Schiff.

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Einen lieben Gruß an alle, die wieder mit Interesse an unserer Tour, diesen Bericht lesen.
Georg, Andrea und Christa

P.S.
Im nächsten Jahr möchten wir in Deutschland, wir dachten so an Berlin und Umgebung, eine Woche auf dem Wasser verbringen. Wer uns dazu Tipps geben kann, darf das gerne tun. Wir freuen uns über jede Anregung.

Bis bald!

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