Logbuch 2013

Vorfreude

„Vorfreude ist die schönste Freude“, sagt ein Sprichwort.
Der Kalender zeigt Sonntag, 02. Juni 2013. Noch vier Tage. Die Sonne lacht vom Himmel, nur wenige lockere Wolkenfelder.
Ondra, meine Hündin, spürt auch Vorfreude. Sie weiß, wenn ich mir die Jacke anziehe und die Leine hole, jetzt gehen wir spazieren.

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Wir laufen Richtung Schleuse Emmelsum-Friedrichsfeld. Heute morgen herrscht reger Schiffsverkehr auf dem Wesel-Datteln Kanal. Jolanda, Amira, Michaela, Hannah-Luna, (warum haben die Schiffe alle weibliche Vornamen ?) warten vor der Schleuse.

Noch ein paar Tage und Andrea, Georg und ich werden wieder auf dem Wasser, mit der Wolfenjacht 14, vom Yachtcharter Panorama in Zwartsluis, unterwegs sein.
Was finden wir eigentlich daran, jedes Jahr, und das jetzt schon das Achte mal, auf einem Charterboot unseren Urlaub zu verbringen?
Und das auch noch in Holland oder richtiger gesagt in den Provinzen Friesland, Overijssel und Flevoland. Da gibt es doch nichts zu sehen wird mancher sagen, nur Wiesen, Felder, Schafe und Kühe! Wie wahr!
Aber die Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters!

Wie ein Fußballspiel für den Fan nie seinen Reiz verliert, so ist es auch mit dem
„ Bootfahren“. Das leise tuckern des Motors, die kleinen Wellen, die an die Bordwand schlagen und die Ruhe die sich breit macht, wenn wir über die Flüsse fahren.

Heute hier am Kanal, im Schatten der Bäume laufend, spüre ich sie. Vorfreude!
Bis Donnerstag.


Logbuch:

Donnerstag, 06.06.2013
Herrlich! Es schaukelt wieder! Nein, wir sind nicht betrunken und auch nicht krank. Wir sind angekommen in Zwartsluis bei Yachtcharter Panorama.
Panorama! Der Name ist heute Abend Programm. Andrea, Georg und ich sitzen auf dem Achterdeck und genießen den prächtigen Sonnenuntergang bei wolkenlosem Abendhimmel.

Die Taschen sind ausgepackt, der Kühlschrank vollgepackt und der Fisch noch eingepackt. Den haben wir in Zwartsluis an der Urker Fischbude gekauft und werden ihn gleich verspeisen.
Der Abend vor dem Urlaub! Alles ist an Bord und morgen früh nach dem Frühstück kann es gleich losgehen.
Die Amsel singt uns noch ein Lied in der Abendsonne. Der Urlaub hat begonnen!

Freitag, 07.06.2013
Die Abfahrt verzögert sich ein wenig. Das technische „Know how“ ist noch nicht betriebsbereit. Das heißt, dieses kleine Teil, das aussieht wie die PC-Maus und durchgehend für die ganze Woche Zugang zum Internet ermöglichen soll, funktioniert noch nicht. Da dieser kleine Apparat nicht am Laptop angeschlossen werden muss, ist es möglich, mit mehreren Geräten gleichzeitig Zugang zum Internet zu haben.

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Erst nach einem Anruf von Herrn Hagemann (Vercharterer) bei der niederländischen Telekom und der darauf folgenden Freischaltung klappt die Technik. Na wunderbar!

Es ist 10.35 Uhr, wir starten. Der Laptop mit der entsprechenden Wasserkarte steht an seinem Platz.
Die heutige Tour führt uns in unbekannte Gewässer. Über das Zwarte Water, Zwarte Meer, Ketelmeer und Ijsselmeer bis Urk.

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Keine Schleusen, keine niedrigen Brücken. Der Himmel ist wolkenlos, der Wind bläst schwach. Da lacht das Herz!

Die Fahrrinne durch das Zwarte Meer ist mit roten und grünen Tonnen markiert. Außerhalb davon ragen kleine grüne Inselchen mit wehenden Halmen aus dem Meer.

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Die „Margaretha“, ein Fischerboot mit hoch eingezogenen Netzen ankert im Wasser. In einem kleinen Kahn kontrollieren zwei Fischer die ausgelegten Fangnetze in Ufernähe

Nach einer Stunde Fahrtzeit zeigt der Pfeil auf dem Laptop unsere Position an: Zwarte Meer, Ramspol, kurz vor den Ramspolbrug. (BB H 52,6 W119)
Der für mich relativ flache Deich und das befestige Ufer auf der Steuerbordseite beheimaten zahlreiche farbenfrohe Wasservögel.
Wie an der Schnur gezogen, steuert der Kapitän die Wolfenjacht durch das (den?) Ramsdiep. Auf der Backbordseite ein schmaler Grünstreifen der das Ramsdiep vom Ramsgeul trennt. Dieser ist „afgeslooten“ für den Durchgangsverkehr.

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Um 12.30 Uhr befinden wir uns kurz vor der Marina Schokkerstrand und dem Schokkerhaven. Die Marina verfügt über 250 Liegeplätze und einem hellen, sandigen Badestrand. Achtung Herr Kapitän, das Ruder erst scharf backbord und dann ebenso stark steuerbord einschlagen. Das Ketelmeer liegt vor uns.

Auf der Wasserkarte ist mitten im Ketelmeer ein großer heller Fleck eingezeichnet. „Groot slipdepot Ijsseloog „ lautet der Name. Im Buch „Das Ijsselmeer“ von Manfred Franzl ist darüber folgendes zu lesen: „ Die in das Ketelmeer einmündende Geldernse Ijssel erhält das Wasser über den Pannerdens Kanaal vom Rhein. Sie hat große Mengen von Schlamm aus dem Rhein mitgeführt und im Ketelmeer abgelagert. Diese Schlammsschicht ist kontaminiert mit Schwermetallen und Chemikalien. Sie wurde ausgebaggert und in einer speziellen, im Ketelmeer als Insel angelegten Deponie gelagert, für die ein ringförmiger Deich mit einem Innendurchmesser von 1,2km aufgeschüttet und dann 40m tief ausgebaggert wurde. Der ausgehobene Sand wurde teilweise zur Erweiterung der Insel verwendet (……..) auf dieser Fläche soll später ein Biotop angelegt werden.“
Von unserem Motorboot aus können wir das natürlich nicht als Deponie erkennen. Das was wir sehen, ist ein mit hohen Sträuchern und Bäumen bewachsener Grüngürtel.

Keine Wolke am Himmel, wer hätte das gedacht nach diesen kalten und nassen letzten Wochen. Gut so!
Eine Menge Segler, große und kleine, genießen den Sommertag!

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Die Ketelbrug (in het midden H 127) kommt in Sichtweite. Die Brücke ist 700 m lang und quasi das Tor zum Ijsselmeer. Drei Hochspannungsmasten stehen dort im Wasser. Bei Tage hält man auf den mittleren der drei Masten, lässt diesen an steuerbord und nimmt dann Kurs auf die bezeichnete Durchfahrt. (M.Fenzl, S. 120 im Buch das Ijsselmeer) Von der Ketelbrug bis Urk, so sagen die Daten des Laptops, sind es noch 6 km.

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Juchhu, wir sind auf dem Ijsselmeer. Der Blick in Richtung backbord schweift weit und unbegrenzt über das Wasser. Das Fischerdörfchen Urk ist zu erkennen. Es ragt wie auf einer Halbinsel weit ins Ijsselmeer hinein. Der weiße Leuchtturm auf der Landspitze ist gut zu sehen. Ein großes weißes Passagierschiff liegt vor der Halbinsel. Das ganze Panorama hat etwas von einem südlichen Flair.

Wo legen wir an? Der Kapitän hat Luftaufnahmen von Urk. (Dank an Christian Schröder) Darauf ist gut zu sehen, wo es Anlegestellen gibt.

Um 14.00 Uhr vertäuen wir die Wolfenjacht direkt an der Kade des Strandhafens.

Hier tummeln sich die Menschen im Wasser und auf dem weißen Sandstrand.
Ja schöner kann es auch am Mittelmeer nicht sein!!

Die Daten des Laptops:
Abfahrt Yachtcharter Panorama
Fahrtzeit 3 Stunden 20 Minuten
Entfernung 36,5 km
Ziel Urk

Urk, wir kommen!!

Urk ist ein sehenswertes kleines Fischerdorf mit wohliger Atmosphäre. Malerische kleine Gassen, intime Dorfplätze und die typischen Fischerhäuser mit den grün bemalten Giebeln, haben ihren eigenen Charme. An der höchsten Stelle auf einem Hügel steht der „Wächter der Zuidersee“, der Leuchtturm. Unterhalb, auf den abfallenden Rasenflächen stehen Bänke, die zum Verweilen einladen, mit einem herrlichen Blick über die Weite des Ijsselmeeres.
Viele Menschen damals, wie auch heute noch, leben vom Fischfang. Große Fischernetze hängen auf „Leinen“ vor den Fischkuttern. Die Urker Fischauktionshalle, gleich gegenüber unserer Anlegestelle, ist die größte in den Niederlanden.

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Hier in Urk müssen wir Fisch essen, alles andere wäre Sünde. In einem Restaurant oberhalb des Hafens, mit Blick über das Meer, lassen wir den Worten Taten folgen. Und ich sage euch, das Mahl war köstlich!, dazu ein eiskaltes Heineken. So lässt es sich leben.

Den Rest des Abends verbringen wir auf dem Achterdeck vor laufender Kamera.
Die Webcam des Hafens hat uns genau im Blick. Darauf macht uns Erich Bäcker aufmerksam, der uns spontan herzliche Grüße aus Niederkassel aufs Smartphone schickt. Herzliche Grüße zurück.

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Wir heben das Glas auf einen wunderschönen Tag und einen berauschenden Sonnenuntergang. (Das Foto hätte ich gerne auf Leinwand, lieber Georg!)

Samstag, 07.06.2013

So, heute geht es aufs Ijsselmeer hinaus. Andrea und ich wollten es ja nicht anders haben. Es schaukelt heftig Auf und Ab. Der Blick auf die Zeiger der Uhr verraten uns, es ist erst 9.25 Uhr. Die Wolfenjacht hält Kurs auf Lemmer.
Kapitän Georg steuert einen großen Bogen um Urk herum. Das hat auch seinen Grund. Noch weit vor Urk liegen viele aufgeschüttete Steine unter Wasser.
Deshalb ist es nicht nur ratsam, sondern unbedingt wichtig, der Betonnung rund um Urk zu folgen. Wir wollen ja nicht in Seenot geraten.

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Die Gischt spritzt hoch bis vor das Cabrio-Verdeck. Kleine weiße Schaumkronen weisen auf die Lebendigkeit des Meeres hin. Fünf Meter Wasser unterm Kiel! (Andrea, wo sind noch mal die Schwimmwesten verstaut?)
Beruhigend der Blick nach steuerbord. Das feste Land immer in Sichtweite. Wenn auch ca. 1 -1,5 km entfernt.

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2,5 Stunden dauert es, bis wir die Lemstersluis vor Lemmer erreichen.
2,5 Stunden Fahrt auf dem Ijssselmeer Auf und Ab mit dem Wind.
Wir wollten es mal erleben, aber nun ist es auch gut!

Die Ampel vor der Lemstersluis zeigt 2x senkrecht rot. Die Schleusenwärterin hat eine Stunde Mittagspause. Das gönnen wir ihr.
Die Wolfenjacht wird vor der Schleuse festgemacht und wir genießen eine Stunde mit lesen, schreiben und dösen in der Sonne.
Pünktlich um 13.00 Uhr meldet sich die junge Frau zurück, indem sie die Ampel auf grün schaltet.
Wir sind relativ früh dran und hoffen einen guten Anlegeplatz an der Zijlroede
zu bekommen. Die führt mitten durch die Stadt und von dort kann man dem bunten Treiben natürlich besonders gut zusehen.

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Doch spontan entscheiden wir uns für den Anlegeplatz in unmittelbarer Nähe der Schleuse, vor dem Cafe „De Held von 63“. Und das war auch gut so, wie wir später beim Landgang gesehen haben. Denn weiter hoch an der Zijlroede sind alle Plätze belegt, teilweise liegen die Boote hier auch schon im Päckchen, das heißt nebeneinander. (es bleibt nur noch eine schmale Fahrrinne)
Also, alles richtig gemacht.

Lemmer ist ein sehr geselliges Städtchen. Und herrliche Geschäfte an denen Andrea und ich nicht so ohne weiteres vorüber gehen können. Außerdem ist heute auch noch Markttag. Kunst und Trödel. Dafür liebe ich Holland.
So müssen Andrea und ich auch eine kunstvolle Kiste kaufen die bestimmt wunderbar an der Hauswand aussieht. Georg hält das zwar für Brennholz und kann dem Objekt nichts Künstlerisches abgewinnen. Fantasie braucht der Mann!

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Nach Pommes, Frikandel und Eis zieht es uns zurück zur Wolfenjacht. Etwas später werden wir noch im Cafe „de Held von 63“ einkehren und etwas gegen den Durst tun.

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Zischenzeitlich bekommen wir Besuch an der Backbordseite. Ein netter Skipper fragt ob er sich an uns festmachen dürfe. Natürlich meint er sein super Schiff an unser super Schiff. Auch gut! Morgen früh wird er mit der ersten Schleusung Richtung Enkhuizen und Amsterdam übers Wasser „fliegen“. Tja, was sollen wir dazu sagen? Jeder Jeck ist anders. Und wir gehen jetzt erstmal einen trinken. Bis morgen und nicht so früh!!

Daten Laptop
Abfahrt Urk
Fahrtzeit 2 Stunden 45 Minuten
Entfernung 28 km
Ziel Lemmer

 

Sonntag, 09.06.2013

Der Himmel zeigt sich bedeckt. Ein kalter Wind weht übers Deck. Es ist früh, 9.15 Uhr, und wir sind schon wieder auf Kurs. (Wie war das gestern noch mit später frühstücken) Egal! Der frühe Vogel fängt den Wurm! (Der frühe Vogel kann mich mal)
Die Segler, die hinaus aufs Ijsselmeer möchten, tummeln sich vor der geschlossenen Schleusenkammer.

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Unser Wasserweg geht in die andere Richtung, mit dem Tagesziel Joure.
Zwei große Plattbodensegler setzen sich vor uns und machen den Weg frei.
Zügig passieren wir die drei beweglichen Brücken. Auf Wiedersehen, Lemmer.

Mit gaaanz langsamer Fahrt schleicht die Wolfenjacht durch de Langesloot. Gleich stark steuerbord in de Ee of Boomwaart, auf Sloten zusteuernd.
Die Schilfbüsche, die das Ufer zieren, bewegen sich sacht im Wind. Auf manchen Wiesen liegt das Heugras.
Die Masten der Plattbodensegler, die seit Lemmer vor uns sind, schieben sich nun in einiger Entfernung durch die Landschaft.

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Gegen 10.20 Uhr sind wir 1,5 km vor Sloten. Die Information gibt der Laptop preis. Bekannte Gewässer, bekannte Schiffe. Die Noa Dolano (Yachtcharter Sneek) setzt sich vor Sloten hinter uns. Vor uns wartet ebenfalls eine Wolfenjacht (Panorama,Zwartsluis) auf das grüne Licht vor der Brücke.

Der Brückenwärter hat heute Morgen wenig Arbeit. 2,- Euro in den Klompen und freie Fahrt durch den Slotergat, der schnurstracks zum Slotermeer fließt.

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Die Wolfenjacht vor uns nimmt Kurs in die Flußsackgasse. Wo fahren sie denn hin? Die Noa Dolano greift an, überholt backbord. Die Crew des Schiffes ist hart im Nehmen. Das Schiffsmodell hat kein Cabrioverdeck und so stehen drei wetterfeste Frauen und setzen sich Wind und Regen aus.
Puh, ich kriege kalte Füße. Mal eben unter Deck die festen Schuhe und die Winterjacke anziehen.

Wir entscheiden uns gegen heiße Schokomelk met Slagroom in Woudsend (warum eigentlich?) und folgen dem Nauwe Wijmerts der auf den Johan- Friso-Kanaal stößt. Viel los hier. Da merkt man dass der Kanal zu einer Hauptwasserstrasse zählt.

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Dann steuerbord in den Janesloot, unter die Janesbrug. Der Betonnung folgend in den Langwerder Wielen bis Oudeweg. Dann durch die meist offen stehende Joustersluis auf die Zijlroede (wer kennt das deutsche Wort dafür?) bis Joure.

Douwe Egberts steht in großen Buchstaben an einem Gebäude. Ein Großkonzern mit Kaffee, Tee und Tabak. Und ein bekanntes Merkmal der Stadt Joure.

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Wo sollen wir anlegen? Joure hat einen guten Passantenhafen, der an diesem Sonntag noch viele freie Liegeplätze anbietet. Trotzdem entscheiden wir uns noch einmal zu drehen und an der Zijlroede direkt gegenüber der Kaffee-Tee-u. Tabakfabrik anzulegen. Tatsächlich liegt ein angenehmer Geruch von frisch geröstetem Kaffee in der Luft. (Gab es da nicht diese Werbung: es liegt was in der Luft, ein angenehmer Duft……für was wurde da geworben?)
So, aufwärmen und schauen was Joure uns zu bieten hat.

Die Stadt ist durchaus sehenswert. Auffällig sind die schönen Giebelhäuser, die rechts und links die Einkaufstrasse säumen. Im Erdgeschoss der Häuser befinden sich kleine Geschäfte (leider, leider geschlossen) und eine urige Gastronomie. Eine Kirche im Stile einer Basilika gebaut und eine einmalige Mühle, eine sogenannte Spinnekopmühle, nahe beim Passantenhafen, sei hier noch erwähnt.

Besonders empfehlenswert ist die Oranjerie. Ein gemütliches „Scheunenrestaurant“ mit angebautem großem Wintergarten in unmittelbarer Nähe zum Passantenhafen.

Dort kehren wir ein. Nach sehr gutem Speis und Trank bummeln wir gegen Abend zurück zu unserem Schiff. Wer hat noch Spaß an einer Runde Kniffel?
Dreimal Ja, na dann, lassen wir die Würfel rollen!

Daten vom Laptop
Abfahrt Lemmer
Fahrtzeit 4 Stunden 10 Minuten
Entfernung 31 km
Ziel Joure

 

Montag, 10.06.2013

Nach einem ausgiebigen gemütlichen Frühstück startet der Motor der Wolfenjacht um 10.00 Uhr.
Dicke Winterjacke, Socken und feste Schuhe sind angesagt. Ausziehen geht immer. Sieben Grad Celsius zeigt das Thermometer an. Heute feiern wir das Bergfest. Das werden wir abends im Restaurant an der Homansluis (Driewegsluis) beim Captain`s Dinner entsprechend genießen.
„Auf, auf ihr müden Seefrauen, Leinen los und Fender einholen!“ so ertönt das Kommando des Kapitäns. Hier an Bord hat ER das Sagen!

Wieder zurück durch die (offenstehende) Joustersluis, unter die Noorder Oudewegbrug (bei geschlossener Brücke bitte per Knopfdruck beim Brückenwärter anmelden).
In den Langwerder Wielen ist das Wasser glatt wie ein Kinderpopo. Von da aus weiter in de Scharster of Niewe Rijn vorbei am Passantenhafen Boornszwaag. Hier können sie etwas für die Umwelt tun und den Fäkalientank ihres Schiffes entleeren (direkt am Außensteg gelegen, sofort sichtbar).

Die A6 führt über die kommende Brücke mit einer Höhe von 3,56m. Die Höhe reicht nicht aus für die Wolfenjacht. Der Beamte im Brückenhäuschen lässt sich Zeit, wir sind bis jetzt die Einzigen die diesseits der Querung liegen. Jenseits der Überführung warten zwei Motorjachten. Der Bedienstete hält mit dem Fernglas in alle Himmelsrichtungen Ausschau, bevor sich die Scharsterrijnbrug langsam hebt. Schnell staut sich der Autoverkehr rechts und links der Brücke.
Doch nach nur wenigen Minuten geht es auch für die „Schiffe der Landstraße“ wieder weiter.

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Flora und Fauna halten auf diesem Abschnitt des Flusses noch ihren Winterschlaf. Die Schilfhalme stehen still am Uferrand. Kein Getier im Wasser oder in der Luft. Sollte der liebe Gott hier was vergessen haben?
Die hohen Bäume ragen wie gemalt in den bedeckten Himmel. Nur einen Augenblick der Stille.

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11.25 Uhr, der Skipper schiebt mit der Einfahrt ins Tjeukemeer den Gashebel weiter nach vorne. Trotz Vollgas erreichen wir Echtenerbrug nicht mehr vor der Mittagspause des Brückenwärters. Somit nutzen wir die eine Stunde Pause und ergänzen unsere Lebensmittelvorräte. Und da schau her, trotz aller Online-Nachrichtendienste wird noch eine Zeitung gekauft, die immer im Bilde ist. Ja, so ein Stück Papier in der Hand auf dem kleinen Örtchen ist doch Gold wert!

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13.00 Uhr, die Leinen einholen und langsame Fahrt voraus.

Pier Christiansloot, dann den Jonkers of Heloma folgend bis zur Homansluis.

Diese Schleusung nehmen wir noch mit, um dann im Passantenhafen der Driewegsluis unseren heutigen Törn zu beenden.

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Gleich geht´s zum Captain´s Dinner, ich freu mich schon auf den mit funkelnden Wunderkerzen verzierten Nachtisch. Ist das nicht so beim Traumschiff? Abwarten! Bis Dienstag morgen!

Daten Laptop
Abfahrt Joure
Fahrtzeit bis Echtenerbrug 2 Stunden
Entfernung 17,5 km

Abfahrt Echtenerbrug
Fahrtzeit 1 Stunde 40 Minuten
Entfernung 10,5 km
Ziel Passantenhafen Driewegsluis

 

Dienstag, 11.06.2013

Der neue Bootstag beginnt mit einer guten Tat. Der Fäkalientank der Wolfenjacht muss entleert werden. Die vorgesehene Pumpstation befindet sich
am Außensteg des Passantenhafens und ist wunderbar anzufahren. Und wenn wir schon einmal dabei sind, wird der Frischwassertank für 50 Cent auch noch aufgetankt. Die Reise kann weitergehen.

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Der heutige Wetterbericht verspricht uns
Sonnenschein. Es ist spürbar wärmer, die Socken und die Jacken bleiben aus.

Unser nächstes Etappenziel heißt Blokzijl. Dahin gelangen wir über das Flüsschen „die Linde“, dann Ozenzijler Sloot. Vor der Brücke in Ossenzijl gibt es ein wenig Wartezeit. Ein Konvoi mit sechs Schiffen kommt uns entgegen. Die Brücke wird noch einmal geschlossen. Das kleine Dorf Ossenzijl hat etwa 500 Einwohner. Der Name hat seinen Ursprung wahrscheinlich von einer Familie Osse, die eine Schleuse bediente.

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Diese Schleuse ist heute nicht mehr vorhanden, nur die alten Schleusenmauern sind immer noch zu erkennen.
Die Ozenzijler lieben es scheinbar, ihre Häuser und die Strasse entlang des Flusses mit bunten Fähnchen zu schmücken. So war es schon vor zwei Jahren und so ist es auch jetzt.

Vor uns liegt die Kalenbergergracht. Auch nach mehrmaliger Durchfahrt verliert dieses Stückchen einzigartiger Natur nichts von ihrer Ausstrahlung. Zahleiche Wasservögel haben hier ihr geschütztes Revier.
Eine Vielzahl von kleinen Häuschen mit wunderschönen farbenprächtigen Gärten inspirieren die Sinne. Einfach nur schön!!
Plötzlich ist nichts mehr frei. Ein mit beiden Armen winkender Mann steht in einem Kahn mitten auf dem Gewässer. Soll wohl heißen: STOP!
Grund dafür ist ein großes gummiartiges Rohr, das von einem Ufer zum anderen über das Wasser geschoben wird. Wir sehen zu, wie dieses Teil langsam versinkt und den Wasserweg wieder frei gibt.

Giethoornse Meer – Valse Trog – Noorderdiep – Blokzijl.
Nur noch wenige Wasserkilometer trennen die Crew und das Schiff vom Ziel.

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Vor der Scheerebrug legen wir um 12.20 Uhr an. Zeit für ein kurzes Nickerchen. Georg nutzt die halbe Stunde bis zur Weiterfahrt, um sich per Internet und mit Hilfe der Webcam im Hafen de Klok, in Blokzijl, eine Übersicht über die vorhandenen Liegeplätze zu verschaffen. Alles frei, bekommen Andrea und ich zu hören.

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Bei strahlendem Sonnenschein „parken“ wir die Wolfenjacht im Hafen von Blokzijl. Ich wage es gar nicht zu schreiben, es könnte sonst bei unseren Lesern der Eindruck entstehen, wir würden nur noch essen! Aber wir freuen uns auf die Appeltaart met Slagrom und auf den Pfannekuchen oder was noch? Fasten können wir auch zu Hause. Guten Appetit.

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Daten vom Laptop

Abfahrt Driewegsluis
Fahrtzeit bis Scheerebrug 2 Stunden 40 Minuten
Entfernung 14 km

Abfahrt Scheerebrug
Fahrtzeit 1 Stunde 15 Minuten
Entfernung 6 km
Ziel Blokzijl

 

Mittwoch, 12.06.13

Auf zu neuen Taten. Giethoorn, eine Stadt wo die wilden Geißen mit ihren Hörnern wahrscheinlich in der Elisabethflut von 1170 umgekommen sind.
Daher also der Name!

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Bevor wir Giethoorn erobern dauert es noch ein paar Stunden. Zunächst verlassen wir Blokzijl wieder durch die Schleusenkammer. Auf dem Giethoornse Meer tanzen die roten und grünen Tonnen an der glitzernden Wasseroberfläche.

Die Knospen der Seerosen sind noch geschlossen. Es fehlt die Wärme der Sonne, die sie zum Blühen bringen.

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Heute ist es an diesem frühen Morgen deutlich wärmer als an den letzten zwei Tagen. Mit langsamer Fahrt geht es unter die Wateringbrug. Einige hundert Meter später stark steuerbord in den Steenwijker Diep. Achtung, Einfahrt nicht unbedingt sofort zu erkennen!
Entlang des Flusses wird rechts und links an der Uferbefestigung gearbeitet. Zwei bewegliche Brücken, die Kooiwegbrug und die Halfwegbrug heben sich nur für die Wolfenjacht in die Höhe.

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Am Ende der Wasserstrasse Steenwijker Diep biegt der Kapitän steuerbord in Richtung Giethoorn – Beukerssluis ab.
Vor der Heerenbrug auf dem Beukers-Steenwijk-Kanaal gibt es dank der Durchfahrtshöhe von 6,50 m kein Warten.
Der Wind nimmt zu und treibt dicke Wolkenfelder vor sich her. Die Brücke „Giethoorn Noord“ erreichen wir um 11.45 Uhr. Ein bisschen mehr Power und wir schaffen es noch vor 12.00 Uhr unter die Brücke „Giethoorn Zuid“. Super!

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Den letzten Liegeplatz des Urlaubs finden wir im Passantenhafen Zuiderkluft.
Von hier aus sind es nur knappe 10 Gehminuten bis zu dem Punkt, wo sich täglich tausende Touristen treffen. (Welch ein Graus)

Giethoorn, auch das kleine Venedig von Overijssel genannt, besteht aus zahlreichen kleinen Kanälen die nur mit den sogenannten Flüsterbooten (Elektromotor) oder mit den Touristenkähnen befahren werden können.


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Das weit verzweigte Kanalnetz entstand in früheren Tagen durch den Torfabbau.
So tauschen wir jetzt die Wolfenjacht mit einem Kahn, auf dem etwa 50 Personen Platz haben. Auf einer einstündigen Fahrt durch das Dorf informiert ein junger Mann in drei Sprachen über die Geschichte Giethoorns. Sehr interessant und empfehlenswert. Manche Häuser sind nur mit dem Boot erreichbar, was besonders gut vom Wasser aus ersichtlich ist.
Schön anzusehen, aber wohnen möchten wir hier nicht.
Und was machen wir jetzt? Na, ratet mal………

Die Wolken haben sich wieder verzogen, so dass wir den letzten Abend an Bord der Wolfenjacht noch auf dem Achterdeck bei einem Glas Wein genießen können.

Ach ja, die

Daten vom Laptop
Abfahrt Blokzijl
Fahrtzeit 2 Stunden 40 Minuten
Entfernung 20 km
Ziel Giethoorn

Donnerstag, 13.06.2013

Der Himmel hat aufgehört zu weinen, als wir um 9.25 Uhr den Passantenhafen Zuiderkluft verlassen. Die letzte Reise beginnt. Steuerbord Richtung Beukerssluis abbiegen.

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Der Weg zurück in den Heimathafen führt vorbei an de Blauwe Hand, ein Weiler in der Gemeinde Steenwijkerland, der zwischen Beulakerwijde und Belterwijde liegt. Der zentrale Punkt ist die bewegliche Ophtaalbrug. Die

Beukersgracht, die Beukerssluis und der Meppelerdiep sind die Wasserstraßen die wir bis nach Zwartsluis befahren.
Im Hafen von Yachtcharter Panorama werden wir sehr freundlich von Herrn Hagemann empfangen. Die Wolfenjacht entladen, das Auto beladen, dann abrechnen und noch Zeit für ein kurzes Gespräch mit Herrn Hagemann.
Wie war die Woche? Alles gut gelaufen? Was gibt es Neues zu berichten aus den Provinzen Friesland, Flevoland und Overijssel?

Nach gut zweistündiger Fahrt mit dem Auto sind wir wieder zu Hause angekommen. Die Vorfreude ist der „Nachfreude“ gewichen. Schöne Erinnerungen und Momentaufnahmen (Bilder) werden sicherlich noch einige Zeit in unseren Köpfen bleiben.
Bis es dann wieder heißt: Leinen Los!

Die letzten Daten vom Laptop
Abfahrt Giethoorn
Fahrtzeit 1 Stunde 35 Minuten
Entfernung 13 km
Ziel Zwartsluis, Yachtcharter Panorama
Gewichtzunahme 2 Kg

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