Logbuch 2008

Friesland ruft ……..


und wir, Georg, Andrea, Hermann und Christa, sind diesem Ruf gefolgt – heute,Samstag, den 24. Mai 2008. Bei nahezu wolkenlosem Himmel steigen wir um 7.15 Uhr in unsere Autos und fahren gen Sneek.

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Es ist wenig los auf den Autostraßen und so sind wir schon um 9.30 Uhr an unserem Ziel: der Yachtcharter Sneek, wo Fritz uns begrüßt und Syitze die Einweisung vornimmt und alles Neue aus dem letzten Jahr erzählt. Aber das verrate ich hier nicht alles. Nur soviel: Die Sybrigje (Name unseres Schiffes) hat einen neuen Motor und einen neuen Mast bekommen. Warum? Na, der Mast war zu lang für die niedrige Brücke und wenn jemand Öl mit Diesel verwechselt, ist das tödlich für den Motor.

Friesland_24-30_05_2008_005Außerdem gibt es noch einen schönen Holztisch auf dem Achterdeck, wo wir hoffentlich jeden Tag bei Sonnenschein sitzen können.

Und noch etwas, wir bekommen einen kleinen Brückengeldbeutel geschenkt, den wir gleich unter Deck an einen Haken aufhängen. Hier hat sich auch die Farbe der Sitzpolster geändert, sie sind jetzt ganz in blau gehalten.
Zudem gibt es noch eine neue Stange für die Flagge am Achterdeck, so dass wir sie problemlos herausnehmen und hineinstecken können.
Jetzt kann es losgehen!

Andrea lässt den Sektkorken knallen. Wir stoßen auf eine erlebnisreiche (hoffentlich nur positive), sonnige und harmonische Woche an.
Um 11.30 Uhr wird der Zündschlüssel umgedreht, die Leinen gelöst und auf geht’s, bis nächste Woche Freitag!
Für diese Woche haben wir geplant einen Teil der Nordwestroute und die Kleiroute zu fahren.. Syitze überreichte uns dazu eine wirklich gut ausgearbeitete schwarze Mappe aus seinem Büro. Großes Kompliment! Die Beschreibung der Route enthält wirklich alles was wichtig und interessant ist. Schaut doch mal rein!

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Es bläst ein frischer friesischer Wind auf dem Sneeker Meer, sodass wir das Laufen an Deck erst einmal wieder üben müssen. Ja, Andrea, es klappt nicht mit einem Teller und vier aufgeschnittenen belegten Frikadellenbrötchen an Deck zu kommen. Der Wind weht doch glatt das Brot vom Teller. Huch, wer kann da mal helfen ??

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In Höhe der Terhorne-Schleuse kommt uns ein großes Schiff (Berufsschiffer) entgegen. Mitten durch das Meer verläuft nämlich der Prinses Margriet Kanal, der von der Nordsee nach Amsterdam führt.
Ansonsten jede Menge Motoryachten und Segler mit mächtig aufgeblähtem Tuch.
Unter die Spoorbrug, dahinter gleich das Aquadukt über die Autobahn, fahren wir gemütlich Richtung Grou ins Pikmeer.

Grou ist ca. 1200 Jahre alt. Nicht ganz so alt wie unser Dorf Spellen. Einwohner hat es 5400. Jährlich findet hier am 21.02. das Sint Piterfest statt. Sint Piter ist benannt nach dem heiligen Apostel Petrus, Schutzpatron der Fischer und Schiffer. Gefeiert wird dieses Fest mit allerlei Kulinarischem.

Eine der vielen Legenden erzählt, dass St. Piter und St. Nicolaas im Dezember mit Geschenken unterwegs waren, als sie in einen heftigen Streit miteinander gerieten. Sie trennten sich. St.Nicolaas ging mit den Geschenken nach Leuuwarden und St. Piter zog es nach Spanien. Von dort kam er dann angeblich mit Geschenken am 21.02. in Grou an. So feiert man bis heute an diesem Datum das St. Piterfest.

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Im Pikmeer lässt der Wind ein wenig nach. Viele Boote liegen an den Marrekriteplätzen in den kleinen Abzweigungen des Wijde of Peanester Ee, den wir inzwischen erreicht haben.
Vom Sijtebuurster Ee geht es in de Kromme Ee. Auf dem Laptop sind an diesem Fluß einige Marrekriteplätze eingezeichnet. Dort wollen wir anlegen und unseren Kaffeedurst befriedigen. Hermann, der Co-Kapitän, steuert uns durch eine Gruppe Ein-Mann-Kanu-Fahrer hindurch.
Die Liegeplätze sind fast alle besetzt. Darum fahren wir weiter über den Gietmansrak in Richtung Drachten. Nach einer weiteren kurzen Fahrstrecke machen wir an einer kleinen Insel bzw. Gabelung mitten in dem jetzt breiteren Gewässer, dem Monniken Ee, mit der Sybrigje fest.
Bei Plätzchen und einer Tasse Kaffe mitten auf der grünen Wiese, Tisch und Stühle haben Hermann und ich von Bord gestellt, genießen wir Vier den sonnigen Nachmittag. Bis morgen früh werden wir hier liegen bleiben und den ersten Tag unserer Bootstour gemütlich ausklingen lassen.

Sonntag, 25. Mai 2008

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Nachdem wir gestern Abend alle sehr früh in unseren Kojen lagen – Seeluft und Sonne machen unheimlich müde – steht das Frühstück heute um 8.00 Uhr auf den Tisch. Kaffee, Tee, Schinken und Ei stärken uns für den Tag. So legen wir um 9.30 Uhr bei gräulichem Himmel und sehr starkem Wind ab. Das Tagesziel heißt Dokkum.

Sehr präzise kann ich unter Deck auf dem Laptop den Pfeil, der uns den Weg durch die Wasserstraßen zeigt, verfolgen.
Zwischen der grünen und roten Betonnung bewegt die Sybrigje sich langsam vorwärts. Das leise Klatschen der Wellen ist an der Bordwand zu hören.

Friesland_24-30_05_2008_015Ich sitze oben auf dem Deck und lasse mir den frischen Wind um die Nase wehen. Direkt voraus, die Schiffswerft von Drachten. Ein Hinweisschild backbord, Richtung Lauwersmeer. Nur vereinzelt begegnen uns Boote.

Margaritenbüsche und gelbe Wasserlilien am steinigen Uferabschnitt.
Ein kleiner Sonnenstrahl findet den Weg zu uns hinunter, um gleich wieder zu verschwinden.
Wir biegen backbord ab in den Opeinderfaat. Ein kleines schmales Flüsschen, das sich zwischen Wiesen und Bäumen dahinschlängelt. Hier ist es wesentlich windstiller. Eine kleine Entenmama watschelt mit der ganzen Familie über die Wiese. Schafe friedlich grasend zwischen den Kühen.

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Lagzaam varen
In der Höhe von Opeinde (de Pein) drei aufeinander folgende Brücken. Die erste eine Steinbrücke, die von Weiten sehr eng und niedrig aussieht. Laut Plan haben diese Brücken alle eine Durchfahrtshöhe von 3,27 m. Vorsichtshalber wird der Mast umgelegt und die Fahrt deutlich verlangsamt.
Eine Reihe von Häusern der neueren Bauart stehen am Rande des Kanals. Freundliche Menschen hinter den Fenstern winken uns zu. Wir durchfahren gerade die letzte Brücke und verlassen somit auch schon wieder das kleine Dorf.
Hermann und Andrea, die am Bug der Sybrigje gestanden haben um das Manövrieren vom Kapitän Georg zu bewachen, dürfen nun ihren Posten wieder verlassen.

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Zwei weitere Brücken mit einer Durchfahrtshöhe von 4,75 m. Kurz danach schwimmen wir in de Leijen, einem breiteren Wasser. Sofort schaukelt die Sybrigje hin und her. Kleine weiße Schaumkronen tänzeln auf den Wellen. Der Wetterbericht hat Temperaturen von 18 bis 22 Grad vorhergesagt. Ohne Wind mag das ja sein. Aber meinem Gefühl nach zu gehen ist es doch um einige Grade kälter. Kleine Sandbänke und Inselchen sind hier auf dem Gewässer zu finden. Viele Vögel haben sich dort niedergelassen und das Geschrei der Möwen ist nicht zu überhören.

Was ist das kalt hier oben!! Vielleicht gibt es unter Deck einen 11.00 Uhr-Grog! Mir wäre danach.

Gut, mit dem Grog das war nichts, aber ein heißer Kaffe tut es auch.

De Lits, so nennt sich dieser Fluss bei Oostermeer (Eastermeer). Eine kleine bewegliche Brücke, die auf Knopfdruck geöffnet wird. Ein winziger Passantenhafen zur rechten und ein Bauerngehöft zur linken Seite tauchen auf.

 

Friesland_24-30_05_2008_017Hinaus auf das Bergumer Meer. Noch eine Bemerkung am Rande: Kamm und Bürste brauchen heute nicht benutzt werden. Bei dem Wind hält keine Frisur, es sei denn, jemand hat so kurzes Haar wie unser Kapitän. Da bewegt sich nun wirklich kein Härchen auf dem Kopf!

Surfer haben ihre helle Freude. Mit Spitzengeschwindigkeiten düsen sie über das Meer. Die Gischt spritzt hinauf bis zum Achterdeck. Hinter mir rutscht der Campingstuhl über den Schiffsboden.
Hier tobt das Meer!!!

Allmählich wird es ruhiger. Den Stoppelzool entlang, vorbei an einer Siedlung, bestehend aus vielen Holzhäusern, die nur auf dem Wasserweg zu erreichen sind. Zwei feststehende Brücken, Höhe 3,10 m.
Zwartkruis mit einem kleinen Yachthafen. Ab hier befahren wir den Kuikhoenstervaart.

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Durch Zwaagwesteinde an dem Nieuwe Vaart gelegen, weiter, unserem Ziel ein Stückchen näher. Mammutpflanzen verschönern hier die Uferseiten. Sie sehen aus wie große Rhabarberpflanzen. Tipp: zu bewundern auch bei Gossen in Spellen, auf der Elisabethstr.- aber nur eine Pflanze aus Giethorn.

Friesland_24-30_05_2008_029Schmucke Häuser mit eigener Yacht vor der Haustür hält Georg auf dem Foto fest.

Der Nieuwe Vaart fließt kilometerweit durch die Landschaft. Es gibt einige Marrekriteplätze, die auf unserer Karte (von 2006/2007) noch nicht eingetragen sind. Besonders hier vor der Swimmersheekbrege. Immer wieder durchfahren wir winzige Orte und niedrige Brücken.

13.30 Uhr, die Sonne hat sich zurückgezogen und aus dem Grau des Himmels fallen ein paar Regentropfen.
Ein Blick auf dem Laptop verrät mir, dass wir uns nun auf dem Nieuwe Zwemmer bzw. schon auf dem Dokkumer Diep befinden. Wiesen, Felder, breite Schilfgürtel und hohe Baumreihen prägen das Landschaftsbild.

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Dokkum—und die Lits-Lauwersmeerroute steht auf dem grünen Schild vor uns zu lesen. Nach backbord abbiegen in den Dokkumer Grootdiep, der uns schnurstracks nach Dokkum führt.
Unter die Woudpoortbrug fahren wir in Dokkum hinein. Kurzer Anruf beim Brückenwärter (Telefonnummer steht auf dem Schild vor der Brücke), schon springt die Ampel auf grün und gewährt und freie Einfahrt. An der Windmühle finden wir einen Liegeplatz.
15.30 Uhr, der Hunger treibt uns ins Städtchen.

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Noch nicht genug gefahren für heute! Um 17.30 Uhr lassen wir den Motor der Sybrigje noch einmal an. Durch die Altenabrug hinaus aus Dokkum (4,30 Euro) soll es noch ein kleines Stückchen den Dokkumer Ee entlang gehen.

Jetzt, endgültig, hat die Maschine gestoppt. Die Leinen sind festgezurrt. An einem Marrekriteplatz ohne Landgang verbringen wir den Abend und die Nacht.

Montag, 26. Mai 2008

Keine Besonderheiten heute Morgen. Nach Frühstück, Maschinenkontrolle und Angel einholen starten wir.
Der Wind hat gegenüber gestern noch mehr zugenommen. Riesige Wolkenfelder jagen am Himmel über uns hinweg.
Um 9.45 Uhr lassen wir die Klaarkampbrug über dem Dokkumer Ee hinter uns. Das Gebiet ist uns bekannt. Vor zwei Jahren sind wir mit der Libra hier auf der Reise gewesen.

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Mit Rückenwind geht es erst einmal nach Leuuwarden. Die Brücke vor Birdaard an der alten Mühle kommt in Sicht. Fahrradfahrer, die die gleiche Richtung haben, überholen uns auf dem Fahrradweg. Im Ort selber durchfahren wir zwei bewegliche Brücken und zahlen 2,50 Euro Brückengeld aus unserem Beutelchen.

Einige große Segler mit Motorkraft kommen uns entgegen. Ein Neubaugebiet zur Linken. Nichts für arme Leute, so der Kommentar von Andrea!.

Prächtige Höfe von großen Bäumen umgeben, eine Vielzahl von grasenden Kühen, Schafen und jungen Lämmern kommen zum Vorschein. So ist Friesland! Immer wieder steuern wir durch kleine Örtchen, fast menschenleer.
6,5 km noch bis Leuuwarden. Die kleine Fähre am Eetkaffee Winze liegt verlassen am Ufer.

Der Zeiger der Uhr steht auf 11.10 Uhr. Wir hoffen, dass wir es bis 12.00 Uhr nach Leuuwarden schaffen.

Leuuwarden ist die Hauptstadt der Provinz Friesland. Von hier aus startet in kalten Wintern der Schlittschuhmarathon durch die elf Städte Frieslands, die da heißen: Leuuwarden, Dokkum, Franeker, Harlingen, Bolsward, Workum, Hindeloopen, Stavoren, Sloten, Ijlst und Sneek. Die Strecke hat eine Gesamtlänge von ca. 200 km.

Vor der Brückenwärtermittagspause erreichen wir die Eebrug. 6,- Euro Brückengeld in den Klompen für die nächsten vier Brücken – die Noorderbrug, die Vrouwenpoortsbrug, die Verlaatsbrug und die Hermesbrug. Kurz hinter der Eebrug kommt ein schwimmendes Hindernis auf uns zu. Ein riesiges Segelschiff – wirklich riesig! Wer weicht denn jetzt aus und wohin?

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Gleich hinter der Noorderbrug machen wir fest. In unmittelbarer Nähe des Anlegeplatzes steht eine Fischbude.
Nichts wie hin. Jetzt bekommt Hermann endlich seinen Fisch. Und wie gut der schmeckt!
Nun fehlt nur noch ein leckeres Softeis. Also auf in die Innenstadt. Ein Fußweg von knapp 10 Minuten.
Mit dem Eis auf der Hand bummeln wir durch die Straßen dieser Universitätsstadt. Bei Super de Boer werden die nötigen Einkäufe erledigt.
Gegen 15.00 Uhr verlassen wir Leuuwarden wieder. Die Vrouwenpoortsbrug (haben wir nicht gerade in guter Erinnerung, s. Bericht von 2006), die Verlaatsbrug und die Hermesbrug müssen für uns geöffnet werden. Um 15.18 Uhr bei 14 Grad Kälte, oder soll ich sagen Wärme; schwimmt die Sybrigje endgültig hinaus aus der Stadt.

Die Spoorbrug steht offen und unter der Slauerhoffbrug passen wir durch. Ein kurzes Stück auf den Van Haarinxmakanaal, dann bei Deinem rechts ab, unter eine 2,50 m niedrige Holzbrücke.

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Wir befinden uns auf der Kleiroute, die wir zum ersten Mal befahren, Richtung Franeker. Der Wind pfeift über uns hinweg. Höllenlärm am Himmel. Einige Jagdflieger donnern über unsere Köpfe. Irgendwo scheint es hier einen Lande- und Übungsplatz zu geben.

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Die nächste Brücke eng und niedrig. Auf dem Stuhl kann ich nicht sitzen bleiben. Der Kapitän, der am Außensteuer steht, geht in die Knie. Hermann und Andrea am Bug in die Hocke. Es passt alles!

Ein kleiner sehr kurvenreicher Fluss, umsäumt von einem schmalen Schilfgürtel, windet sich durch die grüne Landschaft. Vier aufeinander folgende Brücken mit einer Höhe von 2,50 m, das heißt: Kopf runter, Kopf hoch, und das mehrmals hintereinander.

In Menaldum wird´s spannend. Der Fluss wird schmaler und schmaler. Die unübersichtlichen Kurven zwingen uns, sehr langsam zu fahren. Mehrere unbewegliche niedrige Brücken lassen wir hinter uns. Unstimmigkeiten kommen auf. Die nächste Brücke ist in unserer Karte mit einem Meter Höhe und beweglich angegeben. Vorsichtshalber legen wir kurz an der Kaimauer im Dorf an. Hermann läuft die paar Meter bis zur Brücke.

Also Erstens: die Brücke ist nicht beweglich und Zweitens: das Bauwerk ist wohl vor kurzer Zeit erhöht worden auf ca. 2.50 m. Klaaibrege, so nennt sie sich. Direkt auf der linken Seite dahinter gibt es eine neue Anlegestelle um Frischwasser zu tanken.

Gemächlich tuckert die Sybrigje über die ca. 8 m breite Rinne. Die Sonne lässt sich heute auch noch sehen, spät (17.15 Uhr), aber sie scheint.

Vor Berlikum, dem nördlichsten Punkt der Kleiroute, ist ein Marrekriteplatz auf der Karte eingezeichnet. Leider sind alle Plätze besetzt. So geht es noch ein Wenig weiter durch das hübsche Dorf. Auffallend viele Gewächshäuser sind hier angesiedelt. An der vor uns liegenden Gabelung steuert der Kapitän das Boot backbord, Richtung Franeker. Marrekriteplätze sind rar. Dabei könnte Hermann hier so richtig schön angeln.

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So, endlich liegt das Schiff fest am Yachthafen Kattengat. Gut vertaut über vier Leinen bei jetzt Orkanwindstärken. Das soll uns nun aber nicht mehr stören. Denn für heute ist die Tour beendet.

Dienstag, 27.05.2008

Es ist erst 7.15 Uhr, aber ich nutze die Zeit und schreibe vor dem Frühstück ein paar Zeilen.
Wir liegen beim Yachthafen Kattegat in dem Ort Ried, den wir gestern Abend noch erkundet haben. Ein Dorf mit 475 Einwohnern, einer Kirche, einem Bäcker, einem Restaurant und einem Sportplatz.
Wer auf dem Jakobsweg von Leuuwarden nach Santiago de Compostella unterwegs ist, geht durch dieses kleine Dorf.
Dusche und Toilette am Hafen, von der wir alle Vier Gebrauch gemacht haben, sind sehr sauber. Den Schlüssel dazu gab uns gestern Abend die Hafenmeisterin, die uns zuvor 10,25 Euro Gebühr abgenommen hat. Sauber und mit dem Duft von Shampoo und Duschgel schmeckt das Frühstück nun umso besser!

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Um 9.00 Uhr wird die Sybrigje fahrtauglich gemacht. Das Wetter lässt viele Wünsche offen. Kalt, stark windig und im tiefen Grau der Himmel. Aber kein Regen, noch nicht!!

Auf den Wasserstraßen der Kleiroute ist es sehr ruhig. Kein Schiff weit und breit, ab und an eine 2,50 m hohe Fußgänger- und Fahrradbrücke, die diesen Bach überqueren.

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Mit dicker Decke, die ich mir um die Beine geschlungen habe, Kapuze und Rollkragenpulli unter der dicken Jacke, lasse ich Flora und Fauna an mir vorüberziehen.

Nach etwa 40 Minuten erreichen wir die erste Häuserzeile von Franeker. Backbord einschlagen und unter drei Brücken. Vorsichtig, hinter der dritten feststehenden Brücke, eine starke Linkskurve und unmittelbar steht die Sybrigje vor einer geschlossenen beweglichen Brücke.
Der Himmel tut sich in diesem Moment auf, aber die Brücke bleibt leider geschlossen. Nach einigen Minuten Wartezeit und vollkommen durchnässter Kleidung, legen wir am Uferrand an. Hermann macht den Brückenwärter ausfindig, der gleichzeitig in der Stadherberge, dem Restaurant direkt vor der Brücke, arbeitet. (Fritz erzählte uns später, dass der Brückenwärter auch der Koch des Restaurants wäre und mal ehrlich, bei dem Wolkenbruch hätte ich auch kein Schiff gesehen)

Einige Zeit später kurbelte der Koch / Brückenwärter dann auch die Brücke mit eigener Muskelkraft hoch.

Ein kleines Stückchen auf dem Großschifffahrtskanal „van Harinxma“ und dann den Franekervaart hinunter. Ein feines 11.00 Ühr-Schnäpschen täte jetzt gut stattdessen Vanille Fla mit frischen Erdbeeren. Mmh, lecker!

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Wir schippern Richtung Winsum, dort wartet der Wärter mit dem Öffnen der Brücke schon auf uns. Nach wenigen Kilometern rechts abfahren in den Bolswaader Trekvaart. Die Glocken in der Ferne läuten 12.00 Uhr Mittag. An einem Marrekriteplatz vor Wommels wird die Sybrigje festgemacht. Gulaschsuppe, Würstchen und Brot steht auf dem Speiseplan.

Die Mittagspause dauerte bis 13.15 Uhr. Der Brückenwärter in Wommels hat seine Pause ebenfalls beendet.
Ein Dorf mit vielen neuen Häusern der gehobenen Klasse, mit kreativ gestalteten Vor- bzw. Hintergärten. Hier nehmen Andrea und ich Ideen zur Gestaltung unserer eigenen Gärten mit nach Hause.

Hinter Wommels überquert eine enge und feststehende Steinbrücke, die Krommesyl, den Trekvaart. Vorsichtig, die Brücke kann man nicht gerade unterfahren.

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Burgweed heißt die nächste Siedlung. An der vielfachen Gestaltung der Gärten können wir uns nicht satt sehen.
Auffällig ist auch, dass jedes noch so kleine Dörfchen eine eigene Kirche hat.
Die Missionierung Frieslands um 750 durch Bonifatius, dem in Dokkum ein Denkmal gesetzt wurde, weil er dort 80jährig im Jahre 754 umgebracht wurde, war scheinbar nicht vergebens.

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Um 14.30 Uhr kommt der Kirchturm von Bolsward in Sichweite. Langsam gleitet das Boot über das Wasser. Vor der St.Jan Brücke muss zuerst mit dem Brückenwärter telefoniert werden. Nach fünf Minuten kommt er auf dem Fahrrad angeradelt und bedient die Brücke, ebenso auch die nächsten Zwei.
Es ist 15.00 Uhr und wir haben unser Tagesziel, Bolsward, erreicht.

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Jetzt schnell in die Stadt. Im letzten Jahr haben Andrea und ich einen Laden entdeckt, zu dem wir unbedingt noch einmal hin müssen. (Indische Kleidung)
Tatsächlich haben wir uns dort auch eine schöne Jacke gekauft. Hermann`s Kommentar: Sie trugen seltsame Gewänder und zogen planlos umher. Männer!!
Nach dem Einkaufbummel und Restaurantbesuch verbringen wir den Abend auf Deck unseres Schiffes mit Bier und Proseco.
Morgen früh erwarten wir unsere Kegelfreunde Willi und Monika, die uns für einen Tag besuchen kommen.

Mittwoch, 28.05.2008

Der Kaffee ist aufgebrüht und die Eier sind gekocht. Wir warten auf die Spellener, Willi und Monika. Das Handy klingelt und Willi lässt sich den Weg zu unserem Boot von Georg beschreiben. Fünf Minuten später sitzen wir alle gemütlich um den Frühstückstisch herum und lassen uns die Goldstücke und Kaiserbrötchen aus Spellen schmecken.

Ein kleines Stückchen Friesland, von Bolsward bis Easterlittens und zurück wollen wir unseren Besuchern heute zeigen.

So laufen wir mit der Sybrigje um 10.00 Uhr aus Bolsward hinaus, nehmen in Easterlittens, nach einem kurzen Spaziergang durchs Dorf, am Yachthafen unser Mittagessen ein, um dann gegen 15.30 Uhr wieder in Bolsward anzukommen. Nach einer Tasse Kaffee verabschieden Willi und Monika sich von uns. Wir Vier machen noch eine Fußrunde durch Bolsward und kehren anschließend beim Italiener ein um dort lecker zu speisen.
(Da ich heute mal „schreibfrei“ hatte, fällt dieser Text so kurz aus)

Donnerstag, 29. 05.2008

Der Geruch von verbranntem Toast liegt in der Luft, als wir mit dem Glockenschlag 10.00 Uhr die St. Jan Brücke in Bolsward zum letzten Mal in diesem Jahr durchfahren.

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Kaum aus der Stadt heraus, bläst uns auf dem flachen Land wieder ein frischer Wind ins Gesicht. Die Sonne lässt sich nur erahnen. Dafür ist es aber nicht mehr so kalt wie in den vergangenen Tagen.

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Burgweed, das erste Dorf auf der heutigen Reise mit der engen Brückenunterführung. So ein Dorf zählt mit Sicherheit mehr Tiere als Einwohner. Mein Geruchsinn nimmt den Duft von frisch gemähtem Gras wahr. Schnepfen, Graureiher, Schilfrohrsänger, Möwen und Kibitze kreisen über das satte Grün der Wiesen. Aber vorsichtig, nicht vergessen immer wieder den Kopf einziehen oder auf die Knie! Fragt Monika und Willi, mit denen haben wir es gestern noch geübt.

Wommels, een prettig winkelen met Yachthaven, durchschippern wir als Nächstes. Früher lebten die Einwohner hier vom Käsehandel. Heute ist es vor allem ein Ort der Pendler. Bei der Dorfeinfahrt, hinter der ersten Fußgängerholzbrücke steuerbord, holt ein Bagger auf einer Länge von geschätzten 50 m Schlamm aus dem Wasser. Hier wird, so wie es aussieht, eine neue Anlegestelle geschaffen.

11.50 Uhr, schaffen wir es noch, bei Easterlittens durch die bewegliche Brücke zu kommen?

Der Himmel verdüstert sich immer mehr. Gewitter ist angesagt.

Zwei rote Ampellichter zeigen uns an, dass der Brückenwärter von Easterlittens schon Mittagspause hat. Wir schließen uns dem an und vertäuen die Sybrigje direkt vor der Brücke. Bis 13.00 Uhr rührt sich nun gar nichts mehr.

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Dem Franekervaart folgend bis zum ersten Marrekriteplatz. „Da machen wir jetzt fest,“ beschließt der Kapitän. Also Regenjacke an und raus, die Leinen festbinden. Hermann wird sicher gleich die Angel ins Wasser halten. An dieser Stelle ist im vorigen Jahr der Hecht von der Angel gegangen. Aber zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen! Bootsdienst ist angesagt, das heißt: Achter- und Vorderdeck schrubben. So eine Bootstour ist eben nicht nur zum Vergnügen da!

Leise prasselt der Regen auf das Dach der Sybrigje. Dieser Nachmittag und der Abend stehen zur freien Verfügung. Zur Auswahl stehen schlafen, angeln, ein Buch lesen oder? schreiben, so wie ich es gerade getan habe. Ja dann, genießen wir doch den Rest des Tages und den letzten Abend auf der Sybrigje.

Freitag, 30.05.2008

Gut ausgeruht nach dem gestrigen Tag, starten wir gegen 10.00 Uhr Richtung Heimathafen Sneek. Die Sonne lässt sich heute Morgen sogar blicken.

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Auf der Middelseeroute dem Franekervaart folgend gleitet die Sybrigje durch diesen schönen Freitagmorgen.
Hier ist Ruhe – wirklich Ruhe! Nur das Schreien der Vögel und das leise Brummen des Motors sind zu hören.
Bouzumervaart- gespannt nähern wir uns der Spoorbrug. Die Brücke war bisher äußerst eng, sodass man die Fender einholen musste. Von weitem erkennen wir aber schon, dass diese Überführung verbreitert worden ist. Unübersichtlich bleibt es an dieser Stelle trotzdem, weil der Fluss nicht überschaubar ist. So muss der Kapitän den Blick über die Felder schweifen lassen, ob irgendwo ein Boot zwischen den Wiesen schwimmt.
In Boazum, hier ist der Fluss auf einer kurzen Strecke nur fünf Meter breit, gibt es einen neuen Anleger neben einem Eetkaffee.

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Inzwischen befinden wir uns auf dem Trekvaart of Zwette, der uns direkt bis Sneek führt. Eine kleine Herausforderung kommt noch einmal auf den Kapitän zu. Vor der nächsten Brücke muss das Schiff erst einmal in Position gebracht werden, das heißt, eine halbe Drehung auf der Stelle, bevor es weiter geradeaus geht. Aber auch diese Aufgabe meistert Georg ohne Probleme.

Nicht mehr lange und wir sind wieder beim Yachtcharter Sneek angekommen.

Wie habe ich zu Beginn unserer Reise geschrieben? Worauf haben wir angestoßen? Auf eine erlebnisreiche, harmonische und sonnige Woche. Na ja,
die Sonne hat sich ein wenig verdrückt, aber sonst hat alles wieder gestimmt.
Friesland hat unheimlich viel zu bieten und wir haben noch längst nicht alles gesehen. Und von einem Boot aus, sieht man (Mann-Frau) die Welt (Friesland) doch mit ganz anderen Augen!

Darum also bis zum nächsten Jahr bei Syitze, Greta und Fritz. Bis dahin bleibt alle gesund.

Die Vier aus Spellen, Andrea, Georg, Hermann und Christa.

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