Logbuch 2012

Fremde Gewässer erleben und entdecken – Von Werder nach Waren

Wo bitte liegt Werder?
Nun, auf der Landkarte ist Werder in der Nähe von Potsdam zu finden.
Das heißt, wir haben in diesem Jahr eine etwas längere Anfahrt bis zum Charterunternehmen.

Samstag, 12. Mai 2012
Gestartet wird um 7.15 Uhr ab Emmelsum. Mit einer kleinen P-Pause erreichen wir gegen 13.00 Uhr Werder. Georg hat während der Fahrt ein wenig gelitten – nicht wegen Andrea und mir – nein, all die schwarz-gelben Fans die Richtung Berlin unterwegs sind, um das Pokalfinale Bayern-München gegen Dortmund zu sehen. Die Farben blau und weiß hätten ihm da besser gefallen. Aber das sei nur so am Rande erwähnt!

Ganz anders als auf der Fahrt nach Friesland haben wir bis zum Charterpoint Werder kein einziges Gewässer gesehen. Nur Wald und bergiges Land. Das lässt vielleicht schon erahnen, wie versteckt die Seen und Flüsse liegen.

bootstour-2012-006Da wir ja in Deutschland sind, ist die Einweisung besonders gründlich. Der Bootsführerschein und der Personalausweis werden kopiert, erst dann werden dem Kapitän die Schiffspapiere der „La Onda“ ausgehändigt. Die freundliche junge Dame des Unternehmens, Frau Giesecke, erzählt von den aktuellen Ereignissen der vergangenen Wochen. Sehr amüsant!

Wie Georg schon in seinem Vorwort geschrieben hat, ist die „La Onda“ ein sehr geräumiges und komfortables Schiff. Zwei große Schlafkabinen, zwei Toiletten, zwei Duschkabinen! Sauber und fast schon exklusiv eingerichtet. Keine manuelle Toilettenpumpe mehr – alles funktioniert auf Knopfdruck. Ja, welch ein Luxus!

Auf geht´s.
Das Kommando, Leinen los, ertönt! Hinaus ins Unbekannte. Wir sind guter Stimmung und freuen uns auf die vor uns liegende Woche!

bootstour-2012-01315.45 Uhr ist es, als wir den Hafen von Werder verlassen. Georg hat wie immer die Route für jeden Tag ausgearbeitet. Aber wir sind flexibel und die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass es durchaus mal anders kommen kann, als geplant. Natürlich ist auch der Laptop mit der entsprechenden Wasserkarte oben an Deck installiert. Und wenn alle Stricke reißen, ist auf Andrea mit der Wasserkarte in der Hand immer noch Verlass.

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Zunächst geht die Reise über den Schwielowsee auf Caputh zusteuernd. Hier wartet Einsteins Sommerhaus auf einen Besuch. Vielleicht beim nächsten Mal! Eine Seilfähre überquert gerade die Wasserstraße. Es sind nur wenige Skipper unterwegs. Aber eines fällt uns sofort auf: anders als in Friesland, grüßt bisher kein Bootsführer den Anderen. Na denn, wir heben die Hand und winken auf jeden Fall.

Ein böiger frischer Wind fegt über den Templiner See, der eingerahmt wird von einer Waldlandschaft. Wir nähern uns der Schlösserstadt Potsdam. Eine Fülle von Ankerplätzen am Rande des Sees sind erkennbar. Für uns „alte Seehasen“ ist das Ankern etwas Neues. Bisher lagen wir immer fest vertäut an einem Marrekriteplatz oder in einem Hafen. Und dort wollen wir auch hin. In den Yachthafen von Potsdam. Dazu nimmt Georg telefonisch Kontakt mit dem Hafenmeister auf (selbst die Telefonnummern aller Häfen die wir anfahren wollen, hat Georg aufgeschrieben, ist das nicht toll). Der bestätigt, dass noch reichlich freie Anlegeplätze im Hafen vorhanden sind. Am Außensteg des Yachthafens legt die „La Onda“ ohne Probleme um 17.10 Uhr an. Kompliment an die Mannschaft!

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Feierabend gibt es aber noch nicht, Bildung steht auf dem Programm. Zuvor wird das finanzielle im Hafenmeisterbüro erledigt. Die Gebühr für den Schiffsliegeplatz und die Gebühr für die Personen werden bezahlt. Mit einem Stadtplan und Tipps von der netten Bürofrau starten wir unsere Entdeckungstour.

In nur fünfzehn Gehminuten ist der berühmte Schlosspark Sanssouci erreicht. Das römische Bad, das in der Sonne glitzernde goldene Teehaus, die in sechs Stufen angelegten Gärten und das Schloss selbst, das über eine große Treppe seinen Zugang hat, hinterlassen auf uns bleibende Eindrücke. Einfach nur schön!

Zahlreiche Veranstaltungen laden in diesem Jahr zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen, der hier gelebt und geherrscht hat, ein.

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Nach dem Verlassen des Schlossgartens und weiteren fünf Gehminuten befinden wir uns am Brandenburger Tor von Potsdam. Die Füße tun weh, der Rücken schmerzt und der Magen knurrt. Nach soviel Kultur erlauben wir uns königlich zu speisen. In einem Fischrestaurant direkt neben dem Brandenburger Tor, kehren wir ein. Eine wahre Gaumenfreude ist das gebratene Zanderfilet mit Petersilienkartoffeln und Beelitzer Spargel. Dazu einen trockenen Weißwein. Die Küche bekommt von uns fünf Sterne! Wirklich empfehlenswert.
Diesen ersten Tag, mit seinen vielen neuen Eindrücken, lassen wir gemütlich mit einem Glas Sekt an Bord der „La Onda“ ausklingen.
Angenehme Nachtruhe!

Sonntag, 13. Mai 2012

Es ist 9.30 Uhr, als Schiff und Mannschaft den Yachthafen Potsdam verlassen. Das Ziel heißt Oranienburg.

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Obwohl es doch noch recht früh ist, stehen viele Menschen in der Warteschlange am Anleger, um ihren Sonntagsausflug auf einem Ausflugsdampfer zu verbringen, die hier auf den umliegenden Seen ihre Rundfahrten machen. Das Baden im Wannsee fällt heute allerdings aus und die Badehose kann im Koffer bleiben. Bei 8 Grad Celsius ist das nur was für ganz Mutige!

Eine von vielen Anlegemöglichkeiten bietet die Marina am Tiefen See. Direkt neben dem Hans-Otto-Theater, dass wir gerade backbord vorbei ziehen lassen.

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Die berühmte Glienicker Brücke liegt vor uns. Einst ein Symbol der Trennung zwischen Ost und West. Hier fand, laut Literatur, ein reger Austausch von Agenten statt. Ich stell mir das gerade vor: Männer mit langen Mänteln und Hut auf dem Kopf steigen aus einem Auto und laufen aufeinander zu! James Bond lässt grüßen!

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Wie Perlen an einer Kette reihen sich die Seen nun aneinander. Gestern vom Schwielowsee in den Templiner See, dann Tiefer See und jetzt weiter auf dem Jungfernsee, vorbei an der Pfaueninsel. Ein weißes zwei-türmiges Gebäude, von hohen Bäumen umringt, ist schon von Weitem zu sehen.
Kleine Schwalben segeln knapp über die Wasseroberfläche. Der Cormoran jagt dem Fischreiher hinterher. Langsam geht es weiter vom Kaldower See über die Potsdamer Havel.

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Die Ausläufer des Grunewaldes begrenzen das Ufer auf der Steuerbordseite. Der Grunewaldturm ragt mit seiner Spitze über die Baumwipfel hinaus.
Einige Segeljollen mit aufgeblähtem weißem Tuch gleiten an uns vorüber.
Der grüne Pfeil bewegt sich stetig auf der Wasserkarte des Laptopbildschirmes weiter. So wissen wir immer genau an welcher Stelle des Sees wir uns befinden.
Die Freybrücke, vom äußeren Erscheinungsbild alt und rostig, aber hoch genug, lassen wir um 11.00 Uhr hinter uns.
Berlin-Spandau kündigt sich mit großen Gebäuden entlang des Havelkanals an. Die Spandauer Schleuse hat ihre Tore einladend offen stehen, sodass wir sofort einfahren können. Der Schleusenvorgang dauert ca. zehn Minuten.

bootstour-2012-082Immer wieder begegnen uns größere Ausflugsschiffe. Unzählige kleine Boote liegen am Ufer fest. Noch 18 Wasserkilometer bis Oranienburg. Zurzeit befinden wir uns im Niederneuendorfer See. Eine grüne Idylle umgibt den See. Ab Henningsdorf verändert sich allmählich das Landschaftsbild. Die Havel ist kanalisiert und verengt sich. Die Ufer sind aber naturbelassen. Hohe Bäume mit ihren dichten sattgrünen Blättern säumen von nun an den Oder-Havel-Kanal und werfen ihre Schatten auf die Wasserstraße.

Die Verbindung der Havel mit der Oder wurde erst im 16.Jahrhundert mit Erfindung der Kammerschleuse möglich. Der Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg erteilte 1603 die Anweisung, einen Kanal von der Havel zur Oder zu graben. Nach (nur) 15 Jahren war der erste Schifffahrtskanal mit elf Schleusen zur Oder fertig. Bootreisen bildet!

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Aber jetzt fragen wir und allen Ernstes, sind wir hier noch richtig? Der Pfeil sagt ja, unser Verstand zweifelt. Kein Schiff vor uns, kein Schiff hinter uns. Backbord voraus ein altes weißes Gemäuer. Wir kommen uns vor wie im Schoßgraben um Haus Voerde!

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Doch da, ein wenig verdeckt von herunterhängenden Ästen, die Hinweistafel: Schlosshafen 200 m links. In den für die Landesgartenschau 2009 extra gebauten Schlosshafen Oranienburg fahren wir um 14.15 Uhr ein. Ein großzügig angelegter Hafen direkt am Schloss, mit erstklassigen Sanitäranlagen, die sich in einer großen Halle befinden, in unmittelbarer Nähe.
Diese Halle wird ebenfalls von Campern genutzt, die hier auf mehreren Herdfeldern kochen können und an den Tischen ihre Mahlzeiten einnehmen können. Für Jugendgruppen sehr geeignet.

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Ein Schloss muss man ja nun auch besichtigen. Hier begegnet uns der Kurfürst Friedrich Wilhelm, der dieses, im gotischen Stil erbaute Prachtstück, seiner Gemahlin Henriette von Oranien (Niederländerin!) geschenkt hat. Wir beschließen, unsere Bewunderung nur auf das Äußerliche des Gebäudes zu beschränken. Wer soll das auch alles behalten?

Wir halten es doch da mal lieber mit einem guten Mahl, heute in der Pizzeria, in direkter Nähe zu dem alten Bauwerk.

Zurück auf der „La Onda“ vermisse ich persönlich doch ein wenig den Hafenmeister, der jetzt mit der Fiets und den Klompen vorbeikommt und die Hafengebühr kassieren will.
Im Schlosshafen von Oranienburg funktioniert alles mit der Chipkarte aus dem Automaten, mit der morgen früh auch am Automaten abgerechnet wird. Ja, so isses. Bis morgen! (Es gibt aber auch ein Hafenmeisterbüro mit einem sprechenden Menschen, nur gerade keiner da)

Montag, 14.05.2012

Das unermüdliche Rufen des Kuckucks kündigt den neuen Tag an. 7.00 Uhr!! Noch eine halbe Stunde schlummern und dann aufstehen und frühstücken.
Die Sonne scheint von einem strahlend blauen Himmel als wir um 9.00 Uhr ablegen. 2,5km zurück über die Oranienburger Havel, dann backbord drehend auf den Lehnitzsee. Welch ein Kontrast, das glitzernde Dunkelblau des Wassers, das dunkle Grün der Bäume und das helle Blau des Himmels!

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Eine kurze Zeit später stehen wir vor der Lehnitzschleuse. Für Sportboote nächste
Schleusung 10.10 Uhr ist auf der Anzeigentafel zu lesen. Zwanzig Minuten auf dem
Achterdeck Sonne tanken, herrlich!

10.30 Uhr, wir sind dem Himmel gute sechs Meter näher gekommen. Der Schleusenvorgang ist beendet, wir „wandern“ weiter über´s Wasser. Immer geradeaus verläuft dieser Abschnitt des Oder-Havel-Kanals. Der Wald verändert sein Gesicht. Lichter Kiefernwald flankiert das Ufer.

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Vom Oder-Havel-Kanal in die Obere Havel Wasserstraße bis zur ersten Selbstbedienungsschleuse Liebenwalde. Selbstbedienung heißt hier: den Knopf am Anleger vor der Schleuse drücken, Tore öffnen sich, Knopf in der Schleuse drücken (rechts oder links in der Schleuse, ist auf der Digitalanzeige zu lesen) warten bis Schleusenvorgang beendet, die Tore öffnen sich wieder, hinausfahren. Ganz einfach!

bootstour-2012-130Insgesamt befinden wir uns mit fünf
Schiffen in der Schleusenkammer. Jeder
achtet auf den Anderen und alles
funktioniert perfekt.

Die Wasserstraße wird enger und die Ufer mit schmalen Schilf- oder Grasstreifen bewachsen, rücken näher heran. Die dahinter aneinander gereihten Baumreihen geben ein wenig den Blick auf eine dünn besiedelte Zivilisation frei. Auf einer eingezäunten Lichtung grast friedlich eine große Herde Rehe und Hirsche.

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Zwei Selbstbedienungsschleusen gilt es heute noch zu durchfahren. Bischofswerder und Zehdenick. Vor der Erstgenannten gibt es ein wenig Wartezeit. Die „La Onda“ lässt sich wohl kontrolliert vom Wind treiben, da die Sportanlegestellen besetzt sind. Vorwärts – rückwärts – seitwärts – eine ganze Drehung. Der Tanz auf dem Wasser! Er endet, bevor er richtig beginnt. Die Schleusentore öffnen sich und hinein fährt die Flotte. Um 13.15 Uhr verlässt der kleine Konvoi die Schleusenkammer von Bischofswerder. Wälder, dazwischen kleine Lichtungen und viele blühende Kastanienbäume erfreuen das Auge des Betrachters. Mit wenigen Kurven schlängelt sich der Strom durch die Natur.

Die neue Marina beim Ziegeleipark wird für heute unser Ziel sein. Beim Bau einer Eisenbahnbrücke wurden im 19. Jahrhundert entlang der Havel riesige Tonvorkommen entdeckt, die der Grund für die Ansiedlung von einigen Ziegeleien waren. Die mit Wasser gefüllten Tongruben liegen, für uns gut sichtbar, links und rechts des Flusses.
Jetzt aber zunächst noch einmal eine letzte Selbstbedienungsschleusung in Zehdenick. Hier ist eine Klappbrücke an den Schleusenvorgang gekoppelt. Das heißt, wenn die Tore aufgehen, geht auch die Brücke hoch. Direkt hinter der Schleuse liegt steuerbord der Stadthafen der Marina von Zehdenick. Hier scheinen nur noch wenige Plätze frei zu sein.
Für uns geht es ohnehin weiter durch das – wie es mir vorkommt- vergessene Land. Abgebrochene Schornsteine, hier und da ein altes steinernes Haus aus früheren DDR-Zeiten.
Ist hier die neue Zeit schon angekommen?

Dagegen ist die neu gebaute Marina am Ziegeleipark gut ausgestattet. Der mittelgroße Sanitärcontainer ist zweckmäßig. Die Nacht verbringen wir vor dem Gelände einer großen Ziegelei. An den gewaltigen Ringöfen führt ein kleiner Spaziergang vorbei. Das Museum in der Ziegelei besuchen wir allerdings nicht. Denn wie schon Erich Kästner sagt: Toren bereisen in dieser Welt die Museen, Weise gehen in die Tavernen. Zählen wir uns heute doch mal zu den Weisen.
Bis morgen!

Dienstag, 15.05.2012

Der Schlüssel steckt neben dem Steuerrad, ein kleiner Dreh und der Dieselmotor beginnt zu schnurren. Der Kapitän nimmt Platz auf seinem weißen Pilotenledersitz. Es ist 9.00 Uhr. Wir laufen aus dem neuen Hafen im Ziegeleipark mit dem Ziel Fürstenberg. Bis dahin gilt es vier Selbstbedienungsschleusen zu passieren: Schorfheide, Zaaren, Regow und Bredereiche.
Aber zunächst einmal erleben wir an diesem schönen Morgen Natur pur. Flora und Fauna im Einklang. Der Fischreiher steht mit seinem langen Hals wie versteinert am Flussufer. Der Storch kreist seine Bahnen am Himmel. Einige Holz- und Steinhütten an denen fleißig gearbeitet wird, tauchen am Rande des Wassers auf.

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Eine Alternative zur Yacht ist der Urlaub mit dem Free Camper Modell. Das können eigentlich nur die Niederländer erfunden haben. (s.Bild)
Ein Wohnwagen auf einem Floß „liegend“, eine Terrasse mit Tisch und Gartenstühlen hinter dem Wohnwagen auf dem Floß, ein Steuerrad und ein Außenbootmotor. So fahren sie über´n See, über`n See! Eine noch andere, mir unbekannte Art, sind die Huckleberrys-Boote.
Da fährst du mit einer kleinen Blechhütte übers Wasser spazieren!

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Zurück zur Natur: breite Schilfgürtel ragen weit ins „Bett der Havel“ hinein. Hohe Kiefern und Laubbäume die in der Ferne, so scheint es, das Firmament berühren. Viele winzige Flussarme in denen Vögel an diesem sonnigen Morgen, laut zwitschernd, ihr Gefieder baden. Eine heile Welt!

bootstour-2012-176Nach einer gut einstündigen Fahrt durch den Garten Eden, erreichen wir die Selbstbedienungsschleuse Schorfheide. Hub 0,6m. Einsam in der weiten Natur schleusen wir uns immer ein klein wenig höher die Havel hinauf. Viele Flussschleifen und teilweise steil ansteigende, bewaldete Ufer prägen das Landschaftsbild. Hier liegt wirklich noch alles im Dornröschenschlaf (oder weniger romantisch ausgedrückt: hier liegt der Hund begraben) Kein Handyempfang und selbst das GPS-Signal für den Computer streikt zeitweise. Fischotter, Bieber und unzählige Vogelarten führen hier die Regie.

Zaaren, die zweite Selbstbedienungsschleuse. Die Kammer fasst allerhöchstens drei Schiffe unserer Größe. Hub 1,1m. Dann kommt die Schleuse Regow, Hub 1.0m. Immer noch ohne Wartezeit und ohne begleitende Schiffe. Dann die vierte und letzte Selbstbedienungsschleuse für diesen Tag, Bredereiche mit einem Hub von 2,6m.

Vor der Reformation war Bredereiche ein Klosterdorf. Im 19. Jahrhundert wandelte sich das Dorf zu einem Ort der Havelschiffer mit damals 700 Einwohnern, wovon nach dem 1. Weltkrieg noch 400 ihren Lebensunterhalt in der Havelschifffahrt verdienten.

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Da, backbord drei Störche staksen durch die Wiese. Störche oder Trappen? Wer oder was sind Trappen? Andrea belehrt uns: Trappen sind Großvögel die im Havelland noch vorkommen. Ja, ja, die Welt ist ein Buch, wer nie reist sieht nur eine Seite davon! (Augustinus)
Allmählich rücken die Ufer wieder weiter auseinander. Noch eine Kurve und vor uns liegt in voller Größe der Stolpesee. Andrea mit der Karte und der Pfeil auf dem Laptop navigieren uns sicher über den See, auf die bis jetzt noch nicht zu sehende Ausfahrt hinaus. Ein kurzer Stichkanal und weiter auf dem Schwedtsee.

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Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees liegt der Yachthafen von Fürstenberg, an dessen Bootssteg wir gegen 14.00 Uhr mit Hilfe des Nachbarskippers, bei stark böigem Wind, festmachen. Am Nordufer des Sees erhebt sich die Gedenkstätte des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück. Leider ist das ein Teil trauriger Geschichte, die auch zu dieser schönen Landschaft dazugehört.

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Nach der Kaffeepause an Bord besichtigen wir die historische Altstadt von Fürstenberg und die evangelisch-lutherische Stadtkirche, die gerade restauriert wird. Vom Yachthafen in die Stadt sind es ungefähr zehn Minuten zu Fuß. Gute Einkaufsmöglichkeiten sind vorhanden. (Norma, Lidl).

Während eines fürstlichen Mahls im Yachthafen-Restaurant von Fürstenberg lassen wir unsere heutigen Eindrücke noch einmal Revue passieren.

Duschen und Toiletten der Hafenanlage sind sauber und empfehlenswert. Für den Schlüssel zum Gebäude muss man allerdings 25,-Euro Pfand beim Hafenmeister hinterlegen. Die Hafengebühr kostet 13,20 Euro für die eine Nacht.

Mittwoch, 16.05.2012

Nach einem netten Gespräch und Erfahrungsaustausch mit dem Nachbarskipper und seiner Ehefrau, läuft die „La Onda“ um 9.45 Uhr aus dem Yachthafen mit Kurs auf die mecklenburgische Kleinseeplatte aus.

bootstour-2012-215 Wenige Minuten später befinden wir uns vor der Schleuse Fürstenberg (1,9m Hub). „Gegenschleusung abwarten“, so steht es geschrieben auf dem Display vor der Schleuse. Fünfzehn Minuten Wartezeit und dann als erstes von sechs Schiffen in die Kammer einfahren. Direkt vor den Ausfahrt-Schleusentoren schwimmend, braucht es doch ein wenig Kraft das Boot zu halten, während das Wasser einschießt. Die Crew ist aber bestens mit Handschuhen versorgt, so dass Andrea und ich die Taue gut halten können und der Glibber der Spundwand nicht an unseren Händen klebt. Dank an den Kapitän!

Ohne die Tonnen-Markierung und das Schild mit dem weißen Quadrat, das mit der Eckkante auf einem Rohr steht, könnte man vor lauter Wald die Ausfahrt aus dem Röblinsee in die Steinhavel nicht erkennen.
Der gelbe Blütenstaub, der sich in den letzten Tagen wie ein Schleier über das Boot gelegt hat, wird von einem kräftigen Regenschauer weggespült.
11.20 Uhr: die Steinhavelschleuse (1,6m Hub) mit Schleusenwärter liegt hinter uns.

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Wieder tut sich ein See vor uns auf, der Manowsee, verbunden mit einem kleinen Stichkanal in den Ziernsee. Wald wohin wir auch sehen. Vollkommene Ruhe!
Gäbe es den Pfeil auf dem Laptop nicht, der genau anzeigt auf welchem See und in welcher Position wir uns befinden, ich hätte keine Orientierung mehr. Die Kleinseeplatte besteht aus mindestens 300 Seen die durch kurze Stichkanäle verbunden sind. Ein glitzerndes Labyrinth aus Wasserwegen.

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Beim Verlassen des Ellbogensees befinden wir uns jetzt auf der Müritz-Havel-Wasserstraße
Es folgen die nächsten Schleusen in Strasen (1,5m Hub), in Canow (1,3m Hub) und zuletzt die Schleuse in Diemitz (1,4m Hub). Der große und kleine Pälitzsee, Canowsee, Labussee, kleiner und großer Peetschsee , Vilzsee und Mossensee, so sind die Namen der Gewässer durch die der Kapitän die „La Onda“ steuert. Mit dem Zotzensee verlassen wir die mecklenburgische Kleinseeplatte bereits wieder. Das Tagesziel Mirow rückt näher.

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Auf Rat des Skippers von heute morgen legen wir nicht im engen schlauchförmigen Stadthafen von Mirow, in dem wir mit der „La Onda“ nur rückwärts wieder hinaus fahren könnten, an. Es geht noch ein bisschen weiter.
Ein heftig gestikulierender Mann auf dem Bootssteg fordert unsere Aufmerksamkeit. Rick und Rick Bootsservice ist auf dem Schild über ihm zu lesen. So wie es aussieht, gibt es hier noch einige freie Liegeplätze. Wunderbar. Der freundliche und geschäftstüchtige Mann, der sich als Hafenmeister entpuppt, weist uns geschickt in eine Parkbucht ein. Na, ob wir hier jemals wieder hinauskommen? Aber er ist ja morgen wieder da und hilft uns, versprochen.

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Diese Anlegestelle ist herrlich. Wir liegen
direkt vor der Schlossinsel, mit dem
Barockschloss vor unserer Nase. Allerdings
ist es eingehüllt in eine Plane, zwecks
Sanierung. Der Schlosspark mit der
Liebesinsel, umgeben von alten Kastanien
und Buchen und die Johanniterkirche mit
der Familiengruft der Mecklenburg-
Strelitzer Herzöge, kann täglich von 10.00-18.00 Uhr besichtigt werden. Wer ein
mittelalterliches Ess- und Trinkgelage liebt, kann im Ritterkeller von Mirow speisen, ebenfalls
in unmittelbarer Nähe von der Anlegestelle.
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Das Hafengebäude ist eine kleine Hütte mit „Tante Emma“ Laden. Und zum Service gehört auch, dass wir morgen früh frische Brötchen im Laden abholen können. Das nenn ich klein und fein.
Das Lädchen verfügt nebenan noch über eine Dusche und Toiletten. Nicht ganz neu, aber in einem sauberen Zustand. Rick und Rick Bootsservice, ein Name den man sich merken sollte.

Donnerstag, 17.05.2012

Heute feiern wir den Herrentag!
Wir beginnen diesen Tag zur Ehre des Kapitäns mit frischen Brötchen, die gestern beim Hafenmeister bestellt wurden.

bootstour-2012-256Der Zeiger der Uhr zeigt schon 10.35 Uhr. Um aus dieser Liegebox wieder hinaus zu kommen, gab es ein wenig Wartezeit. Zuerst musste das Boot hinter uns und dann noch das Floß-Haus-Boot seine Taue lösen. Wie war das noch mit dem Versprechen von gestern?Der Hafenmeister hat heute wohl Mittagschicht.

Kein Grund zur Panik. Georg manövriert die „La Onda“ problemlos aus der Liegebox hinaus.

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Die letzte Schleusung in dieser Woche liegt bereits vor uns. Die Schleuse Mirow (Hub 3,1m).
Fünf Yachten liegen bei unserem Eintreffen bereits am Anleger und warten. Die Kammer ist 56m lang. Mal sehen, ob wir beim nächsten Schleusengang noch mit hinein passen. Erst einmal wieder anlegen.

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Nach gut zwei Stunden Wartezeit, entstanden durch Gegenschleusung und Sonderschleusung eines Fahrgastschiffes, ist die Sicht auf die Müritz-Havel-Wasserstraße frei. Die Ufer gehen etwas steil nach oben hin und sind dicht bewachsen mit Bäumen, deren Äste mit ihrem Blattwerk weit ins Wasser hineinreichen.

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Wieder mal erreichen wir einen See, den Sumpfsee, dessen Fahrrinne mit roten und grünen Tonnen versehen ist. Holzblockhäuser und ein Baumhauscamp locken Touristen für einen Sommerurlaub am Wasser mit angeln, baden und Überlebenstraining im Wald.

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Um 14.00 Uhr beginnt der erste Teil der Überquerung der Müritz. (Müritz = das Kleine Meer, ein Name aus dem Slawischen). Die Müritz ist der größte See, der vollständig innerhalb Deutschlands liegt.

Mit einer Geschwindigkeit von 11-12 km/h schaukelt es spürbar heftiger.
Was gab es doch schon für Schauergeschichten, die erfahrene Bootsführer erzählt haben. Vom stürmischen Seegang, der Teller und Tassen aus den Schränken geschleudert hat. Vom Wetter, dass mitten auf dem Meer ganz schnell umschlagen kann. Von Rettungsmanövern per Hubschrauber! Andrea hat schon nach den Schwimmwesten gesucht und sie auch gefunden. Welch ein grausamer Gedanke, im eiskalten Wasser auf dem kleinen Meer zu treiben!

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Um 15.00 Uhr biegen wir bei Tonne zehn, Fahrtrichtung Röbel, ein. Nach einigen hundert Metern, auf der Steuerbordseite am Wasserservicecenter, vertäuen Andrea und Georg die „La Onda“ am Holzsteg. Ein wunderschöner Liegeplatz mit Panoramablick auf die Stadt Röbel (Entfernung ca. zwei bis drei km Fußweg).

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Das Servicecenter besteht aus einem modernen Hafenladen, ausgestattet mit Bootszubehör und entsprechender Kleidung. Hier werden auch die Gebühren bezahlt. Wieder bekommen wir einen Schlüssel ausgehändigt. Dieser passt auf das Schloss des Tores im Eingangsbereich zu den Liegeplätzen und auf die Tür zu den Sanitäranlagen. Diese sind wirklich super!
Brötchenservice, wie schon gestern bei Rick und Rick.
Zudem werden wir auch noch mit lauter Live-Musik empfangen. Ein „Herrenfestival“ beim Fischerhaus, wo es täglich frisch gefangenen Fisch zu kaufen gibt, unmittelbar vor dem Eingangstor der Hafenanlage.
Dann mal nichts wie hinein in das Vergnügen!

Freitag, 18.05.2012

Der letzte Tag an Bord der „La Onda“ bricht an und die letzte Etappe über die Müritz von Röbel nach Waren liegt vor uns. An diesem Wochenende findet in Waren ein großes „Sail-Fest“ statt. Aus diesem Grunde gibt es auch kaum Anlegeplätze im Hafen.
Wir haben deshalb schon vor Antritt unserer Bootstour mit dem Vercharterer ausgemacht, die „La Onda“ in Eldenburg zu übergeben.

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Ein letztes Erinnerungsfoto der Stadt Röbel. Mit Windstärke vier geht es hinaus auf die Müritz. Die Fender sind eingeholt, der Kapitän sitzt entspannt am Steuerrad, flankiert von zwei hübschen Damen!
Genießen wir die Fahrt, vorbei an den kleinen weißen Booten mit den Anglern, die auf einen großen Fang hoffen.
Die Sonne von oben, das sanfte hin- und herwiegen der „La Onda“ im Wind und der Blick in die Ferne, verleiten zum Träumen.

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In Höhe von Schloss Klink wird aus dem sanften Wiegen ein grobes Auf und Ab. Die Wasserflaschen unter Deck auf der Spüle rutschen hin und her. Die Wellen-Ausläufer einer uns, mit großer Geschwindigkeit entgegenkommenden Yacht, bringen das Schiff ganz energisch in Bewegung.

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Mit der Einfahrt in die Binnenmüritz zeigt sich schon von Weitem das Riesenrad im Hafen von Waren. Wir betrachten das Stadtpanorama vom Wasser aus. Eine Uferpromenade mit Standcafes, Restaurants und Eisdielen.

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Dass es hier und heute keinen freien Platz im Hafen mehr gibt, glaube ich sofort. Die nahegelegene Kirchturmuhr schlägt 11.00 Uhr, als der Skipper abdreht und Kurs auf die Marina in Eldenburg nimmt.

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Da der Kapitän gut vorbereitet ist, weiß er, dass der Mast umgelegt und das Cabrioverdeck abgenommen werden muss, damit wir die Brücke vor der Marina unfallfrei passieren können. Angegebene Höhe der Brücke: 3,80m, Höhe des Schiffes: 3,80m. Dass ist uns doch zu riskant. Also, das Cabrioverdeck abknöpfen und den Mast umlegen!

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Windstill und in Zeitlupe über dem Wasser gleitend, erleben wir diese kurze Strecke bis Eldenburg. Ein letztes Mal nehme ich das Hinweisschild mit der gelben Welle wahr. So eine Tafel weist auf einen Wasser-Wander-Rastplatz hin, der vom deutschen Tourismusbund getestet und ausgezeichnet ist. Viele dieser Hinweistafeln sind vor den Häfeneinfahrten zu finden, angefangen im Yachthafen Potsdam bis jetzt hier in Eldenburg.

Übrigens, die Durchfahrt unter die Brücke hätte, laut Aussage eines Mitarbeiters des Charterunternehmens, auch mit stehendem Mast und geschlossenem Cabrioverdeck gepasst. Aber sicher ist sicher.
Unmittelbar hinter der Brücke liegt die Marina vor uns. Die erste Anlaufstation ist die Tankstelle. Hier wird vom Personal der Dieseltank bis zum Rand aufgefüllt. Dann bekommen wir vom Hafenmeister einen Liegeplatz zugewiesen, an dem wir morgen um 9.00 Uhr das Schiff übergeben müssen. Schnell noch den Wassertank füllen und den Landstrom anschließen.
Die Marina Eldenburg liegt außerhalb des Ortes. Sie verfügt über ein gutes Restaurant, eine Fischerhütte, in der täglich Frischfisch verkauft wird und ein modernes Sanitärgebäude.
Mehrere Ferienhäuser und –wohnungen sind rund um den Hafen, umgeben von hohen Bäumen, angesiedelt. Ein Geheimtipp für viele Angler, die hier mit Familie ihren Urlaub verbringen können.

Es ist gerade mal 14.00 Uhr. Wir möchten unbedingt noch nach Waren. Eine Linienbushaltestelle befindet sich oberhalb der Hafenanlage an der Hauptstraße. Mit dem Bus in die Stadt dauert es ca. eine halbe Stunde. Wir erleben eine wunderschöne Kleinstadt, mit vielen alten Gebäuden, geschmückt mit Balkonkästen an jeder Ecke. An der Uferpromenade bieten verschiedene Händler ihren Waren und Künste an. Und viele, viele Menschen!

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Nach ein paar Stunden Bummeln und einer Rückfahrt im vollgestopften Linienbus, kommen wir erschöpft und hungrig zurück in unser schwimmendes Zuhause. Den letzten Abend unserer diesjährigen Boot-Urlaubswoche beschließen wir bei einem guten Essen im Hafenrestaurant von Eldenburg.

Samstag, 19.05.2012

Abreisetag! Wir lassen das Schiff zurück und werden die Wasserstraße wieder gegen die Asphaltstraße tauschen. Die Ab- und Übernahme der „La Onda“ ging reibungslos vonstatten. Ach ja, ein Fender fehlte. Wo mag er geblieben sein?
Um 10.00 Uhr ist das Taxi bestellt, das uns von Waren nach Werder bringen soll. Pünktlich zum vereinbarten Termin erscheint der Fahrer. In gut zwei Stunden geht es nun zurück über die Landstraße und Autobahn nach Werder. Die Rückfahrt kostet 180,- Euro.
Ein jeder von uns schweigt im Auto und lässt noch einmal die vergangene Woche, die wieder mal viel zu schnell vorbei war, mit ihren Erlebnissen und Bildern an sich vorüberziehen.

Es war so eine ganz andere Bootswoche, als die, die wir bisher verbracht haben. In dieser Woche gab es so viele neue Eindrücke, kulturell wie auch landschaftlich. Beeindruckend dieses weit verzweigte Netz von Seen, umgeben von dichtem Wald. An manchen Stellen kam ich mir vor, wie auf einem anderen Planeten. Und soviel preußische Kultur!

Boot und Bildung! Und so schließe ich dieses Logbuch 2012 mit einem Spruch aus dem Munde von Johann Wolfgang von Goethe: Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen. Eben!

Bis zum nächsten Jahr, Andrea, Georg und Christa

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